An diesem Donnerstag wird der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) unter anderem entscheiden, wie es mit den milliardenschweren Anleihenkäufen weitergeht. Etliche Volkswirte halten es für wahrscheinlich, dass die Notenbank das Tempo ihrer Käufe von zuletzt etwa 80 Milliarden Euro pro Monat im Schlussquartal des laufenden Jahres verringern wird. Bekanntgegeben werden die Entscheidungen am Nachmittag (13.45 Uhr).
Die Wirtschaft entwickele sich 2021 besser als erwartet, hatte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos in einem Anfang September veröffentlichten Interview gesagt: „Wenn sich die Inflation und die Wirtschaft erholen, wird es logischerweise zu einer schrittweisen Normalisierung der Geldpolitik und auch der Finanzpolitik kommen.“
Die EZB hatte zu Beginn der Corona-Pandemie ein besonders flexibles Notkaufprogramm für Staatsanleihen und Wertpapiere von Unternehmen aufgelegt. Das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) hat inzwischen ein Volumen von 1,85 Billionen Euro und soll nach derzeitiger Planung der Notenbank bis mindestens Ende März 2022 fortgeführt werden. Die Anleihenkäufe der EZB helfen Staaten wie Unternehmen: Diese müssen für ihre Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten, wenn eine Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt.
Kritiker werfen der EZB vor, mit dem vielen billigen Geld die Inflation anzuheizen, die sie eigentlich im Zaum halten will. Die Zinsen will die EZB erst wieder anheben, wenn sie ihr Inflationsziel von zwei Prozent für den Euroraum nachhaltig erreicht sieht. Den Leitzins hält die EZB seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent. Geschäftsbanken, die Geld bei der Notenbank parken, müssen darauf 0,5 Prozent Zinsen zahlen.