Die Musiklegende betritt am Gehstock die Stadionbühne und lässt sich nieder - auf dem Drehstuhl wird Phil Collins die nächsten knapp zwei Stunden sitzen bleiben und dennoch die rund 38.000 Zuhörer in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena mitreißen. Den 68-Jährigen und seine Fans verbinden Welthits wie „Another Day in Paradise“, “You Can’t Hurry Love“ oder „Easy Lover“. An den Anfang seines Auftritts stellt Collins das Lied „Against All Odds“, was übersetzt so viel heißt wie „Entgegen allen Erwartungen“ - es kann an diesem Abend durchaus auch als Kampfansage an das Leben, das Schicksal, verstanden werden.

Fast entschuldigend hat sich Collins noch vor den ersten Tönen an sein Publikum gewandt: Den überwiegenden Teil des Abends werde er im Sitzen verbringen müssen - „aber das wird uns nicht davon abhalten, Spaß zu haben“. Nach einer Rückenoperation ist sein rechter Fuß gelähmt. Zudem macht ein Nervenschaden es Collins, der als Schlagzeuger der Band Genesis in den 70er Jahren berühmt wurde, unmöglich, die Drums zu spielen.

Nicholas Collins vertritt den Papa am Schlagzeug

Das übernimmt mittlerweile Sohn Nicholas Collins - und der 18-Jährige wurde in Stuttgart mit ebenso tosendem Applaus empfangen wie sein berühmter Vater. Und so ist „In the Air Tonight“ - mit diesem legendären Schlagzeug-Break - als einer der emotionalen Höhepunkte des Konzerts angelegt: Auf die letzte Zeile „I've been waiting for this moment for all my life“ (Ich habe auf diesen Moment mein ganzes Leben lang gewartet) folgen Ovationen.

Manche Fans zeigen sich überrascht von der Energie des gealterten Popstars. „In ihm brodelt’s, der will das wirklich“, kommentieren zwei Zuschauerinnen. „Am liebsten wär er jeden Moment von seinem Stuhl aufgesprungen.“ Stattdessen hinkt Collins schließlich unter lautem Jubel langsam von der Bühne. Um dann - den Moment sichtlich genießend - für eine Zugabe zurückzukehren. Von Sohn Nicholas erntet der Vater anerkennendes Schulterklopfen.

Collins setzt auf das sarkastische Motto seiner 2017 gestarteten Welttournee „Not Dead Yet“ nun noch einen drauf. Unter dem Titel „Still Not Dead Yet“ (“Immer noch nicht tot“) wird er während der Tournee durch Europa noch in Berlin, München, Köln, Hannover gastieren. Im Herbst zieht der Musiker dann weiter in die USA.

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