Schauspieler Matthias Maschke im Interview

Matthias Matschke ermittelt im neuen „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg an der Seite von Claudia Michelsen.
Matthias Matschke ermittelt im neuen „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg an der Seite von Claudia Michelsen. © Foto: ARD
CORNELIA WYSTRICHOSWKI 27.05.2016
„Ich musste nicht lange zögern“ – das sagt derr Schauspieler Matthias Matschke im Interview über seinen Job als neuer „Polizeiruf 110“-Kollege von Claudia Michelsen. Die Krimi-Reihe feiert Jubiläum.

Herr Matschke. Hat Sie schon vor dem „Polizeiruf“ etwas mit Magdeburg verbunden?

MATTHIAS MATSCHKE: Nein, gar nicht. Ich kannte sie nur vom Vorbeirauschen im ICE, dabei kann man ja immer den imposanten Dom sehen. Ich habe es mir trotz der zwölfstündigen Drehtage nicht nehmen lassen, mich schon in der Stadt umzusehen – Magdeburg ist ehrlich gesagt schöner, als ich erwartet hatte. Vor allem an der Elbe gefällt es mir wirklich sehr gut.

Was hat Sie bewogen, die Rolle anzunehmen?

MATSCHKE: Es war einfach ein tolles Angebot. Ich finde dieses Format spannend – die Sonntagskrimis „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ sind doch das, was die Menschen noch gemeinsam an den Bildschirm zieht. Dazu kommt die Zusammenarbeit mit Claudia Michelsen. Also ich musste nicht lange zögern, sondern habe gesagt: „Ich mach das einfach.“

Welchen Anteil hatten Sie an der Entwicklung der von Ihnen gespielten Ermittlerfigur Dirk Köhler?

MATSCHKE: Die Rolle wurde mit Hinblick auf die bereits existierende Figur Doreen Brasch (gespielt von Claudia Michelsen) konzipiert. Es sollte ein Partner für sie sein, den sie nicht ausstehen kann. Insgeheim habe ich mir dann überlegt: Was kann Frau Brasch am meisten fertigmachen? Und das ist eben jemand, der sich öffnet, der auf andere zugeht. Er unterläuft die Brasch einfach.

Köhler ist ein netter Typ, der freundlich lächelt und eine intakte Familie hat. Ein bewusster Gegenentwurf zu den vielen unfrohen Problemtypen in der Krimi-Landschaft?

MATSCHKE: Ich glaube, die Aufgabe „Wie baue ich einen Kommissar, der neben den gefühlt 50 anderen Ermittlern im deutschen Fernsehen bestehen kann?“, wäre zu groß, die sollte man nicht angehen. Man muss sich auf die Aufgabe konzentrieren, die vor einem liegt.

Sind Sie ein fleißiger Krimi-Gucker?

MATSCHKE: Ich schaue durchaus „Tatort“, meistens in der Mediathek. In Schauspielerkreisen diskutieren wir die Sonntagskrimis ja wie Kinofans und fragen einander, ob man diese und jene Folge mit diesem und jenem Kollegen schon gesehen hat und wie man das fand. 

Haben Sie einen Lieblings-Kommissar?

MATSCHKE: Es gibt ganz tolle Ermittlerpaare und von mir hochgeschätzte Kommissare. Aber mein Lieblingskommissar ist immer noch Schimanski. Er war der Kommissar meiner Kindheit, und deshalb wird er immer meine Nummer eins sein. So wie man sich den Fußballverein nicht aussucht, in den man verliebt ist, sucht man sich das auch nicht aus – das ergibt sich einfach.

Die ARD feiert mit Ihrem Debüt als Kommissar den 45. Geburtstag der Reihe. Würden Sie sagen, dass dem DDR-Klassiker heute noch etwas Spezifisches anhaftet, was ihn von anderen Krimis unterscheidet?

MATSCHKE: Das kann ich wirklich nicht sagen, dazu kenne ich die Reihe nicht gut genug. Ich habe eine West-Kindheit, und für mich gab es nur den „Tatort“, ich wusste gar nicht, dass der „Polizeiruf“ überhaupt existiert. Ich freue mich aber, dass dieses Format so lange durchgehalten hat, und nehme es mittlerweile als Ost-West-Phänomen war. Toll, dass das funktioniert.

Der Film beginnt sehr brutal mit dem Tod eines zwölfjährigen Jungen, der in einer Pflegefamilie lebt . . .

MATSCHKE: Das ist nicht ohne, ich war selber schockiert. Aber ich finde, dass der Film unheimlich moralisch ist, ohne eine moralische Aussage vor sich herzutragen. Ich habe nach zwei Tage gemerkt, dass ich nicht aufhören kann, über den Film nachzudenken. Es ist toll, wenn ein Krimi so nachwirkt.

Unlängst spielten Sie eine Rolle im Politdrama „Der Fall Barschel“, jetzt sind Sie als TV-Kommissar zu sehen – aktuell drehen Sie  neue Folgen der ZDF-„Sketch History“. Hat es einen Grund, dass Sie sich auf kein Genre festlegen?

MATSCHKE: Mein Genre ist Spielen. Sonst kenne ich keine Festlegung. Ich will erleben – und dazu muss ich mich allen Möglichkeiten aussetzen. Ich bin sehr darauf bedacht, nie mit dem Forschen aufzuhören. Als Schauspieler bin ich unersättlich, sozusagen ein darstellerischer Vielfraß.

Info
„Polizeiruf 110: Endstation“, am Sonntag, 20.15 Uhr, in der ARD.

Bekannt aus vielen Comedy-Formaten

Neue Rolle Sein Vorgänger Sylvester Groth nahm nach nur fünf Folgen den Hut – jetzt wird Matthias Matschke neuer Kommissar im „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg: Am Sonntag ermittelt er zum ersten Mal an der Seite von Claudia Michelsen.

Werdegang Matthias Matschke wurde 1968 im hessischen Marburg als Sohn eines Ingenieurs und einer Religionslehrerin geboren und hatte nach der Schauspielausbildung Engagements an mehreren deutschen Bühnen. Dem Fernsehpublikum ist er vor allem aus Comedy-Formaten wie „Ladykracher“,die  „heute-show“ oder „Sketch History“ bekannt, aber auch aus ernsten Rollen – so spielte er unlängst in dem Politdrama „Der Fall Barschel“ den Politiker Uwe Barschel.  Matthias Matschke lebt in Berlin.