Berlin Royales Showprogramm: Die Queen auf Deutschlandtour

Berlin / MARIA NEUENDORF 24.06.2015
Zahlreiche Schaulustige, eine Bootsfahrt auf der Spree und ein stramm geschnürtes Programm: Queen Elizabeth II. wurde am Mittwoch beim Staatsbesuch in Deutschland mit Jubel begrüßt.

Als die offene Barkasse „Ajax“ auf der Spree die Kongresshalle erreicht, ertönt vom gegenüberliegenden Ufer die britische Hymne „God Save the Queen“. Lehrerin Angela Neudert und ihre 19 Schüler haben den Kurzauftritt seit Wochen geübt, jetzt ist ihr Moment gekommen. Bundespräsident Joachim Gauck, der in dem weißen Boot als einziger steht und wie ein engagierter Fremdenführer wirkt, entdeckt die Schulklasse aus dem bayerischen Wemding als erster und macht sogleich die ganz in weiß gehüllte Königin aufmerksam. Sie sitzt im Heck neben ihrem Mann Prinz Philip und der deutschen First Lady Daniela Schadt in strahlendem Rot mit hellgrauem Hut. Plötzlich drehen sich die Royals zum Ufer, lächeln und winken kurz. Die elf bis zwölfjährigen Schüler schwenken begeistert Union Jack-Fähnchen und entrollen ihr mitgebrachtes Gruß-Plakat.

Überall, wo Elizabeth II. in Berlin auftaucht, warten jubelnde, fähnchenschwenkende Queen-Fans. Der Geheimtipp ist das Haus der Kulturen der Welt. Auf der Terrasse mit Spreeblick stehen rund 100 Schaulustige. Eine von ihnen ist Gabriele Lochmann. Sie schwenkt eine Fahne mit dem Bild ihrer Majestät. „Die hab ich aus London“, sagt die Rudowerin, die seit ihrem 13. Lebensjahr Fan ist. Damals habe sie die Queen bei ihrem ersten Besuch auf dem Berliner Maifeld erlebt. „Ich bin genauso alt, wie sie im Amt ist.“ Zum 60. Geburtstag habe sie sich auch eine London-Reise inklusive Queen-Parade gegönnt. „Da war viel mehr Showprogramm.“

Noch mehr? Offiziell begonnen hatte der fünfte Staatsbesuch der britischen Königin (89) und ihres Mannes Prinz Philip (94) vormittags im Schloss Bellevue. Übernachtet hatten die Queen und ihr Mann, die am Vorabend in Berlin eingetroffen waren, im Hotel Adlon – natürlich in der Präsidentensuite mit Blick auf das Brandenburger Tor. Vom Hotel fuhren sie am Vormittag zum Schloss Bellevue, wo Gauck und Schadt bereits warteten.

Die Queen hatte Gauck ein Buch aus dem 19. Jahrhundert mitgebracht, die „Briefe eines Verstorbenen“ von Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Der Bundespräsident schenkte Elizabeth II. im Gegenzug neben Lübecker Marzipan das Gemälde „Pferd in Royalblau“ der Hamburger Künstlerin Nicole Leidenfrost, das die Pferdeliebhaberin als kleine Prinzessin im Sattel zeigt. Die anschließende Unterhaltung der beiden Staatsoberhäupter dauerte rund eine halbe Stunde – etwas länger als geplant.

Danach ging es zu Fuß an die Spree und an Bord der „Ajax“. Die Bootsfahrt war etwas Besonderes: Bisher hatte Gauck noch nie einen Staatsgast im Boot über die Spree begleitet. Gauck gab im Stehen den Stadtführer, die Gäste zeigten Interesse und deuteten immer wieder auf Gebäude am Ufer – und winkten den Schaulustigen zu. Die Fahrt war bewusst als Gelegenheit für Berliner geplant, die Royals zu sehen. Es ist der Queen nach offiziellen Angaben wichtig, dass möglichst viele Menschen einen Blick auf sie werfen können.

Nach der Bootsfahrt fuhren Elizabeth II. und Prinz Philip zum Kanzleramt, wo Angela Merkel sie in Empfang nahm. Eine halbe Stunde später kamen sie wieder heraus, Königin und Kanzlerin angeregt plaudernd. Ein von der Regierung veröffentlichtes Video zeigt Merkel, die ihrem Besuch den ehemaligen Verlauf der Berliner Mauer erklärte.


Es folgte ein Moment des Innehaltens, als die Queen in der Neuen Wache am Brandenburger Tor der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedachte. Zwei Soldaten legten in ihrem Namen einen Kranz nieder.

Nach einer Mittagspause wohnte sie dann am Nachmittag der „Queen's Lecture“ an der Technischen Universität bei – eine Vortragsreihe zu ihren Ehren. Abends stand schließlich ein festliches Bankett im Schloss Bellevue an.

Ein Klassiker: Auch 1965 war die Queen zu Besuch in Deutschland - und machte in Langenburg Station. Das Video der Rede von Bürgermeister Fritz Gronbach ist ein Klassiker. Gronbach war damals so mutig, mit einem Englisch-Kauderwelsch "hör mätschestie" eine königliche Portion der "träditschionäl biskwitts Wibele" zu überreichen als Dank für "se wisit".
 



 
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