Glosse Reinfall aus Liebe zur Kunst

MIGUEL RIOPA/afp
MIGUEL RIOPA/afp © Foto: Miguel Riopa/afp
Porto / Michael Gabel 23.08.2018

Welcher Kunst-Fan möchte das nicht: einmal die Endlos-Treppe des Grafikers M.C. Eschers hochsteigen, um hinter das Geheimnis ihrer absurden geometrischen Konstruktion zu kommen? Oder mit der Hand eine zerfließende Uhr von Dali berühren – fühlt sie sich wirklich so weich an, wie sie aussieht? Einem Italiener ist solche Neugier jetzt aber schlecht bekommen, auch wenn er zum Glück keine ernsten Schäden davongetragen hat.

Im Serralves Museum im portugiesischen Porto hatte er eigentlich nur die tiefere Bedeutung eines Werkes des indisch-britischen Künstlers Anish Kapoor erfassen wollen. In gewisser Weise gelang ihm das auch: Er fiel nämlich hinein und landete auf dem Grund eines kreisrunden, zweieinhalb Meter tiefen Lochs, aus dem die Installation besteht.

„Abstieg in die Vorhölle“ lautet der Name des Kunstwerks. Der Titel dürfte in etwa die Gedanken des Mannes bei seinem Sturz beschreiben.

Als Grund für seinen Fehltritt gab der kunstbegeisterte Italiener später an, er habe das Werk für eine optische Täuschung gehalten – genauer gesagt für einen aufgemalten Punkt, der wie ein Loch aussehen sollte. So kann man sich irren.

Der Fall zeigt: Zum Mysterium der zeitgenössischen Kunst gehört eben auch, dass sie sich nicht auf einfache Weise ergründen lässt. Simpel gesagt: Für manchen bleibt sie immer ein schwarzes Loch.

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