Im Schatten von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine wird am 8. Mai 2022 in Moskau die größte Militärparade des Landes zum 77. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland abgehalten. Russland ist am 24. Februar 2022 in die Ukraine einmarschiert. Der Krieg wütet seitdem auf ukrainischem Boden, vor allem im Osten des Landes rückt das russische Militär vor. In den ersten Tagen des Angriffs war davon ausgegangen worden, dass Russland innerhalb weniger Tage die Ukraine besiegen würde. Doch leistet die Ukraine unerbittlichen Widerstand und die russische Armee leidet herbe Verluste. Die Moral der Russen gilt als geschädigt.
Die russische Armee galt eigentlich als einer der stärksten der Welt, es ist außerdem eines der Länder mit den meisten Atomwaffen. In diesem Text soll erklärt werden, wie viele Truppen und Waffen Russland hat.

Atomwaffen Russland: Wie viele nukleare Sprengköpfe hat Moskau?

Weltweit gibt es neun Länder, die als Atommächte gelten und nukleare Waffen besitzen. Diese sind:
  • USA
  • Russland
  • Frankreich
  • Großbritannien
  • China
  • Indien
  • Pakistan
  • Israel
  • Nordkorea
Wie das Statistik- und Daten-Portal Statista am 18. Februar 2022 schreibt, gibt es aktuell ungefähr 13.000 Atomwaffen in der Welt. Russland verfügt dabei über die meisten: 6.255 nukleare Sprengköpfe hält Statista fest. Nur die USA haben ähnlich viele Atomwaffen, mit 5.550.
Statistik: Anzahl der nuklearen Sprengköpfe weltweit 2021 (Stand Januar 2021) | Statista
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Taktische und strategische Atomwaffen

In den vergangenen Kriegswochen war in den Medien immer wieder von „taktischen“ oder „strategischen“ Kernwaffen die Rede. Wie die Seite „Quarks“ erklärt, unterscheiden sich strategische und taktische Waffen im Wesentlichen in ihrer Zerstörungskraft. Strategische Atombomben sind also zum Beispiel Langstreckenbomber oder Interkontinentalwaffen, die über tausende Kilometer ein Ziel erreichen können. „Schon seit Jahren sind Russland und die USA so weit, dass sie innerhalb kurzer Zeit jeden beliebigen Punkt auf der Welt treffen können,“ schreibt Quarks.
Taktische Nuklearwaffen sind kleiner und könnten direkt in der Ukraine eingesetzt werden. Obwohl hier die Zerstörungskraft kleiner ist, heißt das lange nicht, dass das Nutzen dieser Waffen nicht schrecklich wäre. Sie sind weitaus zerstörerischer als herkömmliche Waffen.

Krieg mit Ukraine: So viele Soldaten hat Russland

Ob Russland wirklich seine Atomwaffen benutzt, ist in Anbetracht der unübersichtlichen Lage schwer zu sagen. Das nutzen von nuklearen Waffen gilt in Expertenkreisen als drastischer letzter Schritt.
Russland ist eigentlich militärisch der Ukraine weitaus überlegen. Auch hierzu hat Statista Zahlen, die den Unterschied deutlich zeigen. Die Seite „Global Fire Power“ stellt außerdem die Stärken des russischen und ukrainischen Militärs direkt im Vergleich. Russland hat demnach viermal so viele Truppen wie die Ukraine:
  • 850.000 aktive Soldaten hat Russland im Vergleich zu 200.000 in der Ukraine.
  • Reservisten: Russland und Ukraine haben jeweils 250.000
  • Zudem hat Russland über 30.000 Militärfahrzeuge (Ukraine: 12.000)
  • 12.420 Panzer (Ukraine: 2.500)
  • 605 Kriegsschiffe (Ukraine: 38)
Info: aktuelle Zahlen zum Zustand des russischen Militärs sind schwer zu bekommen. Daher beruht dieser Text größtenteils auf Informationen über Russlands Armee vor dem Krieg.

Alle weiteren Informationen zur Statistik finden Sie auf Statista

Anders sieht es bei der Nato aus. Das Bündnis verfügt nach eigenen Angaben über 3,3 Millionen Soldaten und Soldatinnen. Seit dem Krieg in der Ukraine wird die Nato auch aufgerüstet. Das Truppen-stärkste Militär der Welt ist aber aktuell China: Mit über zwei Millionen aktiven Soldaten gibt es weltweit kein so starkes Militär wie das der Volksrepublik.

Militär in Russland benutzt auch Delfine

Die russische Marine setzt laut US-Medienberichten auch vom Militär trainierte Delfine ein, um ihre Flotte im Schwarzen Meer zu beschützen. An der Einfahrt zum Hafen von Sewastopol seien dazu zwei Unterwassergehege platziert worden, schrieb das unabhängige US Naval Institute (USNI) in seinem Nachrichtenportal. Satelliten-Aufnahmen legten nahe, dass die Gehege im Februar dorthin verlegt worden seien, etwa zu der Zeit, als Russlands Angriff auf die Ukraine begann.
Denkbar sei, dass die Delfine zur Abwehr feindlicher Taucher eingesetzt werden sollen, die versuchen könnten, in den Hafen einzudringen und Kriegsschiffe zu sabotieren. Viele davon seien derzeit außer Reichweite ukrainischer Raketen.
Die „Washington Post“ schrieb, der US-Satellitenfotodienst Maxar teile die Einschätzung der USNI-Experten. Der Anbieter hatte der Zeitung entsprechende Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Angesichts ihres hervorragenden Gehörsinns seien die Meeressäuger in der Lage, Minen und andere potenziell gefährliche Gegenstände aufzuspüren, hieß es weiter. Auch das US-Militär trainiere seit den 1960er Jahren Delfine und Seelöwen, um sie gegen Bedrohungen unter Wasser einzusetzen.

Militärparade am Tag des Sieges: Generalmobilmachung am 9. Mai?

Am 9. Mai wird in Russland der wichtigste Feiertag zelebriert: Der Tag des Sieges. An diesem Tag feiert die russische Bevölkerung den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland. Befürchtet wird, dass an diesem Tag Präsident Wladimir Putin die Generalmobilmachung in Russland ausrufen oder die Annexion des Donbass ankündigen könnte.
Wie die „Bild“ berichtet könnten bei einer Generalmobilmachung zwei Millionen Reservisten in den Krieg gezogen werden. Insgesamt seien 46 Millionen Menschen in Russland wehrtauglich, d.h. sie sind im richtigen Alter und gesund genug für die Wehrpflicht.
Allerdings hat Russland auch ein Moralproblem. Immer wieder erreichen westliche Medien Berichte über russische Soldaten, die sich weigern, in der Ukraine zu kämpfen. Von Desertation ist auch die Rede. Wer sich bis jetzt nicht der Armee angeschlossen hat, will das wohl in Zukunft auch nicht tun. Zwangsrekrutierte könnten für das russische Militär eher eine Gefahr sein.

Russische Armee: Neue militärische Stärke

Mit großen Investitionen in den vergangenen Jahren wurde aus der ehemals unterfinanzierten und von Korruption geplagten Sowjetarmee eine moderne, zahlenstarke und mittlerweile auch kampferprobte Truppe.
Die Streitkräfte haben nur noch wenig gemein mit der Truppe, die in den 1990er Jahren Mühe hatte, die tschetschenischen Rebellen in Schach zu halten. Rund 900.000 russische Soldaten im aktiven Dienst verfügen heute über moderne Waffen wie das Luftabwehrsystem S-400 und den Kalibr-Marschflugkörper. Neue Hyperschallraketen hatte Putin zuletzt als "unbesiegbar" angepriesen, da sie es mit dem verhassten, in Osteuropa installierten US-Raketenabwehrsystem aufnehmen können.
„Die Modernisierungsbemühungen in den letzten zehn Jahren waren für das reine Überleben der russischen Armee notwendig“, sagt der Militärexperte Wassili Kaschin von der Hochschule für Wirtschaft in Moskau. „Ein Großteil der Ausrüstung musste ausgetauscht und die Armee neu aufgebaut werden - und dies geschah in Rekordzeit.“
Seine neue militärische Stärke hat der Kreml mit seinem massiven Eingreifen in den Syrien-Konflikt seit 2015 bereits unter Beweis gestellt. Besonders russische Luftangriffe auf Stellungen der Gegner von Machthaber Baschar Al-Assad haben es diesem ermöglicht, die Kontrolle über den Großteil des Landes wiederzugewinnen.