. Eigentlich müsste Susanna Barthman im Hörsaal der Uni Passau sitzen und für ihr Jurastudium büffeln. Die 20-Jährige stemmte gestern aber im überschwemmten Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf große Holzstämme, schaufelt Schlamm und schrubbt den Boden eines Hofes. Um sie herum schwirren Bienen, die aus ihrem zerstörten Stock flüchten. "Harte und auch schmutzige Arbeit macht mir nichts aus. Und den Uni-Stoff werde ich schon nachholen", sagt Susanna. Sie ist eine von mehreren hunderten freiwilligen Helfern, die in diesen Tagen in Deggendorf anpacken, wo es nötig ist.

Markus Schweizer ist Koch in seinem Gasthaus im wenige Kilometer entfernten Neuhausen. Gestern war dort Ruhetag. "Da haben wir unsere Mitarbeiter gefragt, ob sie mit uns nach Fischerdorf fahren, um dort zu helfen", sagt der 43-Jährige. Müll schleppen also statt Schnitzel braten. Fast alle Angestellten haben zugesagt. Schweizer tauscht die Küchenschürze gegen eine feste Jeans und ein olivgrünes T-Shirt und zieht sich Gummistiefel an. Im Schlepptau hat er den zweiten Koch, Peter Floeren.

Helmuth Endl erwartet die beiden schon sehnsüchtig. Der 71-Jährige braucht starke Hände, weil in seinem Haus zwei Böden herausgerissen werden müssen. Die beiden Köche schlagen mit Axt und Vorschlaghammer auf den Boden ein und brechen mit einem Stemmeisen die Dielen auf. Dann schaufeln sie gemeinsam mit drei Studenten das darunterliegende durchweichte Dämmmaterial mit einer Schaufel aus dem Fenster.

Nach wenigen Minuten läuft der Schweiß, die Arme werden schwer, aber die Köche denken nicht ans Aufhören. "Wir wären auch froh über jede Hilfe, wenn es uns so gehen würde", sagt Schweizer. Hausherr Endl hat Tränen in den Augen, als er über die Welle der Solidarität spricht. "Niemals habe ich es für möglich gehalten, dass so viele junge Menschen hier helfen."

Die Helfer leisten ganze Arbeit. An den Straßenrändern türmt sich der zerstörte Hausrat meterhoch. Ines Ellmann muss immer wieder durch knietiefes Wasser waten, um ein Haus auszuräumen. Die Gummistiefel sind mit brauner Brühe vollgelaufen. Die 42-Jährige aus dem Landkreis Deggendorf nimmt es mit Humor. "Das Wasser weicht die Hornhaut an den Füßen auf. Man kann sie dann am Abend leicht entfernen."

Den drei Lehrlingen Matthias, Manuel und Martin graut ein wenig vor dem Abend. "Wir werden wohl jeden Muskel spüren." Gestern Morgen waren sie noch wie gewohnt zu ihrem Arbeitgeber Südzucker nach Plattling gefahren. "Dann fragte unser Werksleiter, ob wir nicht in Fischerdorf helfen wollten. Wir haben sofort Ja gesagt", erklären die drei. Mit einem Dienstwagen fuhren sie die wenigen Kilometer nach Deggendorf. "Die Menschen freuen sich, dass wir hier sind. Das ist der beste Dank", sagt Martin Ratzenböck.

Bei einem schlichten Dankeschön will es die Hofbesitzerin Elfriede Auer aber nicht belassen. Die 50-Jährige ist fast sprachlos über die vielen tatkräftigen Hände. "Man darf nicht mehr über die jungen Leute schimpfen. Ich werde sie heute Abend alle umarmen."

Info Unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 100 3711der Verbraucherzentralen können sich Hochwasser-Opfer ab heute bundesweit beraten lassen (Montag bis Freitag

9 bis 16 Uhr). Experten geben Rat zu vertrags- und versicherungsrechtlichen Fragen.

Im Süden erneut Unwetter