• In Teilen von Deutschland sind manche Pilze immer noch durch die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl radioaktiv
  • Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt am 16.09.2021 vor allem vor Pilzen in Süddeutschland
  • Zudem kann selbst erlegtes Wild aus der Region schädlich sein
Die Reaktorkatastrophe Tschernobyl fand 1986 statt – und dennoch ist die radioaktive Strahlung noch zu spüren. Das haben zumindest Experten beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) festgestellt: In Teilen Deutschlands sind Pilze und manches Wild mit dem radioaktiven Stoff Cäsium-137 belastet. Vor allem betroffen sind demnach Südbayern und der Bayerische Wald. „In den letzten Jahren wurden Werte von bis zu mehreren Tausend Becquerel pro Kilogramm bei Wild und bei bestimmten Speisepilzen gemessen“, so das BfS auf seiner Webseite.

Radioaktive Pilze: Welche Pilze können betroffen sein?

Das BfS hat Proben von verschiedenen Pilzen genommen und auf ihre Radioaktivität untersucht. Bei den folgenden Speisepilzen wurden in den letzten drei Jahren (2018 bis 2020) schädliche Mengen an Cäsium-137 festgestellt:
  • Semmelstoppelpilze
  • Rotbraune Semmelstoppelpilze
  • verschiedene Schnecklingsarten (Dunkelscheibige Schnecklinge, Elfenbeinschnecklinge, Orangefalbe Schnecklinge und Trockene Schnecklinge)
  • Gelbstielige Trompetenpfifferlinge
  • Gemeine Rotfußröhrlinge
  • Maronenröhrlinge
  • Mohrenkopfmilchlinge
  • Ockertäublinge
  • Reifpilze
  • Seidige Ritterlinge
  • Violette Lacktrichterlinge
  • Wohlriechende Schnecklinge
  • Ziegenlippen
Beim Wild haben die Forscher und Forscherinnen ebenfalls erhöhte Cäsium-137-Werte gemessen. Am schwersten belastet waren Wildschweine, gefolgt von Rehwild und Hirschen. Bei manchen Wildschweinen, die im Bayerischen Wald leben, wurden Spitzenwerte von 17.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm gemessen.
Zur Einordnung schreibt das BfS: „In Deutschland ist es nicht erlaubt, Lebensmittel mit einem Radiocäsiumgehalt von mehr als 600 Becquerel pro Kilogramm in den Handel zu bringen.“

Pilze und Tschernobyl: Was empfiehlt das BfS?

„Wenn Wildbret oder wild wachsende Speisepilze in üblichen Mengen verzehrt werden, ist die zusätzliche Strahlenbelastung vergleichsweise gering. Wer seine persönliche Belastung verringern möchte, sollte in den höher belasteten Gebieten Deutschlands auf den übermäßigen Genuss selbst erlegten Wildes und selbst gesammelter Pilze verzichten“, schreibt das Bundesamt in seiner Mitteilung. Es sei nicht schlimm, wenn man gelegentlich radioaktive Stoffe zu sich nimmt – aber wer verzichten kann, sollte das tun.
In einem ausführlichen Bericht beschreibt das BfS, dass direkt nach der Reaktorkatastrophe 1986 in Südbayern auch andere Lebensmittel betroffen waren, darunter Milchprodukte. Die radioaktiven Werte in Pilzen und Wild werden zurückgehen – aber nur langsam.

Tschernobyl Reaktorkatastrophe: Schlimmster Nuklear-Unfall

Die Katastrophe von Tschernobyl ist die bis dato schlimmste Nuklearkatastrophe gewesen. Am 26. April 1986 war in der Nähe der ukrainischen Stadt Pripjat eines der Reaktoren des Kernkraftwerks Tschernobyl explodiert. Das Gebiet um das damalige Kernkraftwerk ist auch heute nicht mehr bewohnbar. Radioaktive Partikel haben sich damals durch den Wind über ganz Europa verbreitet – bis nach Deutschland.