Tierwelt Quallen als Haustier

Unterensingen / Von Melissa Seitz 20.07.2018
Christian Uceda und Daniel Manco verkaufen alles, was man braucht, um eine Qualle als Haustier zu halten.

Sie riechen nichts, denken nichts und sehen nichts und lassen sich im Wasser einfach so treiben – trotzdem findet Christian Uceda sie faszinierend. In seiner Wohnung in Köngen (Kreis Esslingen) steht ein kleines rundes Aquarium, in dem drei Ohrenquallen ihre Bahnen ziehen. Der 27-Jährige hat ungewöhnliche Haustiere, keine Frage – aber ihre Unscheinbarkeit täuscht.

Uceda kennt sich mit den schwabbeligen Lebewesen aus, nicht nur weil er sie als Haustier hält, sondern auch, weil er sie an Privatleute verkauft. Der 27-Jährige leitet zusammen mit seinem 24-jährige Kollegen Daniel Manco den Online-Shop „Qual­len-Welt“. Hunde-Züchter gibt es wirklich an jeder Ecke – aber Quallen-Züchter?

Hobby wird zum Beruf

Wie kommt man auf die Idee, sie als Haustier zu verkaufen? „Ein Freund hat uns darauf aufmerksam gemacht“, erzählt Uceda. „Er wollte unbedingt Quallen haben, wusste aber nicht, wo er sie und das ganze Zubehör kaufen kann.“ Da war den beiden klar: Das machen wir.

Uceda und Manco kennen sich seit der Kindheit, beide stammen aus Unterensingen, einer kleinen Gemeinde bei Köngen im Landkreis Esslingen. Doch eigentlich ist für die zwei Freunde die ganze Welt ihr Zuhause: „Wir lieben es zu reisen.“ Mit dem Quallen-Shop können sie ihrer Leidenschaft nachgehen. Die beiden reisen für die Arbeit um die Welt, stets auf der Suche nach neuen Quallenangeboten und Handelspartnern.

2014 haben die Jung-Unternehmer angefangen, Züchter für sich zu gewinnen. Inzwischen haben sie Kontakt zu Experten auf der ganzen Welt, von denen sie verschiedene Quallenarten bekommen.

Ohne Gehirn, Augen und Nase

Dass sie ein Nischenprodukt anbieten, ist den beiden bewusst.  Aber: „Wir sind mit unseren Quallen auch auf Veranstaltungen. Wir haben zum Beispiel für ein Event Aquarien im Hilton-Hotel in Prag aufgebaut“, erzählt Uceda. Auch ihre überwiegend deutschen Kunden scheinen Gefallen an den Tieren zu finden: „Inzwischen leben wir vom Quallen-Verkauf.“

Während der 27-Jährige spricht, ziehen die Quallen ihre Bahnen durch das Aquarium – monoton, immer in die gleiche Richtung und im gleichen Tempo. Es ist beruhigend, fast schon ein bisschen hypnotisierend, aber auf keinen Fall langweilig. Denn die Quallen haben es in sich – oder besser gesagt: Sie haben es nicht in sich, kein Gehirn, keine Augen und keine Nase.

Doch all die Dinge, die Ucedas Quallen fehlen, machen sie zu einem ganz besonderen Haustier.Wenn er ihre Besonderheiten aufzählt, funkeln seine Augen. „Sie können sich zum Beispiel selbst befruchten“, erklärt er. Heraus kommen Quallenbabys, die alle identisch aussehen. Die Qualle hat sich sozusagen geklont.

Und wenn es hart auf hart kommt, weiß sich das schwabbelige Tier auch zu helfen. „Sie können sich selbst regenerieren“, sagt Uceda. Beziehungsweise reorganisieren sie ihre Gliedmaßen kurzerhand so, dass ihre Symmetrie wieder hergestellt ist.

Wer eine Qualle halten will, sollte sich aber über eine Sache im Klaren sein: Wirklich lange leben diese Tiere nicht – egal, ob in freier Natur oder im Aquarium. Die meisten haben eine Lebensdauer von eineinhalb Jahren, und wenn sie sterben, machen sie das klammheimlich.

„Sie lösen sich einfach auf“, erklärt Uceda. „Quallen bestehen zu 95 Prozent aus Wasser. Wasser wird also sozusagen zu Wasser.“ Das Aquarium ist dann, nach eineinhalb Jahren, plötzlich leer.

So hält man eine Qualle

Strömung-Aquarien sind ein Muss. Wichtig ist, dass es rund ist, sodass das Wasser gut rotieren kann und die Quallen sich nicht an den Ecken verletzen. Ein Quallenheim mit allem Drumherum gibt es schon für 400 Euro. Wer ein bisschen tiefer in die Tasche greifen will, kann zum teuren Exemplar für 3500 Euro greifen.

Einfach zu halten sind Ohrenquallen. Auf ihrer Homepage bieten die Unterensinger noch drei weitere Quallen an: Blue Blubber, Flame Jellyfish und Spotted Lagoon Jellyfish.

Wählerisch beim Fressen sind die Tiere nicht. Auf dem Speiseplan von Ucedas Schützlingen steht meistens nur ein einziges Gericht: Artemia, ein Salzwasserkrebs.

Die Wasserqualität bestimmt, wie es den Quallen geht. Ein kleines Aquarium muss einmal in der Woche gereinigt werden.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage www.quallen-welt.de. sei

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Mägen hat eine Ohrenqualle und genau so viele Tentakel. Christian Uceda hat aber ein besonderes Exemplar bei sich im heimischen Aquarium: Es hat fünf Mägen und fünf Tentakel.

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