Zürich / Hajo Zenker

Wenn es glückliche Kühe gibt, dann auf den Bergwiesen der Alpen. So das gängige Vorurteil. Und es stimmt sogar. Zumindest aus Sicht der Kühe. Allerdings sind die Alpen selbst mittlerweile weniger glücklich. Denn dank jahrelanger Züchtung hin zu immer höherer Milchleistung dank größerer Euter sind die Schweizer Kühe so groß und so schwer geworden, dass sie die Alpenwiesen gründlich zertrampeln. Da wächst kein Gras mehr. Und was doch noch wächst, wird in Turbogeschwindigkeit gnadenlos weggefressen. Denn Riesenkühe haben auch Riesenhunger.

Deshalb schlägt der größte Rindviehzuchtverband in der Schweiz namens Swissherdbook jetzt Alarm. Man müsse weg von Tieren mit 800 Kilogramm Gewicht. Kuhexemplare von 500 Kilogramm seien viel eher angemessen.

Und so versucht jetzt die Interessengemeinschaft „Neue Schweizer Kuh“, die eidgenössischen Bauern zu bekehren, kleinere, genügsamere Tiere anzuschaffen, die zudem auch noch weniger Antibiotika benötigten.

Nur würde das natürlich heißen: Von jeder Schweizer Kuh käme dann auch weniger Milch. Das Angebot würde geringer, die Preise gingen in die Höhe. Selbst im Hochlohnland Schweiz geht das aber für die Milch und Käse liebenden Verbraucher gar nicht. So sieht es wohl schlecht aus für die Alpenwiesen. Was wieder mal zeigt, dass das größte Rindvieh nicht unbedingt vier Beine haben muss.