Crans Montana / dpa

Nach dem Lawinenunglück in Crans Montana in der Schweiz ist ein Mann gestorben. Er war in einem Rettungseinsatz, als die Lawine ihn traf. Ein Video von einer Helmkamera zeigt das Drama.

Wie die Schweizer Zeitung Blick unter Berufung auf die Polizei des Kantons meldet, war einer der vier Verschütteten ein Franzose. Der 34-Jährige sei in der Nacht auf Mittwoch an seinen Verletzungen gestorben. Das bestätigten auch die Bergbahnen von Crans Montana, die CMA AG. Der Verunglückte sei ein Pistenarbeiter im Skigebiet gewesen.

Skifahrer filmt das Lawinenunglück

Ein Video, das in sozialen Netzwerken kursiert, zeigt, wie die Lawine plötzlich mit ungeheurer Geschwindigkeit auf die Skipiste rauscht. Mehrere Menschen verschwinden in der riesigen Schneewolke. Ob es sich dabei um die später geretteten Verschütteten handelt, ist unklar. Das Video kommt von der Helmkamera eines Skifahrers, der den herabdonnernden Schneemassen davonfahren kann.

Youtube

Retter half einem Verletzten

Die Lawine war am Dienstag gegen 14.20 Uhr auf der Skipiste „Kandahar“ abgegangen und hatte mindestens vier Menschen unter den bis zu zwei Meter hohen Schneemassen begraben. Vier Verschüttete konnten verletzt gerettet werden, berichtete der Einsatzleiter der Polizei, Christian Varone. Einer davon, der Franzose, war schwer verletzt worden. Er starb später.

Der Mann war auf der Kandahar-Piste bei einem Rettungseinsatz gewesen: Er half mit einem Kollegen einem Verletzten auf der Piste, als die Lawine abging, berichten die Bergbahnen. Der Kollege und der Verletzte wurden ebenfalls von den Schneemassen begraben. Aber die beiden kamen mit leichten Verletzungen davon. Der Franzose wurde in kritischem Zustand ins Krankenhaus Sion gebracht, wo er in der Nacht starb.

Opfer hinterlässt Frau und kleine Kinder

In Crans Monata herrscht Trauer nach dem Unglück. Wie die CMA weiter mitteilte, habe der Franzose seit 2010 als „Pistenpatrouilleur" gearbeitet. Er sei von seinen Kollegen sehr geschätzt worden. Der 34-Jährige war verheiratet und hatte zwei kleine Kinder. Am Donnerstag ist für 14.23 Uhr im gesamten Skigebiet eine Schweigeminute geplant. Für die Hinterbliebenen wurde ein Hilfsfonds eingerichtet.

Suche nach weiteren Vermissten eingestellt

Der Bürgermeister des Ortes, Nicolas Féraud, hatte zunächst befürchtet, dass bis zu zwölf weitere Menschen verschüttet worden sein könnten. Jedoch wurden bei der Polizei bis zum Mittwochmorgen keine weiteren Menschen vermisst gemeldet. Als Vorsichtsmaßnahme habe die Polizei über Nacht trotzdem in den Schneemassen nach möglichen Opfern gesucht, sagte ein Polizeisprecher. Die Suche wurde dann eingestellt. Ob es sich bei den übrigen drei Verletzten um Einheimische oder Touristen handelte, konnte der Sprecher zunächst nicht sagen.

Um auf Skitouren das Lawinenrisiko zu reduzieren, müssen alle Teilnehmer die Sicherheitsausrüstung gut beherrschen.

Menschen aus Schneemassen einer Lawine zu retten, ist ein Wettlauf mit der Zeit. Nach 30 Minuten sinken die Überlebenschancen rapide. Im Einsatz waren zeitweise mehr als 240 Helfer teils mit Suchhunden.

Lawinenabgang auf freigegebener Skipiste?

Die Lawine hatte die Skipiste auf einer Länge von mehreren hundert Metern begraben. Das Wetter war bestens, der Lawinenwarndienst hatte die Gefahr eines Abgangs als gering eingeschätzt. Die Tageszeitung „Blick“ schreibt, es sei unklar, ob die Piste freigegeben gewesen sei. Angeblich hätte sie um 12.15 Uhr geschlossen werden sollen. Ob das geschehen sei, sei nicht sicher. Der Bergbahnbetreiber CMA wollte sich nicht zu den näheren Umständen des Unglücks äußern, da die Ermittlungen in den Händen der Behörden lägen. Unterdessen prüfen Ermittler auch, ob Skifahrer abseits der Pisten die Lawine ausgelöst haben.

Ein Schild mit der Aufschrift „Pisten gesperrt – Lebensgefahr“ steht nahe der Abfahrt, wo das Unglück geschah.
© Foto: Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Skipisten sind normalerweise vor Naturgefahren geschützt. Dass Lawinen auf präparierte Pisten niedergehen, ist äußerst selten. In den vergangenen zehn Jahren wurde nach Angaben des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in der ganzen Schweiz ein Skifahrer auf einer Piste von einer Lawine getötet.

Im offenen Gelände, wo Tourenskifahrer abseits der Pisten unterwegs sind, kamen dagegen in zehn Jahren mehr als 220 Menschen durch Lawinen ums Leben, wie Lawinenexperte Kurt Winkler dem Sender SRF sagte.

Das könnte dich auch interessieren:

Polizei sucht maskierte Täter Ulm: Bewaffneter Überfall auf Bierakademie

Am Samstag haben drei Männer mit Guy-Fawkes-Masken versucht, die Ulmer Bierakademie auszurauben.