Lichtenberg Peggy offenbar gefunden

Lichtenberg / KLAUS TSCHARNKE CORDULA DIEKMANN, DPA 05.07.2016
Das Schicksal von Peggy bewegt die Menschen seit 2001. Nun scheint klar: Die Neunjährige ist tot. Ein Pilzsammler fand Skelettreste. Fragen bleiben.

Die Ungewissheit über das traurige Schicksal der kleinen Peggy hat 15 Jahre nach deren Verschwinden wohl ein Ende. „Höchstwahrscheinlich“ stammten Skelettteile, die ein Pilzsammler am Samstag gefunden hatte, von der neunjährigen Schülerin, teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth mit. Die Knochen lagen in einem Wald in Thüringen, nur 15 Kilometer vom Heimatort des Mädchens im oberfränkischen Lichtenberg entfernt. „Wir halten es für höchstwahrscheinlich, es ist alles schlüssig“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel.

Allerdings müssten noch die Ergebnisse der DNA-Analyse abgewartet werden. „Es ist noch nicht 100-prozentig gewiss“, sagte Potzel. Im Bereich des Fundorts zwischen Rodacherbrunn (Saale-Orla-Kreis) und Nordhalben (Landkreis Kronach) seien auch mehrere Gegenstände sichergestellt worden, die auf die Neunjährige hindeuteten. Zu den Fundstücken wollten die Ermittler keine Einzelheiten mitteilen, da dies die Überführung eines möglichen Täters erschweren könne.

Am 7. Mai 2001 war Peggy auf ihrem Heimweg von der Schule verschwunden, seitdem fehlte von dem Mädchen jede Spur. Wochenlange Suchaktionen selbst mit Bundeswehr-Tornados blieben ohne Erfolg. Ob der Wald, in dem der Pilzsammler jetzt den Fund machte, mit in die Suche einbezogen war, ist unklar.

Nach dem Fund der Knochen durchsuchte die Polizei auch gestern das Gebiet mit einem Großaufgebot. Der Einsatz mit Hundertschaften sei wegen des unübersichtlichen Geländes und der „Auffindsituation“ der Knochen angemessen, erklärte die Polizei. Die Skelettteile seien im Wald an verschiedenen Stellen entdeckt worden; einige waren erst durch Grabungen ans Tageslicht gekommen.

Viele Details blieben zunächst unbekannt. „Ob es Mord war, können wir nach dem jetzigen Stand nicht sagen“, erläuterte Potzel. Neben der Frage nach der Todesursache blieb auch unklar, ob der Fundort zugleich der Todesort ist. Eindeutig jedoch: Es handelt sich um Kinderknochen. Die Ermittlungen im Fall Peggy werden nun jedenfalls intensiviert. „Wir ermitteln im Augenblick gegen Unbekannt. Erst die weiteren Ermittlungen werden zeigen, ob wir jemanden als Tatverdächtigen führen müssen“, sagte Potzel. Polizeihauptkommissar Jürgen Stadter vom Polizeipräsidium Oberfranken ergänzte, nun stehe die Auswertung zahlreicher Spuren an, die am Fundort gesichert worden seien oder noch gefunden würden. Auch Vernehmungen seien geplant. „Das Ganze dauert sicherlich noch eine Zeit an.“ Zur endgültigen Aufklärung des Falls wurde die seit 2012 agierende Ermittlungsgruppe bei der Kriminalpolizei Bayreuth jetzt personell und organisatorisch zur „Soko Peggy“ erweitert.

2002 hatten die Ermittler einen geistig behinderten Mann als Tatverdächtigen präsentiert. Er habe Peggy ermordet, um zu vertuschen, dass er sie sexuell missbraucht habe, hieß es damals. Der Mann wurde 2004 als Peggys Mörder verurteilt, 2014 jedoch in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

Zwischenzeitlich waren auch ehemalige Bekannte der Familie Peggys aus Halle/Saale ins Visier der Fahnder geraten, doch diese Spur brachte ebenfalls keinen Durchbruch. Sie gelten nicht mehr als Verdächtige.

In den vergangenen Jahren gab es zudem eine Reihe von spektakulären Suchaktionen der Polizei, um das Verschwinden der jungen Schülerin doch noch aufzuklären. Mal suchten Taucher in einer Talsperre in Sachsen nach Peggys Schulranzen, mal durchsuchten Ermittler ein Anwesen in Lichtenberg – sogar im Garten gruben sie nach der Leiche. Erfolglos blieb auch eine Grabungsaktion auf dem Lichtenberger Friedhof im Jahr 2014.

Auch wenn viele Fragen offen bleiben und die Ermittlungen intensiviert werden: Das Rätsel um Peggy, es scheint gelöst. Endlich eine Gewissheit, aber auch eine Hoffnung, die zerstört ist. Die Hoffnung nämlich, Peggy könnte leben, irgendwo.

Jeden Tag schwirrten ihrer Mutter ähnliche Fragen durch den Kopf: „Wie sieht sie aus, wie groß ist sie, ist sie größer als ich?“, sagte die Mutter vor gut einem Jahr in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY . . . ungelöst“. „Wichtig ist einfach für mich, dass die Kripo meine Tochter findet.“ Hauptsache Klarheit, „dass wir überhaupt wissen, was passiert ist, dass wir einfach mal zur Ruhe kommen. “

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