Risikofaktor für Arbeitgeber

CHRISTINA KIRSCH 23.11.2012
Vollzeit-Mama oder Kita-Mutter - diese klare, ideologische Trennung gibt es nicht. Sylvia Dreher-Track beispielsweise betreut ihre drei Kinder daheim und hält das Betreuungsgeld für "großen Quatsch".

Wenn Besuch kommt, hängen Robin (7), Lilli (3) und Ben (3) an ihrer Mama wie die Kletten. Da wird gestupft und gehopst. Die Kleinen wollen gleichzeitig auf den Schoß, Ben spielt mit Mamas Ohrring. Robin fragt heimlich, was das denn für ein Besuch sei. Gleichzeitig möchten die Kinder mundgerechte Apfelschnitze. Sylvia Dreher-Track hat Übung mit solchen Situationen. Die Gamerschwangerin betreut ihre Kinder seit 2009, dem Geburtsjahr der Zwillinge, daheim.

Das macht sie gerne, wenn auch nicht ganz freiwillig. Halbtags will sie arbeiten, "aber ich finde in der Umgebung nichts", sagt die Industriekauffrau. Mit drei kleinen Kindern, die auch mal krank werden, ist eine Mitarbeiterin ein Risikofaktor: "Dabei sichere ich mich für den Fall einer Notlage natürlich ab." Die Großeltern können jederzeit einspringen. Papa Michael kommt erst abends von der Arbeit heim.

Seit ein paar Monaten gehen Lilli und Ben in den Kindergarten, und die Mama staunt, was ihre Dreieinhalb-jährigen dort alles lernen. Die beiden gehören nämlich zu den "Late talkern", haben erst sehr spät zu sprechen angefangen: "Da kann ich mir als Mutter daheim den Mund fusselig reden und Unmengen von Bilderbüchern angucken. Das Sprechen haben sie erst im Kindergarten gelernt".

Auch deshalb hält Sylvia Dreher-Track das Betreuungsgeld für "großen Quatsch": "Kinder, die nicht im Kindergarten waren, tun sich in der Schule enorm schwer." Robin ist gerade in die Schule gekommen, und da sehe man, welchen Vorsprung Kinder haben, die im Kindergarten gefördert wurden. Das betreffe nicht nur die Motorik und das Wissen, sondern auch das Sozialverhalten. Allerdings gibt es Betreuungsgeld ja nur für Eltern, die ihre Kinder zwischen dem 15. und 36. Lebensmonat zuhause betreuen.

"Man müsste mehr Geld in die Kitas und Kigas stecken", sagt Sylvia Dreher-Track, denn um die Plätze gebe es einen regelrechten Wettlauf. Die Familie Dreher-Track bezahlt für die Zwillinge im Nasgenstadter Kindergarten 46 Euro im Monat und darf sie täglich 6 Stunden bringen. Das heißt von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr oder alternativ von 7 bis 13 Uhr. Freitagnachmittag ist geschlossen. Einen Arbeitsplatz, der mit diesen Zeiten kompatibel ist, müsse man erst einmal finden, meint die Mutter. "Zudem muss Robin von der Bushaltestelle abgeholt werden". Und wenn man diese Zeiten mit einer Tagesmutter abdecken wollte, "läppert sich das ganz schön", ist Sylvia Dreher-Tracks Erfahrung: "Eine Tagesmama kostet fünf Euro die Stunde". So bleibt Sylvia Dreher-Track vorläufig daheim, fördert ihre Kinder und hofft, dass sich sowohl auf Arbeitgeberseite als auch bei den Kindergartenbetreuungszeiten etwas tut, damit auch eine dreifache Mutter wieder halbtags arbeiten gehen kann. Sie jedenfalls sitzt schon in den Startlöchern.