Sankt Petersburg Sauflied ruft Staatsanwälte auf den Plan

„Leningrad“-Sänger Sergei Schnurow schwört auf Wodka.
„Leningrad“-Sänger Sergei Schnurow schwört auf Wodka. © Foto: lafleur/wikipedia.de
STEFAN SCHOLL 27.05.2016
Die russische Rockband „Leningrad“ ist für ihre Saufgelage berühmt-berüchtigt. Jetzt ermittelt die Petersburger Staatsanwaltschaft wegen eines Wodka-Songs.

Sergei Schnurow und seine Männer trinken, genauer, sie saufen. Es gibt Konzerte, wo Puso, der Schlagzeuger, mit einer halb vollen Plastikflasche auf seine Trommeln einprügelt, es gibt nächtliche Zugfahrten, nach denen Schnurow im Korridor des Schlafwagens aufwacht. Er und seine Rockgruppe „Leningrad“ gelten nicht nur in ihrer Heimatstadt Sankt Petersburg als Wodka-Ikonen.

Ihr neuester Videoclip heißt „In Piter trinken“ – Piter wird die Stadt Sankt Petersburg genannt. Die Handlung ist banal: Ein Büroangestellter, ein Polizist, ein Taxifahrer und eine Fremdenführerin ertränken ihren Alltagsfrust im Wodka. In Rostow gäbe es geiles Hasch, in Moskau was zu schnüffeln, in Tscheljabinsk hänge man besser rum, gröhlt Sänger Schnurow dazu, in Petersburg aber trinke man. Erste Reaktionen waren durchaus angetan. „Vielen Dank an Sergei Schnurow, dass er seine Heimatstadt nicht vergisst“, freute sich der Chef des städtischen Tourismuskomitees. Aber dann hagelte es Protest. Ein kommunistischer Duma-Abgeordneter warf dem Sänger vor, seine „Wodka-Propaganda“ diskreditiere die Kultur und Tradition Petersburgs, ein Stadtrat der Regierungspartei „Einiges Russland“ erstattete Anzeige: Das Lied kränke orthodoxe Gläubige und verherrliche Alkoholismus und Gewalt gegenüber der Staatsmacht. Tatsächlich schmeißen in dem Video Rowdies einen Polizisten in einen Kanal, die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf.

 Allerdings hätten die Sicherheitsorgane schon früher reagieren können. Schnurs Texte sind stets mit Schimpfworten gespickt, ihre Sozialkritik grenzt oft an Majestätsbeleidigung. Aber das Lästermaul besitzt auch in Kremlkreisen Fans, gerade erst schlug Vizepremier Dmitri Rogosin vor, „Leningrad“ nächstes Jahr als Geheimwaffe zum ESC nach Kiew zu schicken. Schnur zitiert als Antwort auf die Kritik einen Erlass Zar Peters I.: „Ich gestatte zu trinken, solange die Beine tragen, versagen sie, trinke man im Sitzen weiter.“ Der Zar war für seine Sauforgien berühmt.