Zwei von fünf Deutschen haben laut einer Umfrage des Instituts YouGov große Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Professor Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Deutschen Depressionshilfe, hat Verständnis dafür, dass bei manchem in der gegenwärtigen Situation die Gefühle durchgehen. Ein Überblick über Erscheinungsformen von Corona-Angst und wie man mit ihr umgehen sollte.

Ich habe keine Anzeichen von Covid-19. Trotzdem bin ich sicher, dass das Virus schon in mir ist.
„Es gibt Menschen, bei denen der Scheinwerfer der Aufmerksamkeit immer aufs Negative gerichtet ist“, sagt der Psychiater Hegerl. Ganz besonders sei das bei Menschen mit Angststörungen und Depressionen der Fall. „Hier liefert die Corona-Krise reichlich Futter.“ Wer nicht unter einer solchen schweren Störung leide, habe aber die Freiheit, eben nicht nur immer das Schlimmste anzunehmen. „Wir müssen den Schweinwerfer lenken – auch mal auf etwas Interessantes und Schönes.“

Ich bin kein Risikopatient, sehe mich aber schon auf der Intensivstation.
Die Angst vor etwas Unbekanntem und nicht Einschätzbarem sei meist schlimmer als vor bekannten Gefahren, sagt der Göttinger Angstforscher Borwin Bandelow. Oft helfe das Gespräch mit anderen Menschen – im Idealfall mit Personen, die weniger Angst haben als man selbst.

Ich ertappe mich dabei, dass ich im Supermarkt den Einkaufswagen voller als sonst lade – zum Beispiel mit zwei Packungen Klopapier statt einer.
„Hamstern steckt in den Genen drin“, betont Bandelow. „Wer in früheren Zeiten im Norden wohnte und im Winter keine ausreichenden Vorräte anlegte, musste sterben.“ Das führe dazu, „dass wir nach wie vor in unseren Genen die Angst vorm Verhungern verankert haben. Im Handel gibt man sich zuversichtlich, dass die Zeit der Hamsterkäufe bald vorbei ist. „Die Leute werden merken, dass die Versorgung gesichert und alles da ist“, sagt ein Sprecher des Handelsverbands Bayern. In Italien sei das jedenfalls so gewesen.

Ich kann mich dem Gefühl nicht entziehen, dass bald alles knapp ist: Nahrungsmittel, Bargeld an Automaten, Strom, Wasser.
Rational begründet ist eine solche Haltung nicht. Aber der Berliner Katastrophenforscher Martin Voss äußert Verständnis: „Wir gehen in offenes Fahrwasser“, sagt er über die Corona-Krise. Historisch sei eine solche Pandemie „absolut singulär“. Hegerl empfiehlt auch hier, sich an das Positive zu halten und einen Blick dafür zu entwickeln, wie „Menschen in solchen Situationen zusammenhalten“ .

Ich habe den Eindruck, dass der Staat gerade jede Gelegenheit nutzt, um endlich die totale Kontrolle über uns auszuüben.
Diese Einstellung würde erklären, warum sich viele Menschen fast schon trotzig nicht an das aktuelle Versammlungs- und Feierverbot halten. Psychiater Hegerl weist darauf hin, dass im Fall einer Pandemie derartige Einschränkungen dringend geboten sind.

Ich fürchte mich vor der Belastungsprobe für unsere Beziehung, wenn ich mit meinem Partner/meiner Partnerin in der aktuellen Situation wochenlang auf engem Raum sitze.
Das größte Problem resultiert nach Ansicht des Psychoanalytikers Hans Jürgen Wirth aus dem unterschiedlichen Umgang zweier Menschen mit ihrer Corona- Angst. „Wenn die eine Person sagt: ‚Ja, ich bin ängstlich, aber es gibt wirklich eine große Gefahr.‘ Und die andere sich bedrängt und genervt fühlt.“ Sein Tipp: „Beide Partner sollten nicht in starren Positionen verharren, sondern sich in den anderen einfühlen.“ Oft helfe es auch, in Erfahrung zu bringen, was Dritte denken.

Kleines Corona-Lexikon


Die Coronaviren gehören zu einer Familie von Viren, die verschiedene Krankheiten von einer kleinen Erkältung bis zur Lungenentzündung auslösen können. Unter extremer Vergrößerung mit Hilfe von Elektronenmikroskopen betrachtet sehen sie aus wie eine Kugel mit einem Kranz drumherum, daher der Name („Corona“ bedeutet „Kranz“ oder „Krone“).

Sars steht für die englische Abkürzung der Krankheit, die durch Coronaviren ausgelöst wird: Schweres akutes respiratorisches (also Atemwegs-) Syndrom. Sars trat bereits 2002/2003 ebenfalls von Asien ausgehend auf, war aber nicht so ansteckend, dafür oft schwerwiegender im Verlauf.

Sars-CoV-2 ist der Name für genau den spezifischen Stamm der Coronaviren, der derzeit die Menschen krank macht. Der Begriff weist auf die Verwandtschaft zur Sars-Erkrankung vor knapp 20 Jahren hin. Bis Mitte Februar hieß das Virus noch ein bisschen unspezifischer 2019-nCoV.

Covid-19 ist der Name für die Krankheit, die Sars-CoV-2 auslöst. Es ist eine Abkürzung für Corona Virus Disease, der englische Ausdruck für Corona Virus Krankheit. Die 19 steht für das Jahr 2019, als die Krankheit erstmals registriert wurde. eha