Schokoküsse und Paprikaschnitzel schmecken besser

PETRA LAIBLE 25.01.2013

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Leidenschaft Wörter wie "Mohr" und "Neger" verteidigt werden, als ob uns ohne sie der völlige Sprachverlust drohte. Beliebt ist dazu der Einwand, dass man wohl nicht mal mehr ein "Zigeunerschnitzel" bestellen darf. Ganz genau.

Mohr, Neger, Zigeuner - bei mir sind diese Wörter nicht zuhause, genauso wenig wie Spasti, Mongo, Kanake und Liliputaner. Statt Negerkuss tut es fürs Kind der Schokokuss, statt Zigeunerschnitzel das Paprikaschnitzel. Das ist kein Krampf, sondern eine Frage des Respekts.

Sprache lebt, weshalb Wörter keine wertfreien Hülsen sind. Dass es sich bei Mohr, Neger und Zigeuner nicht um Wertschätzungen handelt, ist offensichtlich, siehe "Ich bin doch nicht dein Neger. . ." und "Zigeuner-Gesindel". Es sind - anders als "Berliner" oder "Wienerle" - Beleidigungen. Wörter, hinter denen sich Sklaverei, Kolonialismus und Rassismus verbergen. Afrikaner bezeichnen sich als Schwarze; Eskimos, übersetzt "Rohfleisch-Esser", nennen sich "Inuit" (Mensch), "Zigeuner" Sinti und Roma. Warum ist es schwer, das zu akzeptieren? Die Lockerheit ist leicht groß, wenn es um andere geht. Meist endet die Toleranz, wenn das eigene Kind heulend heimkommt, als Schlampe, Schweinefleischstinker, Zwerg oder Schwuchtel beschimpft wurde.

Sprache kann verletzen, schmeicheln, achten. Das sollten Erwachsene und Kinder im Gefühl haben. Es reicht, darüber zu sprechen, sich über die Begriffe klar zu werden, ältere Bücher und Liedtexte muss man dafür nicht umschreiben. Noch etwas ist bemerkenswert. Kommt die Sprache auf das Thema, wird gekichert, gegrinst. Ein Witzbold bringt den "Zuckerschaum mit afrikanischem Migrationshintergrund". Und einer meint immer: Negerkuss und Mohrenkopf sagt man halt, da denkt sich doch keiner was dabei. Eben.

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