Ein Mann soll aus gekränkter Ehre den Ex-Partner seiner Halbschwester fast getötet haben - das Landgericht Mannheim fällt am Donnerstag (11.30 Uhr) das Urteil gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, er habe sein Opfer mit einem Teppichmesser und einem Stein umbringen wollen (Az.: 1 Ks 200 Js 27800/19). Der schwer verletzte Mann hatte nach dem Eingreifen einer Spaziergängerin am Tatort bei Weinheim fliehen können.

Grund für die Attacke war laut Anklage, dass der Ex-Partner der Halbschwester des Angeklagten im Sommer 2019 Fotos der jungen Frau im T-Shirt und ohne Kopftuch an deren Verwandtschaft in Jordanien geschickt hatte. Angesichts der aus ihrer Sicht anstößigen Fotos hätten sich die streng gläubigen Angehörigen der Frau in ihrer Ehre verletzt gefühlt. Ihr in Deutschland lebender Halbbruder habe wenige Tage danach geplant, den in Mannheim wohnenden Ex-Freund umzubringen, um die Familienehre wiederherzustellen.

Die Staatsanwaltschaft hat beantragt, den Angeklagten wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und neun Monaten zu verurteilen. Die Verteidigung hat dafür plädiert, den Angeklagten der gefährlichen Körperverletzung schuldig zu sprechen und eine milde Strafe zu verhängen.

Der in Rüsselsheim (Hessen) gemeldete Angeklagte Mitte 20 hatte sein späteres Opfer wegen der Bilder zu einem Gespräch auf dem Parkplatz einer Burgruine in Weinheim gebeten. Nach weiteren Angaben der Anklagebehörde verlief das Gespräch zunächst ruhig und sachlich. Als der frühere Partner seiner Halbschwester während der Unterhaltung ein Telefonat annahm und sich abwandte, soll der Angeklagte ein Teppichmesser gezogen und dem ahnungslosen Mann Stich- und Schnittwunden an Hals, Schulter, Oberarmen und Hüfte zugefügt haben.

Als der Angegriffene nach einem kurzen Gerangel zu Boden ging, setzte sich der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft auf ihn und schlug ihm mit einem Stein mit solcher Wucht auf den Kopf, dass der Schädel an der Schläfe aufbrach. Der Schwerverletzte konnte dennoch aufstehen und wegrennen. Nur das Eingreifen der Zeugin verhinderte weitere Angriffe auf ihn.

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