Region Sammler lassen Pilze auf radioaktive Belastung prüfen

Selbst gesammelt und nach eigenem Rezept zubereitet schmecken Pilze am besten. Doch ganz unbedarft suchen Pilzliebhaber im süddeutschen Raum nicht. Der Grund: Einige Sorten sind radioaktiv verseucht. Um die Mahlzeit sicher genießen zu können, schicken einige Sammler ihre Funde an das Münchner Umweltinstitut.
Selbst gesammelt und nach eigenem Rezept zubereitet schmecken Pilze am besten. Doch ganz unbedarft suchen Pilzliebhaber im süddeutschen Raum nicht. Der Grund: Einige Sorten sind radioaktiv verseucht. Um die Mahlzeit sicher genießen zu können, schicken einige Sammler ihre Funde an das Münchner Umweltinstitut. © Foto: dpa/Zucchi Uwe
Region / DOROTHEA NITZSCHE 01.10.2013
Selbst gesammelt und nach eigenem Rezept zubereitet schmecken Pilze am besten. Doch ganz unbedarft suchen Pilzliebhaber im süddeutschen Raum nicht. Der Grund: Einige Sorten sind radioaktiv verseucht. Um die Mahlzeit sicher genießen zu können, schicken einige Sammler ihre Funde an das Münchner Umweltinstitut.
Sie wisse gar nicht mehr wohin mit den vielen Pilzproben, sagt Christina Hacker, Leiterin der Arbeitsgruppe Radioaktivität des Umweltinstituts München. Pilzsammler können Proben ihrer Funde an das Institut senden und kostenlos auf Radioaktivität prüfen lassen. Das Angebot nehmen viele wahr.

Der Waldboden ist noch immer stark belastet, selbst knapp 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Das liegt am radioaktiven Cäsium 137. Es setzt sich im Boden fest und zerfällt erst nach 30 Jahren zur Hälfte. "Durch die heftigen Regenfälle nach dem Reaktorunfall 1986 ist vor allem der süddeutsche Raum verseucht. Im Wald kann das giftige Cäsium 137 nicht in tiefere Bodenschichten vordringen, da Bäume und Pflanzen es immer wieder an die Oberfläche befördern", sagt Hacker. Auf Feldern sei dies nicht der Fall. Dort sei die Strahlung geringer. 

Schirmlinge ohne Bedenken essbar

Die Angst radioaktive Pilze in der heimischen Pfanne zuzubereiten, ist also nicht unbegründet. Vor allem Röhrenpilze - Maronen und Steinpilze - nehmen das Cäsium 137 in sich auf. "Schirmlinge können aber ohne Bedenken gesammelt werden. Die sind nicht belastet", sagt Hacker. Warum Schirmlinge das gefährliche Caesium nicht aufnehmen, ist ungeklärt. Da habe die Forschung noch keine Erklärung gefunden.

Wer sicher gehen will, ob sein Pilzgebiet verstrahlt ist, kann bis Ende Oktober eine Probe kostenlos ans Münchner Umweltinstitut senden. Für eine Untersuchung werden mindestens 300 Gramm einer Pilzsorte gebraucht. Nach ungefähr einer Woche steht das Ergebnis fest und kann telefonisch abgefragt werden. Auf der Website des Umweltinstituts findet sich zudem eine Liste aller untersuchten Pilzproben des Vorjahres mit zugehörigem Fundort. 

Geringes Krebsrisiko durch verseuchte Pilze

Das Münchner Umweltinstitut selbst untersucht keine frischen Pilze aus dem Wald. Geprüft werden vor allem Angebote auf Märkten. Die Proben dürfen den gesetzlichen Rahmen von 600 Becquerel je Kilogramm nicht überschreiben. "Wir finden aber immer wieder Proben mit durchaus 2000 bis 2500 Becquerel pro Kilogramm, also weit über dem gesetzlichen Rahmen", sagt Hacker.

Das Bundesamt für Strahlenschutz misst hingegen jedes Jahr stichprobenartig Pilze aus dem Wald und veröffentlicht seine Ergebnisse ebenfalls Online. Doch wie schlimm ist es, radioaktive Pilze zu essen? Eine akute Gefahr gehe nicht aus. Dennoch: Ein geringes zusätzliches Krebsrisiko bleibe, sagt Anja Lutz vom Bundesamt für Strahlenschutz. Sie empfiehlt: "Wer sein Risiko gering halten will, der sollte auf die gesammelten Pilze verzichten."