Zweieinhalb Jahre nach mutmaßlich rassistischen Angriffen auf Gäste einer Eisdiele in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) wird am Donnerstag (9.00 Uhr) das Urteil für drei Männer erwartet. Angeklagt sind sie wegen gefährlicher Körperverletzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie Volksverhetzung.
Die Männer sollen während eines Junggesellenabschieds mit drei anderen im September 2018 in der Wieslocher Innenstadt rassistische Parolen skandiert und den Hitler-Gruß gezeigt haben. Als ein Anwohner „Verpisst euch!“ schrie, sollen sie auf türkisch- und portugiesischstämmige Familien mit Kindern vor einer Eisdiele losgegangen und sie mit Stühlen und Tischen beworfen haben. 
Der Fall wird beim Amtsgericht Wiesloch verhandelt, wurde aber aus Corona-Gründen ans Landgericht Heidelberg verlegt. Zum gleichen Geschehen wurde bereits im Juli vergangenen Jahres ein Verfahren mit Bewährungsstrafen für drei Angeklagte abgeschlossen. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Dem Landgericht Heidelberg liegen zwei Berufungen vor.
Die Staatsanwaltschaft hat im aktuellen Fall für den jüngsten Beschuldigten, Jahrgang 1994, zweieinhalb Jahre Haft beantragt. Er ist teilweise geständig. Die beiden anderen Männer Anfang 30 sind Brüder. Für sie schlug die Anklagebehörde jeweils ein Jahr auf Bewährung vor. Die Verteidigung plädierte für die Brüder auf Freispruch, für den anderen Beschuldigten auf eine Bewährungsstrafe.
Der Fall erhält auch Brisanz, weil einer der Brüder im aktuellen Prozess zur Tatzeit als Mechaniker bei der Polizei beschäftigt war. Der Tarifangestellte war laut Innenministerium nach der Tat mit sofortiger Wirkung freigestellt und von sämtlichen Aufgaben entbunden worden. Die gesamte sechsköpfige Gruppe kommt aus dem Rhein-Neckar-Kreis und dem Kreis Karlsruhe.