Augsburg Pikanter Spaß im Spaßbad

Augsburg / SVEN KAUFMANN 11.06.2015
Der Sex sollte wohl mal etwas prickelnder werden, oder war es der Alkohol? Ein junges Pärchen hat sich in einem Freizeitbad im Augsburger Vorort Neusäß vergnügt. Dafür gab es nun die Quittung vom Richter.

Ausgerechnet am zweiten Weihnachtsfeiertag, und ausgerechnet in der "Erlebnisgrotte" des Freizeitbades Neusässer Titania in Augsburg: Die zwei Bademeister in dem bunt gestalteten Spaßbad dürften nicht schlecht gestaunt haben, als sie auf die Monitore der Überwachungskameras in der schummerigen Grotte blickten. Dort planschten ein junger Mann und seine Freundin fröhlich beim Liebesspiel.

Die Bademeister forderten den 18-Jährigen und seine Freundin (19) auf, das Bad zu verlassen. Weil sie nach deren Aussagen alles abstritten, sich weigerten und vermutlich alkoholisiert auch ausfällig geworden sein sollen, riefen die Angestellten die Polizei. Man warf das Paar aus der Therme und erstattete Anzeige - wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Vor dem Augsburger Amtsgericht nun zeigte das Pärchen sich erneut wenig einsichtig. Der junge Mann behauptete, ihm sei in der Grotte lediglich "die Badehose heruntergerutscht". Der Jugendrichter wies ihn darauf hin, dass es Videoaufnahmen gebe und zeigte dem jungen Mann ein Foto davon. Doch der bezweifelte dessen Beweiskraft, wie "Bild" und die "Augsburger Allgemeine" berichteten. Das hatte Folgen. Der Richter schickte die Zuschauer aus dem Saal, um das Video anzusehen. Die Bilder müssen so eindeutig sein, dass der Richter schockiert konstatierte: "Das war Pornografie, was wir da gesehen haben. Wie man das leugnen kann, ist mir unverständlich."

Das Gericht sei bei einem Geständnis zur Einstellung des Verfahrens bereit gewesen. Doch nun ging das Urteil über die Forderung der Staatsanwaltschaft für den 18-jährigen Lover hinaus: Es verurteilte ihn zu zwei Wochen in einer geschlossenen Jugendarrestanstalt. Seine Gespielin sagte zu den Vorwürfen nichts. Sie erhielt einen so genannten Freizeitarrest, der meist ein Wochenende umfasst, und sie muss 32 Stunden Hilfsdienste leisten.

Das Pärchen muss damit vorübergehend kleine Strafen absitzen, die im Sinne des Jugendgerichtsgesetzes als "Zuchtmittel" betrachtet werden, um die Angeklagten erzieherisch zu beeinflussen. Eine Arreststrafe darf maximal vier Wochen betragen. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Und warum gibt es in der Grotte mehrere Überwachungskameras - über und unter Wasser? Sie dienten laut Bademeister dazu, um zu überwachen, ob dort Kleinkinder in Gefahr seien. Ein Hinweis finde sich am Eingang an der Haus- und Badeordnung. Es passiere, zitiert die "Augsburger Allgemeine" den Mann, in dem Bad oft, dass Leute Geschlechtsverkehr haben. Normalerweise reiche eine Ermahnung, um das Treiben zu beenden. Diesmal offenbar nicht.

Bis zu ein Jahr Haft

Straftat Laut Paragraf 183a Strafgesetzbuch ist die Erregung öffentlichen Ärgernisses eine Straftat. Wer demnach öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt, dem drohen bis zu ein Jahr Freiheits-oder Geldstrafe.