Wegen Corona waren in der Schweiz zeitweise fast alle Intensivbetten belegt, doch mittlerweile sinken die Infektionszahlen wieder. Von über 9000 am Tag gingen sie an manchen Tagen auf etwa 3300 zurück und liegen damit in etwa so hoch wie in Österreich (Stand: 23.11). Die Schweizer Gesellschaft für Intensivmedizin hatte die Menschen zuvor darum gebeten, ihre Patientenverfügungen zu aktualisieren, um den Ärzten bei einer Einlieferung die Entscheidung über Leben und Tod zu erleichtern. „Triage“, zu Deutsch „Auswahl“, nennt man eine Situation, in der die Mediziner Behandlungsprioritäten setzen müssen oder Patienten sogar komplett zurückweisen.
Insgesamt gibt es in der Schweiz nur 876 von der Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) zertifizierte Intensivbetten für Erwachsene. Der Bundesrat hat zudem 240 weitere Intensivbetten eingerichtet. 60 Prozent aller Intensivbetten waren am 17. Oktober mit Covid-19-Patienten belegt, Anfang November noch 46 Prozent.
Zwischen Lockdown-Maßnahmen und schwedischem Laisser-Faire ist die Schweiz uneins über die richtige Linie in der Corona-Politik. Mitte November schienen sich die Infektionszahlen allmählich zu stabilisieren und sanken von einem hohen Niveau über 9000 am Tag wieder deutlich ab. Am Mittwoch, 18. November, verzichtete die Regierung erneut auf eine Verschärfung der Maßnahmen. „Bundesrat behält die Nerven“, titelte die NZZ.
Intensivbetten in der Schweiz Keine Behandlung für Corona-Leugner?

Basel

Ökonomen forderten Lockdown für die Schweiz

Dennoch machten sich 60 Ökonominnen und Ökonomen aus der Schweiz in einem Manifest in der deutschen FAZ für einen Lockdown stark. Sie glauben, dass mit einem harten Eingriff in das Infektionsgeschehen die wirtschaftlichen Kosten nicht steigen, sondern sogar reduziert werden können, da bei einer Eindämmung die Lasten gerechter verteilt werden könnten und später mit mehr Wachstum zu rechnen sei.
Die offizielle Linie der Eidgenossenschaft ist jedoch eine andere und setzt auf möglichst milde Maßnahmen sowie auf viel Eigenverantwortung wie in Schweden. Außerdem wird regional differenziert, und einen Teil-Lockdown gab es in der zweiten Welle zunächst nur in der Westschweiz mit Kantonen wie Genf, Waadt und Wallis, wo die Inzidenz pro Woche teils über 1000 erreichte und somit im europäischen Spitzenbereich lag.
Nach wie vor gibt es in der Schweiz die Alternative und die Diskussion zwischen pragmatischem Laisser-faire einerseits und den Zwangsmaßnahmen der Lockdown-Anhänger wie im Nachbarland Österreich andererseits. Die „Covid-19-Task-Force hatte dem Bundesrat allerdings landesweite Einschränkungen empfohlen, so etwa die Schließung von Restaurants, Bars Theatern und Museen. Außerdem waren Kontaktverbote für mehr als zwei Haushalte sowie Fernunterricht für Gymnasien im Gespräch. Ein Teil der Task Force war für sofortige Maßnahmen, ein anderer Teil wollte noch zuwarten und konnte sich damit durchsetzen.

Die ganze Schweiz ist für Deutschland Risikogebiet

Seit 24. Oktober stuft das Robert-Koch-Institut die gesamte Schweiz als Risikogebiet ein. Das ist mit einer Reisewarnung vom Auswärtigen Amt verbunden. Allein am 13. November wurden in der Eidgenossenschaft 97 Tote mit Corona-Infektion gezählt. Liechtenstein, das zuvor nicht als Risikogebiet galt, ist ebenfalls von der Reisewarnung betroffen und wird von der Schweizer Statistik mit erfasst. Die jüngsten unter den Risikogebieten in der Eidgenossenschaft sind seit 24. Oktober die beliebte Wintersportregion Graubünden sowie fünf mit Deutschland unmittelbar benachbarte Kantone, und zwar:
  • Basel-Stadt
  • Basel-Land
  • Aargau
  • Thurgau
  • St. Gallen
Unter Berücksichtigung der Einwohnerzahlen sind die Corona-Zahlen fast viermal so hoch wie in Deutschland. Ende Oktober wurden zeitweise etwa 9000 Neuansteckungen am Tag verzeichnet. Im November zunächst immer noch um die 8000 bei einer leichten Abflachung der Kurve.

Corona-Ausbruch bei Hochzeit im Kanton Appenzell

In vielen Kantonen gelten neue Corona-Maßnahmen wie etwa eine Sperrstunde ab 23 Uhr in Basel-Stadt. Wenig erfreulich gestaltet sich die Lage im ländlichen Kanton Appenzell, wo es bei einer Hochzeit mit 200 Personen einen Corona-Ausbruch gegeben hat. Die Gäste in der Gemeinde Schwelldorf hatten verabredet, Corona-Infektionen nach der Feier vor den Behörden geheim zu halten. Auch einige Firmen im Ort waren angeblich am Verschweigen beteiligt, da sie keine Personalausfälle hinnehmen wollten. Inzwischen gibt es in der Region sehr viele Infizierte, und es wurde zeitweise sogar über eine Abriegelung nachgedacht.

Zürich seit 17. Oktober Risikogebiet

Bereits seit 17. Oktober, galten acht zusätzliche Kantone als Risikogebiete, wie das Robert-Koch-Institut auf seiner Homepage mitteilte:
  • Zürich
  • Fribourg
  • Jura
  • Neuchatel
  • Nidwalden
  • Schwyz
  • Uri
  • Zug
  • Waadt/Vaud (seit September)
  • Genf (seit September)
Das Auswärtige Amt hatte schon im Spätsommer für die beiden Regionen Genf und Waadt (Vaud) eine Reisewarnung ausgesprochen, und selbst bei der Schweizergarde im Vatikan gab es einen Corona-Cluster.

Corona Schweiz: Regeln seit 29.10.

Am Mittwoch, 28. 10. hat der Schweizer Bundesrat über weitere Maßnahmen gegen das Coronavirus entschieden. Es wurden eine Reihe von Mindestmaßnahmen beschlossen, welche in der ganzen Schweiz gelten. Wo kantonale Maßnahmen jedoch strenger sind als die nationalen, müssen die Regeln der Kantone beachtet werden.

Regeln für Veranstaltungen und Versammlungen

  • Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen sind verboten.
  • Im öffentlichen Raum dürfen sich nicht mehr als 15 Personen versammeln.
  • Im Familien- und Freundeskreis dürfen nicht mehr als 10 Personen zusammenkommen.
  • Ausnahmen von den Verboten von Veranstaltungen und Versammlungen sind Parlamente, Gemeindeversammlungen, Kundgebungen und Unterschriftensammlungen.

Corona-Regeln für Sport und Kultur in der Schweiz

  • Sportliche oder kulturelle Aktivitäten mit mehr als 15 Personen sind verboten
  • Vom Verbot ausgenommen sind Trainings und Proben von unter 16-Jährigen und im Profi-Bereich.
  • Für den Kontaktsport und für Chöre gelten strengere Regeln
  • Der Unterricht an Hochschulen findet ab 2. November per Fernunterricht statt.
  • Tanzlokale und Discos müssen schließen

Regeln für Bars und Restaurants in der Schweiz

  • An jedem Tisch dürfen höchstens vier Personen sitzen
  • Von 23 Uhr bis 6 Uhr gilt eine Sperrstunde
  • Es gilt eine Sitzpflicht
  • Gäste müssen ihre Kontaktdaten hinterlassen

Ausgedehnte Maskenpflicht

zusätzlich zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Haltestellen und öffentlich zugänglichen Innenräumen gilt die Maskenpflicht jetzt auch:
  • In Schulen ab der Sekundarstufe 2
  • Bei der Arbeit drinnen (außer am Arbeitsplatz, sofern Abstand eingehalten wird)
  • Im Außenbereich von Restaurants, Läden u. ä. sowie in belebten Fußgängerzonen
  • Im öffentlichen Raum, wenn Abstandhalten nicht möglich ist.
  • Ausgenommen von der Maskenpflicht sind Kinder unter 12 Jahren und Personen mit ärztlichem Attest

Corona Zahlen Schweiz: Neuinfektionen und Tote pro Tag

Das Gesundheitsministerium der Schweiz gibt täglich die Fallzahlen für das Bergland bekannt. So sehen die Zahlen konkret aus:
  • Zahl der Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden: 4509
  • Corona-Tote in 24 Stunden: 79
  • Gesamtzahl der Verstorbenen seit Pandemiebeginn: 4109
  • Gesamtzahl der Fälle seit Beginn der Pandemie: über 310.000
  • Quelle: BAG Schweiz
  • Stand: 26.11.2020, 14:23

Corona Zürich: Kurzaufenthalte bis 24 Stunden ohne Quarantäne

Für die Grenzregion zu Deutschland, von Basel bis St. Gallen unweit des Bodensees, und für die Herbstwandergebiete in Graubünden, im Wallis und im Berner Oberland gelten nun neue Einschränkungen – ebenso wie im bevölkerungsreichen und wirtschaftlich wichtigen Kanton Zürich.
Kurzaufenthalte in der Schweiz bis zu 24 Stunden bleiben für Baden-Württemberger aber vorerst ohne Quarantäne erlaubt. Zum 8. November trat eine Verkürzung von 48 auf 24 Stunden in Kraft. Außerdem wurde trotz erheblicher rechtlicher Bedenken die elektronische Einreiseanmeldung für den Landweg eingeführt – de facto fast eine Art „Grenzschließung light“. Grenzpendler in beiden Richtungen genißen jedoch weiterhin Sonderrechte. Baden-Württemberg hatte eigens eine entsprechende Regelung für Grenzgebiete verabschiedet.

Corona Risikogebiete Schweiz: Das gilt bei der Einreise

Deutsche Staatsangehörige können nach Angaben des Auswärtigen Amtes grundsätzlich in die Schweiz einreisen. Seit Anfang Juli galt eine Quarantänepflicht für Einreisende aus Risikogebieten, die derzeit nur noch für Ankünfte aus ganz wenigen Regionen der Welt vorgesehen ist. Betroffene müssen sich unverzüglich nach Einreise auf direktem Weg für 10 Tage in ihre Wohnung oder eine andere geeignete Unterkunft begeben und ihre Ankunft innerhalb von zwei Tagen der zuständigen Behörde melden.

Einreisebeschränkungen weitgehend aufgehoben

Nur noch vier Staaten sowie einige Regionen Frankreichs befinden sich laut der Regierung nun auf der Schweizer Roten Liste, die Einreisen aus bestimmten Risikogebieten mit Quarantäne-Auflagen belegt. Eine entsprechende Verordnung passte der Schweizer Bundesrat angesichts der eigenen hohen Infektionszahlen an. Risikogebiete sind demnach nur noch:
  • Region Hauts-de-France
  • Region Île de France mit Paris
  • Überseegebiet Französisch-Polynesien
  • Andorra
  • Armenien
  • Belgien
  • Tschechien
  • Stand: 3. November
Wer aus diesen Ländern und Gebieten einreist, muss sich für zehn Tage in Quarantäne begeben. Gesundheitsminister Alain Berset hatte erklärt, es mache keinen Sinn, Regionen auf der Risikoliste zu führen, wenn die Schweiz im Vergleich erheblich mehr Ansteckungsfälle aufweise.

Durchfahrt durch Corona-Kantone jederzeit möglich

Der Transit durch Risikogebiete ist möglich, so auch die Durchfahrt durch die Kantone Waadt und Genf auf dem Weg nach Frankreich. Durchreisende sind in Deutschland im Normalfall von den Quarantäne-Bestimmungen der Bundesländer befreit. Wer sich weniger als 24 Stunden in einem Risikogebiet aufgehalten hat, braucht jedenfalls keine digitale Einreiseanmeldung und hat nichts zu befürchten.

Corona Schweiz: Studie zu Antikörpern

Mit einer Studie möchte die Regierung in der Schweiz herausfinden, wie viele Menschen bereits eine Coronainfektion durchgemacht haben. Ein Netzwerk aus zwölf Schweizer Hochschulen hat dazu eine landesweite Studie begonnen. Im Rahmen der Studie haben sich 25.000 Personen testen lassen.
Die Studie wird geleitet von Professor Milo Puhan, Leiter des Instituts für Epidemiologie an der Universität Zürich. Die Regierung fördert die Untersuchung finanziell.