Garmisch-Partenkirchen / IRIS HILBERTH  Uhr
Der Bau der Zugspitz-Seilbahn am Eibsee vor 50 Jahren war eine Meisterleistung. Nun wollen die Betreiber eine neue Seilbahn bauen. Sie soll noch mehr Gäste auf Deutschlands höchsten Berg bringen.

Der Aufstieg von Garmisch-Partenkirchen auf die Zugspitze ist bekanntlich mühsam. 2962 Meter hoch ragt das Wettersteingebirge an der Grenze zu Österreich in den weiß-blauen Himmel, der bayerische Tal-Ort liegt auf 760 Meter. Man kann den "Normalweg" durch das Reintal und über die Knorrhütte nehmen. Die meisten brauchen zwei Tage dafür. Geübte gehen durch das Höllental, über den Ferner und einen luftigen Steig durch die Nordflanke. Auch dafür muss man sich Zeit nehmen, gut sieben Stunden bestimmt.

Dass das nicht jedermanns Sache ist, haben die Tourismus-Pioniere in Oberbayern schon früh erkannt und karren die Touristen daher seit 82 Jahren mit der Zugspitzbahn auf den höchsten Berg Deutschlands. Schon 1930 wurde die Zahnradbahn in Betrieb genommen, sechs Jahre zuvor bauten bereits die Österreicher von Ehrwald aus die erste Luftseilbahn. 1962 kam dann von deutscher Seite aus die Eibseebahn hinzu - bis heute eine der größten Seilbahnen Europas. Drei Bahnen, ein Gipfel. Man könnte meinen das langt. Dennoch: die Kapazitäten sind ausgereizt, jetzt soll für rund 30 Millionen Euro eine neue Eibseebahn gebaut werden.

Wer an schönen Tagen bequem in nur zehn Minuten ganz hoch hinauf möchte, muss früh dran sein oder aber viel Geduld mitbringen. Bergsteiger, die sich den Jubiläumsgrat, den anspruchvollen Steig zwischen Zug- und Alpspitze vorgenommen haben, wissen das. Falls sie nicht eh im "Münchner Haus" hoch oben auf dem Gipfel übernachten, sehen sie zu, dass sie mit der ersten Bahn in der Früh mitkommen. 45 Leute passen in eine Kabine, in der Stunde kann die Eibseebahn maximal bis zu 300 Personen auf die Zugspitze transportieren. Wer da nicht früh genug dran ist, muss bis zu zwei Stunden warten. Der Ansturm der Touristen ist ungebrochen und inzwischen so gewaltig, dass die Betreiber der flotten Aufstiegshilfe, die Bayerische Zugspitz Bergbahn (BZB), beschlossen haben, eine neue Bahn zu bauen, die dann fast dreimal so viele Passagiere bewältigen soll. Etwa 700 bequeme Gipfelstürmer könnte das neue Wunderwerk schon ab 2017 stündlich auf knapp 3000 Meter Höhe bringen.

Der Bau ist auch für heutige Verhältnisse eine technische Herausforderung. Bei den Planungen wird bereits klar, welche außerordentliche Pionierleistung die Ingenieure vor genau 50 Jahren vollbracht haben. Denn auch bei den im Jahr 1960 begonnenen Bauarbeiten musste zwischen Eibsee und Zugspitzgipfel eine Höhendifferenz von 1951 Metern überwunden werden. Es gibt nur zwei Stützen am Berg und ein Seil von 4,45 Kilometern Länge. Damit nimmt die Eibseebahn auch heute noch weltweit Rang eins unter den Pendelbahnen ein, sie überwindet die größte Höhendifferenz.

Trotz technischen Fortschritts gibt es nur einen Seilbahn-Hersteller, ein Unternehmen aus Österreich, der sich dem Projekt gewachsen fühlt. 2015 soll laut Plan mit den Arbeiten begonnen werden. Der Neubau soll parallel zum Betrieb der alten Bahn erfolgen. Derzeit allerdings stehen die Kabinen der Eibseebahn wegen der alljährlichen Frühjahrsrevision still. Wer auf den Zugspitzgipfel will, muss noch bis zum 27. April die Zahnradbahn nehmen. Oder zu Fuß gehen.