„Wir sind froh und erleichtert“, bestätigte Ronald Krötz vom Polizeipräsidium Aalen das glückliche Ende einer Entführung. Das Opfer, die im Rems-Murr-Kreis als Pflegekraft arbeitende Polin Jolanta S. (47), sei wohlauf, sie sei in ein Krankenhaus gebracht und dort untersucht worden, „wie dies in einem solchen Fall üblich ist“. Leichte Blessuren müssten nicht unbedingt auf Gewalteinwirkung zurückzuführen sein. Sie könnten auch beim Aufenthalt überwiegend im Wald entstanden sein.

Mutmaßlicher Täter: Der frühere Freund und Vater ihrer Tochter

Die Frau war am 3. Juni als vermisst gemeldet worden, weil sie nicht bei der betreuten Person erschienen war. Rasch fanden die Ermittler heraus, dass sie entführt worden sein musste. Als mutmaßlicher Täter kam ihr früherer Freund und Vater der Tochter in Frage. Allem Anschein nach hatte er die Trennung nicht verkraftet. Unter dem Vorwand, ein letztes Gespräch zu führen, wurde Jolanta S. gleichsam in Aspach bei Backnang in eine Falle gelockt.

Vermisste Frau in Aspach Polizei vermutet Entführung

Aspach

Der Ex-Partner (51) sei wenige Tage zuvor mit einem Arbeitskollegen (23) nach Deutschland eingereist, sagte Polizeisprecher Krötz. Dazu hätten sie ein Wohnmobil und einen Pkw der Marke Renault benutzt. „Das war eine geplante Geschichte, keine Kurzschlusshandlung“, erklärte Krötz im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE.

Wohnmobil geriet in den Fokus

Als „etwas überraschend“ wurde auch von den Ermittlern zunächst empfunden, dass das Trio im Wohnmobil nicht direkt nach Polen gefahren ist. Das Ziel lag in entgegengesetzter Richtung, über 160 Kilometer vom Tatort entfernt: Im Wald von Hagenau im Elsass, bei Schweighausen an der Moder, blieb das Wohnmobil stecken. Bald wertete die Polizei diese Reiseroute eher als Kalkül denn als mangelnde Kenntnisse der Geografie. Schon bald war einem Zeugen aufgefallen, dass in dem Fahrzeug eine Person gegen ihren Willen festgehalten werden müsse.

Das nicht mehr mobile Wohnmobil habe aufgegeben werden müssen: „Sie haben sich nur zu Fuß weiterbewegt.“ Während die Polizei davor warnte, im deutsch-französischen Grenzgebiet Anhalter mitzunehmen, hat das Trio den Wald nördlich von Straßburg allem Anschein nach gar nicht verlassen. Weil jedoch auch Lebensmitteln hätten besorgt werden müssen, seien die Männer und die Frau aufgefallen. Einmal gerieten sie sogar in den Fokus einer Wildkamera. „Das war für uns ein interessanter Baustein“, sagte Krötz.

„Großartige Arbeit“: Polizisten loben französische Kollegen

Die Straßburger Tageszeitung „Dernière nouvelles d’Alsace“ berichtet von einem Spaziergänger, dem bereits am Sonntag ein verdächtiges Zelt aufgefallen war. Daraufhin habe die Polizei die Stelle beobachtet. Am Dienstag gegen 18 Uhr erfolgte der Zugriff. Der mutmaßliche Komplize sei außerhalb des Zeltes festgenommen worden, der „Haupttäter“ und sein Opfer hätten sich im Innern aufgehalten. Die Frau habe „ein schweres Trauma“ erlitten, dennoch habe sie den Ermittlern erste Auskünfte geben können, berichtete die Zeitung in ihrer Onlineausgabe.

„Die französischen Fahnder haben großartige Arbeit geleistet“, lobte Ronald Krötz die Kollegen jenseits des Rheins. „Wir sind begeistert über die tolle Zusammenarbeit und die Intensität der Maßnahmen.“ Beamte des Polizeipräsidiums Aalen erlebten die Festnahme mit. Sie waren am Nachmittag ins Elsass gefahren, als sie dort ankamen, erfuhren sie von der heißen Spur.

Die beiden Männer würden nun von der französischen Polizei verhört. Weil gegen sie in Deutschland und Frankreich wegen der Entführung ermittelt werde, stehe noch nicht fest, ob und wann sie ausgeliefert würden. „Das ist Sache der Justiz“, sagte Krötz.

Der tatverdächtige Ex-Partner sei für die deutsche Polizei „ein unbeschriebenes Blatt“, weil er nie hier gelebt habe. Den polnischen Behörden sei er dagegen als „gewalttätige Person“ bekannt.

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