Ulm Methadon in der Krebstherapie: Fragen und Antworten

Schmerzstillendes Methadon soll auch Krebspatienten helfen.
Schmerzstillendes Methadon soll auch Krebspatienten helfen. © Foto: dpa
Ulm / Uwe Keuerleber 11.07.2017
Das Opioid Methadon wird seit Jahren als Drogenersatz-Therapie bei Heroinabhängigen eingesetzt. Auch in der Krebstherapie findet Methadon Anwendung, was umstritten ist.

Nach dem der Vorstand der Uni-Klinik Ulm die Pressemitteilungen über das Projekt von Dr. Claudia Friesen zur Behandlung von Krebspatienten mit Methadon gelöscht hatte, ist in den Sozialen Netzwerken eine riesige Debatte über den Einsatz von Methadon entbrannt. Der Nutzen in der Krebstherapie ist umstritten, da dem bisher keine klinische Studie zugrunde liegt.

Was Methadon ist, wie es wirkt und wofür es bisher eingesetzt wird, hat die SÜDWEST PRESSE hier zusammengestellt.

Was ist Methadon?
Methadon ist ein synthetisch hergestelltes Opioid und wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf der Liste der unverzichtbaren Medikamente geführt. Der Wirkstoff wurde 1937 entwickelt. Die schmerzstillende Wirkung wurde erst fünf Jahre später, 1942, festgestellt.

Wie wirkt Methadon?
Methadon hat die selbe schmerzstillende Wirkung wie andere Opioide (Opium, Morphin). Sie wirken in erster Linie schmerzlindernd aber auch sedierend, hustenreizlindernd und beruhigend.

Wofür wird Methadon angewandt?
Hauptsächlich wird Methadon in der Drogenersatz-Therapie verabreicht, in einer sogenannten Substitutionsbehandlung. Vorteil gegenüber Heroin: Die Lebensqualität wird verbessert, das Risiko einer Überdosierung ist wesentlich geringer und es ermöglicht dem Patienten wieder am sozialen Leben teilzunehmen. Auch bei akuten und chronischen Schmerzen wie etwa Arthrose, Niereninsuffizienz oder Herzinfarkt kann Methadon angewendet werden.

Kann Methadon Krebs heilen?
Bei schwerstkranken Krebspatienten kann Methadon offenbar zur Unterstützung und Verstärkung zur konventionellen Chemotherapie eingebracht werden. Die Wirksamkeit bei der Anwendung von Methadon beruht allerdings nicht auf wissenschaftlichen Publikationen und ist deshalb nicht überprüfbar. Eine Begründung, die für sehr unterschiedliche Reaktionen gesorgt hat. Professor Doktor Wick, Sprecher der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft sieht nach einer Behandlung mit Methadon experimentelle Daten ohne Aussagekraft, wie er im ARD Magazin plusminus sagte. Ganz anders sieht das der Palliativmediziner Doktor Hans-Jörg Hilscher. Für ihn gab es eine ganz deutliche Verbesserung seiner Patienten bei der Gabe von Methadon, wie im Beitrag zu hören ist.

Beitrag im ARD Magazin plusminus

Lesen Sie hierzu auch eine Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinischen Onkologie.

Welche Nebenwirkungen hat Methadon?
Gefährliche Nebenwirkungen treten nur dann auf, wenn das Medikament falsch angewandt oder überdosiert wird. Kann es zu Erbrechen, Muskelzuckungen, bis hin zum Koma und Halluzinationen kommen.

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