Heilbronn / Hans Georg Frank Ermittlungsgruppe kommt einer internationalen Bande auf die Spur.Angebliche Beamte versetzten Opfer in Angst und Schrecken.

Hans Becker, Chef des Polizeipräsidiums Heilbronn, ist „megastolz“ auf seine Ermittlungsgruppe „Flic“. Die sieben Spezialisten für Bandendelikte haben 20 Personen identifiziert, die an einer besonders perfiden Betrugsmasche beteiligt gewesen sein sollen. Ihnen werden zwölf Taten zur Last gelegt, bei denen von gutgläubigen Opfern Geld, Schmuck und Uhren im Wert von rund 500.000 Euro erbeutet wurden. Von sechs Haftbefehlen wurden drei vollstreckt, zwei außer Vollzug gesetzt, ein Mann ist auf der Flucht. 150.000 Euro konnten sichergestellt werden.

Das Vorgehen der bestens organisierten, hierarchischen Bande folge einem Muster. Ein „Keiler“ versetze in einem türkischen Call-Center vorwiegend ältere Menschen durch nächtliche Anrufe in Angst und Schrecken. Er gebe sich als Polizist aus, warne vor angeblich gewaltbereiten Einbrechern, weshalb seine Kollegen die Wertsachen in Sicherheit bringen wollten. „Da wird ein Theaterstück aufgeführt, die Leute werden weichgekocht“, sagte ein Ermittler. Die Telefonate dauerten oft stundenlang. Um die Opfer zu überzeugen, dass wirklich die Polizei anrufe, würden sogar „Funksprüche im Hintergrund abgespielt“. Auf dem Display erscheine die gefälschte Rufnummer 110. „Wer einmal am Haken ist, wird nicht mehr losgelassen.“ Notfalls werde sogar von einem „Staatsanwalt“ behauptet, die Angerufenen machten sich strafbar, wenn sie nicht umfassend kooperierten.

Trickbetrügereien gibt es am Telefon, an der Haustür oder am Computer.  Die Polizei rät, sich nicht unter Druck setzen zu lassen.

Vertrauen in echte Polizei missbraucht

Das Vertrauen in die echte Polizei werde missbraucht, um ältere Leute um ihr Hab und Gut zu bringen, „das sie sich in vielen Jahren zusammengespart haben“, erklärte Becker. Die Angst sei so groß, dass „rationale Denkabläufe ausgeschaltet“ würden, erkannte Kripo-Chef Thomas Schöllhammer. Die Opfer seien zwischen 63 und 89 Jahren alt, wobei der Anteil der Frauen überproportional hoch sei. Die „Flic“-Ermittler waren nicht nur in Baden-Württemberg im Einsatz, sie arbeiteten zusammen mit Kollegen in Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Für die Ermittler war bei einem konkreten Verdacht stets Eile geboten, weil die Abzocker erbeutetes Gold mit einem mobilen Apparat einschmelzen können. Das sollte auch mit jenen Barren und Münzen geschehen, die bei einer 72-jährigen Frau im Kreis Bergstraße erbeutet wurden. Mit Hilfe des Mobilen Einsatzkommandos gelang jedoch der rechtzeitige Zugriff in Mannheim. Die Bande sei international aufgestellt: Neun Deutsche, fünf Türken, zwei Jordanier, ein Libanese, ein Italiener, bei zweien sei die Staatsbürgerschaft ungeklärt. Es handele sich um 19 Männer im Alter von 16 bis 29 Jahren und eine 19-jährige Frau. Die Aufteilung der Beute sei geregelt: 60 Prozent bekomme der „Keiler“, 20 Prozent der „Resident“ vor Ort, 20 Prozent erhielten die Abholer und Kuriere.

In Baden-Württemberg wurden 2018 in den ersten neun Monaten über 5000 dieser Betrügereien angezeigt, versuchte wie vollendete. Davon entfielen über 600 auf den Bereich Heilbronn mit einem Vermögensschaden von 312 000 Euro. Präsident Hans Becker rechnet mit einer hohen Dunkelziffer, „weil sich manche Leute schämen“. Nun hofft er, dass sich der Erfolg seiner Beamten „langfristig auswirkt“.

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