Bei Routinekontrollen wurde das Bakterium „Aeromas hydrophila / civiae“ in der Milch einiger Geschäfte gefunden. Betroffen sind unter anderem Eigenmarken von Aldi, Lidl, Edeka und Rewe. Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt an, dass es sich beim Erreger nicht um ein häufiger vorkommendes Bakterium wie Listerien oder Salmonellen handelt. Die Gute Nachricht: Aeromas sind weniger schlimm.

Worum handelt es sich bei diesem Bakterium?

Es gehört zur Familie der Aeromonadaceae, ist beweglich und kann sowohl mit auch ohne Sauerstoff überleben und sich vermehren. Vorkommen kann es vor allem in Süß-, Brack- und Meerwasser. In die Gewässer gelangt es besonders häufig durch Abwasser. Die Keime produzieren ein Enterotoxin, das die Zellen des Magen-Darm-Traktes schädigt, erklärt Frau Prof. Dr. Spellerberg aus dem Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Uniklinik Ulm. Das Bakterium führte in der Vergangenheit primär über Meerestiere, Eier oder Schnecken zu Erkrankungen. Die Übertragung durch Milch ist nicht sehr häufig.

Bei richtig gelagerten und ausreichend erhitzten Lebensmitteln ist die Gefahr einer Infektion gering. Deshalb ist es möglich, dass das Bakterium erst nach der Behandlung in der Produktionskette in die Milch gelangt ist. Dass das Bakterium überhaupt erst in die Milch gelangen konnte, liegt laut Hersteller an der defekten Dichtung einer Produktionsmaschine. Die Produktion wurde zunächst eingestellt.

Was bedeutet der Konsum der belasteten Milch für die Gesundheit?

Das Bakterium kann Magen-Darm Erkrankungen auslösen sowie auch Wundinfektionen, wenn kontaminierte Substanzen in eine Wunde gelangen. Besonders häufig kommt es entweder zu wässrigem Durchfall (80-90% der Fälle), oder zu blutig-schleimigem Durchfall. Oft haben die Patienten zusätzlich leichtes Fieber und Bauchschmerzen. Selten verursachen Aeromonaden auch chronische Durchfälle, warnt Frau Prof. Dr. Spellerberg.

Martin Richter vom Bundesinstitut für Risikobewertung rät Patienten, die entsprechende Milch konsumiert haben dazu, besonders auf die Symptome zu achten. Bei Anzeichen für eine Infektion sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Diesem ist der Verdacht mitzuteilen, kontaminierte Milch getrunken zu haben.

Bei Krankheitsausbrüchen ist es wichtig, den Flüssigkeitsverlust im Körper auszugleichen und ausreichend zu trinken. Auch eine Behandlung mit Antibiotika kann in schwereren Fällen nötig sein, zum Beispiel bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Zu dieser Risikogruppe gehören Kinder, Ältere, aber auch HIV- und Krebspatienten sowie Menschen mit Organerkrankungen.

Im Vergleich zu anderen Bakterien wie Salmonellen, spielt das Aeromas, was die Infektion bei Menschen angeht, eine untergeordnete Rolle. Dies geht aus einem Bericht des Kantonalen Lobors Zürich hervor. Dies bestätigt Martin Richter: „Kerngesunde Menschen merken entweder nichts, oder haben einen sehr milden Krankheitsverlauf.“ Allgemein gelte, je schwächer das Immunsystem, desto weniger Erreger brauche es zu Infektion - und umgekehrt.

Bei Patienten mit intakten Immunsystem dauert die Genesung meist einige Tage (typisch sind 3), selten kommt es zu chronischen Verläufen, die sich über Wochen hinziehen.

Was soll man mit betroffener Milch tun?

Kunden sollten die entsprechenden Kartons zurückbringen und sich das Geld erstatten lassen, empfiehlt Andrea Danitschek von der Verbraucherzentrale Bayern. Wer im Moment generell auf Nummer sicher gehen möchte, kann die Milch sprudelnd aufkochen. Das Abkochen und Erhitzen töte in diesem Fall die Keime ab, sagt Danitschek. Sie gibt aber zu bedenken: Darunter leidet die Qualität der Frischmilch. Enthaltene Vitamine werden zerstört, zudem habe sie dann einen „Kochgeschmack“.

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