Stetten am kalten Markt/Hechingen Tödlicher Hundeangriff: Prozess wird neu verhandelt

Das Landgericht in Hechingen.
Das Landgericht in Hechingen. © Foto: Patrick Seeger/dpa
Hechingen / Petra Walheim 11.02.2019
Der Fall um den tödlichen Angriff eines Hundes auf eine Seniorin im Kreis Sigmaringen wird am Landgericht Hechingen seit Mittwoch neu verhandelt.

Erika und Gerd S. möchten frei gesprochen werden und nicht auf ihren Bewährungsstrafen sitzen bleiben. Das Amtsgericht Sigmaringen hatte das getrennt lebende Paar im Juli 2018 wegen fahrlässiger Tötung zu Haftstrafen von eineinhalb und zwei Jahren verurteilt und die Strafen zur Bewährung ausgesetzt. Trotzdem haben beide Berufung eingelegt. Der Kangal des Paares hatte Ende Mai 2017 in Frohnstetten, einem Ortsteil von Stetten am kalten Markt, eine 72-jährige Frau zu Tode gebissen. Das ist möglich geworden, weil das Halsband des Hundes gerissen ist, als der sich bellend mit seinem vollen Gewicht von mehr als 70 Kilogramm in die Kette hängte, an der das Halsband befestigt war.

Vorfall sei nicht vorhersehbar gewesen

Am Mittwoch, dem ersten Tag der Berufungsverhandlung im Landgericht Hechingen, begründeten die Verteidiger den Schritt damit, es sei nicht vorhersehbar gewesen, dass das Halsband des großen, schweren Hundes reißt und sich das Tier auf die Frau stürzen konnte. Damit sei der Vorwurf der Fahrlässigkeit nicht erfüllt und das Urteil unzutreffend, sagte Ulrich Weber, der die 44-jährige Erika S. verteidigt.

Das Urteil unterstelle, dass Erika und Gerd S. „um die Aggressivität des Kangals wussten“. Das sei aber nicht der Fall gewesen. Der Kangal habe Passanten zwar verbellt und die Zähne gefletscht. „Aber das ist ein normales Verhalten bei Hunden, die ihr Revier verteidigen. Das macht mein Schäferhund auch“, sagte Verteidiger Ulrich Weber. Ähnlich äußerte sich Ole Meßow, der den 48-jährigen Gerd S. verteidigt. Selbst der Sachverständige, der das Hundehalsband untersucht habe, sei überrascht gewesen, dass das Band nach nur 16 Monaten gerissen sei. Es sei für den Hund durchaus geeignet gewesen. Niemand habe damit rechnen können, dass es reißt, betonte Meßow.

Nachbarn sagen aus

Mehrfach kam im Prozess am Mittwoch zur Sprache, dass der Kangal Passanten, die am Haus vorbei gingen, verbellte und mit seinem vollen Gewicht an der Kette riß, an der das Halsband befestigt war. Die Kette war an einem Eisenrohr fest gemacht, das im Boden steckte. Ein Nachbar, der am Mittwoch als Zeuge aussagte, schilderte, wie er eines Abends mit  Freunden an dem Haus vorbei ging und der Kangal anschlug.  „Wenn die Kette nachgegeben hätte, als wir da vorbei gelaufen sind, hätte er mit uns das Gleiche gemacht.“

Tatsächlich getroffen hat es eine 72-jährige Frau, die am Abend des 30. Mai 2017 an dem Haus vorbei ging. Der Kangal schlug an, legte sich in die Kette, das Halsband riss. Der Hund sprang über den 1,20 Meter hohen Zaun, stürzte sich auf die Frau und verbiss sich in deren Kopf und Hals. Die Frau starb kurz danach an ihren schweren Verletzungen.  „Der Hund wollte nicht spielen, er hat getötet. Die Frau war seine Beute“, sagte am Mittwoch ein Polizeihundeführer.

Mehrere Haustiere gehabt

Verteidiger Ulrich Weber beschrieb seine Mandantin als durchaus erfahren im Umgang mit Hunden. Bereits zwei Jahre bevor ihr Ehemann Gerd den aggressiven Kangal zu ihr gebracht habe, habe sie einen Kangal gehalten. „Mit dem konnte sie ohne weiteres umgehen.“ Außerdem lebten in dem Haus ein kleinerer Mischlingshund sowie mindestens 20 Katzen. Polizisten, die am Unglücksabend das Haus betraten, beschrieben, was sie vorfanden. „Wir standen im Urin und Kot der Katzen.“ Alle drei Hunde wurden erschossen. Das Urteil soll Ende Februar fallen.

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