Glosse Raststätten: Mär von der Wohlfühloase

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Berlin / Ellen Hasenkamp 06.04.2018

Es halten, so lange es irgend geht. Und natürlich Selbstversorgung mit Schinkenbroten, Apfelschnitzen und Schokoladenkeksen aus der Kühltasche. Das war früher die Devise von Eltern und Kindern gleichermaßen auf der Fahrt in den Urlaub. Und zwar aus purer Not. Denn Pinkelpausen am Fahrbahnrand waren eine eklige Angelegenheit. Die WCs verdreckt, die Speisen verkocht. Im Angebot vor allem Pommes und Wurst – in den Varianten fettig oder extra fettig.

Ganz anders heute. Autobahnraststätten sind zu Wohlfühloasen geworden. Serviert werden knackige Salate, die „Fit Plus“ heißen oder „Primavera“. Es gibt Chai Latte, natürlich auch laktosefrei. Der Sanitärbereich kostet Eintritt, duftet nach Zitrone und duschen kann man auch. Yoga und Ayurveda-Packungen beim Zwischenstopp scheinen nur noch eine Frage der Zeit. Ein Feng Shui Rasthaus gibt es bereits seit über zehn Jahren.

Doch seltsam. Irgendwo zwischen all diesen Tempeln der gepflegten Pausenkultur haben sie überlebt, die Tankstellen-Dinosaurier. Einschließlich öltriefender Fritten, zweifelhafter Würste, zähflüssigen Filterkaffees und furchteinflößender Klobrillen.

Noch seltsamer: Immer genau dann, wenn die Blase drückt und die Kinder quengeln, sind sie da. Als einziges Angebot im Umkreis einer Tankfüllung. Da hilft nur, das Bedürfnis so lange wie möglich zu unterdrücken. Und Stullen zu schmieren.