Piloten zu lange im Dienst?

Jörg Handwerg: Start und Landung fordern volle Konzentration.
Jörg Handwerg: Start und Landung fordern volle Konzentration.
MONIKA HÖNA 20.11.2012
Die Aussage vieler Piloten, im Cockpit schon einmal eingenickt zu sein, klingt alarmierend. Ein Sicherheitsrisiko? Fragen an Jörg Handwerg.

Herr Handwerg, wer regelt die Dienstzeiten der Piloten?

JÖRG HANDWERG: Die Europäische Luftsicherheitsbehörde EASA ist für die Regeln im Luftverkehr zuständig und war beauftragt, eine neue Verordnung auszuarbeiten. Sie hat am 1. Oktober einen Vorschlag abgegeben, der für Piloten allerdings nicht kürzere, sondern zu lange Flugdienstzeiten vorsieht.

Und als Pilotenvereinigung muss Cockpit da natürlich protestieren?

HANDWERG: So einfach ist es nicht. Wir sind durchaus bereit, das zu akzeptieren, was Wissenschaftler für sicher halten. Grundlage dafür ist der ebenfalls von der EASA in Auftrag gegebene Moebus-Report. Die Ergebnisse dieser Studie - gerade im Hinblick auf Erschöpfung und Müdigkeit der Piloten - hat man in der neuen Verordnung allerdings nicht genügend beachtet.

Können Sie ein Beispiel nennen?

HANDWERG: Laut Wissenschaftlern droht die Gefahr von Übermüdung, wenn Piloten nachts länger als zehn Stunden im Einsatz sind. Trotzdem sieht die neue Verordnung nächtliche Flugdienste von bis zu elf Stunden vor. Das ist vor allem vor dem Hintergrund unserer Umfrage brisant, derzufolge knapp 15 Prozent der Piloten in Vorfälle verwickelt waren, die auf Übermüdung zurückzuführen sind. Solche Vorfälle gelten immerhin als Vorstufen von Unfällen.

Wie lange dürfen Piloten fliegen?

HANDWERG: Bislang normalerweise bis zu 13 Stunden. Die Flugdienstzeit kann aber zweimal innerhalb von sieben Tagen auf bis zu 14 Stunden ausgedehnt werden.

Wieviele Pausen liegen dazwischen?

HANDWERG: Die Ruhezeiten sind mindestens so lang wie die Dienstzeiten plus zwei Stunden. Dabei gibt es dann noch Unterschiede, ob die Ruhezeit daheim oder anderswo zugebracht wird.

Gibt es bei den Flugdienstzeiten Phasen, die besonders gefährlich sind?

HANDWERG: Ja, vor allem die Starts und Landungen erfordern die volle Konzentration der Piloten. Und weil die Landung naturgemäß am Ende einer Dienstphase steht, sollte ein Pilot nicht gerade dann total erschöpft sein.

Was tun also, um es nicht so weit kommen zu lassen?

HANDWERG: Wir versuchen, die Politiker auf Bundes- wie auf Europaebene sowie die Verbraucherschutzverbände, aber auch die Passagiere auf das Problem aufmerksam zu machen. Die von der EASA angestrebte Flexibilität bei den Dienstzeiten steht dabei nicht im Widerspruch zu den Interessen der Piloten; aber diese Flexibilität darf nicht auf Kosten der Sicherheit gehen.