Im Patientenmordprozess hat die Staatsanwaltschaft in ihrem noch laufenden Plädoyer bereits 70 Morde des Ex-Pflegers Niels Högel als erwiesen bezeichnet.

Insgesamt werden dem 42-Jährigen 100 Morde vorgeworfen, von denen Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann in den ersten dreieinhalb Stunden ihres Schlussvortrages am Donnerstag vor dem Landgericht Oldenburg bereits 72 Fälle einzeln bewertete. Zwei Fälle seien Högel nicht zur Last zu legen.

Högel selbst hatte in dem Prozess 43 der 100 Taten eingeräumt und 5 ausdrücklich bestritten. An die übrigen konnte er sich nach eigenen Angaben nicht erinnern. Er schloss aber nicht auch aus, diese Patienten getötet zu haben. Es wird damit gerechnet, dass am Schluss des Plädoyers, das nach der Mittagspause fortgesetzt werden soll, eine Strafforderung steht. Högel ist bereits wegen sechs Todesfällen am Klinikum Delmenhorst 2015 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Der Deutsche muss sich seit Ende Oktober wieder vor dem Gericht verantworten. Er soll seine 34 bis 96 Jahre alten Opfer in den Jahren 2000 bis 2005 an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst mit verschiedenen Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Das Urteil wird am 6. Juni erwartet. Dann wird eine Gesamtstrafe gebildet, die auch vorangegangene Urteile miteinbezieht.