Der Verteidiger des Angeklagten, Markus Bessler, wies in einem „Opening Statement“ den Mordvorwurf „entschieden“ zurück. Er erklärte aber zugleich, dass sein Mandant die Verantwortung für den Unfall mit zwei Toten trage. Der Rechtsanwalt sprach von einem „unfassbar tragischen“ Geschehen. Durch das Fehlverhalten des Angeklagten seien zwei junge Menschen „aus dem Leben gerissen worden.“

Beifahrer wollte Fahrt für Instagram filmen

Am ersten Prozesstag sagte der 19-Jährige, der in Unfallnacht als Beifahrer in dem Jaguar saß, aus: „Das war eine Sache von 30 Sekunden“, erinnerte sich der 19-Jährige an die Momente des Zusammenstoßes. „Das ging ruckzuck.“ Ansonsten sind seine Erinnerungen an die tragische Nacht eher dürftig. „Ich dachte mir einfach ‚Jaguar, wow"“, erklärte er seinen Wunsch nach einer spätabendlichen Spritztour. Er habe vor allem Videos der Fahrt bei Instagram einstellen wollen.
Nur weiß der junge Mann nach eigener Aussage nicht mehr, ob er Clips gedreht hat, die für Anklage oder Verteidigung wichtig sein könnten. Ob er kurze Videos nach dem Unfall gelöscht hat? Auch hier Schweigen.

Mit mehr als 160 km/h durch die Stadt

Der Angeklagte soll am 6. März 2019 mit einem geliehenen Jaguar mit 160 bis 165 km/h auf einer Straße im Stuttgarter Norden die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und dabei auf einen stehenden Citroen geprallt sein. In dem Kleinwagen saßen ein 25-Jähriger und seine 22 Jahre alte Freundin, beide starben noch an der Unfallstelle. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Jaguar-Fahrer ihren Tod zumindest billigend in Kauf genommen hat. Zudem liege das Mordmerkmal „mit gemeingefährlichen Mitteln“ vor.

Prozess begann mit Verzögerung - wegen strenger Sicherheitskontrollen

Der Prozess begann mit einer einstündigen Verzögerung. Grund dafür waren strenge Sicherheitskontrollen. Alle Zuschauer wurden körperlich durchsucht und mussten sämtliche Gegenstände wie Taschen und Handys abgeben. Zu Verhandlungsbeginn war der Gerichtssaal dann bis auf den letzten Platz besetzt. Die Eltern der Unfallopfer nehmen als Nebenkläger an der Verhandlung teil, für die insgesamt 16 Tage anberaumt sind. Sie stellten Bilderrahmen mit Fotos ihrer Kinder vor sich auf.

Der Angeklagte machte zunächst keine Angaben. Er stammt aus Stuttgart und ist deutscher Staatsangehöriger. Vor der Untersuchungshaft war er Auszubildender. Laut Staatsanwaltschaft verübte er die Tat in einer „auf den eigenen Geschwindigkeitsrausch bedachten Fahrweise“. Das Geschehen um ihn herum sei ihm „völlig gleichgültig“ gewesen. Der Verteidiger warnte in seiner Erklärung vor einem „Zeitgeist“-Urteil. Für generalpräventive Erwägungen, etwa einen Abschreckungsgedanken, sei in einem Jugendverfahren kein Platz.

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