125 Jahre Führerschein 14. August 1893: Die Fahrprüfung wird eingeführt

Carl Benz bekam 1888 die „Berechtigung zur Durchführung von Versuchsfahrten mit einem Patentmotorwagen“.
Carl Benz bekam 1888 die „Berechtigung zur Durchführung von Versuchsfahrten mit einem Patentmotorwagen“. © Foto: dpa
Ulm / Uwe Keuerleber 14.08.2018
Wegen der chaotischen Zuständen auf den Straßen, Ende des 19. Jahrhunderts, wurde in Paris 1893 die Fahrprüfung für Automobilisten Pflicht.

Wohlhabende Pariser Bürger tauschten die Pferdekutsche gegen eine Benzinkutsche ein. 2000 benzinbetriebene Kutschen gab es Endes des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Die meisten davon kurvten in den Straßen von Paris herum. Nicht ganz ungefährlich für alle anderen Verkehrsteilnehmer, wie Radfahrer, Fußgänger und Pferdekutschen. Immer wieder lieferten sich Autofahrer auf den Straßen Wettfahrten, was nicht selten zu Unfällen führte, denn Verkehrsregeln gab es damals noch nicht.

Nummernschild und Fahrerlaubnis

Der Polizeipräsident von Paris, Louis Lépine, ordnete am 14. August 1893 an, dass jedes Vehikel ein Nummernschild erhält und jeder Autofahrer eine Prüfung ablegen musste. Mit den heutigen Fahrprüfungen nicht zu vergleichen. Wer der erste Prüfling war, ist leider nicht historische belegt. Es muss aber ein Mann gewesen sein der mindestens 21 Jahre alt war, denn Frauen wurden erst vier Jahre später zugelassen. Von ihr kennt man allerdings den Namen, Anne de Rochechouart de Mortemart, Herzogin von Uzès. Sie war auch die erste Frau, die einen Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens kassierte.

Physikkenntnisse waren gefragt

Die Prüflinge mussten einen platten Reifen flicken können, denn auf den Straßen lagen jede Menge Hufnägel. Sie mussten den Wagen starten, lenken und ihn wieder zum Halt bringen. Was so simple klingt war eine eine echte Herausforderung. Der Fahrschüler musste zunächst mit einer Handpumpe die am Armaturenbrett angebracht war, Druck im Öltank aufbauen, damit überhaupt Öl zu den Motorlagern gelangt. Danach Benzinhahn aufdrehen und den Vergaser fluten. Den Gemisch-Regulator auf „Mitte“ stellen. Kurbeln und dabei mit der linken Hand am Rahmenholm abstützen. Das war nicht nur schweißtreibend sondern auch gefährlich. Die Kurbel konnte zurückschlagen und war für den ein oder anderen Armbruch verantwortlich. Wenn das alles erfolgreich absolviert wurde, erhielt der „Fahrschüler“ ein Dokument in dem ihm bescheinigt wird, dass er über genügend Charakter verfügt, um andere Verkehrsteilnehmer nicht zu behindern. Diese Fahrprüfung galt zunächst nur für Paris und wurde sechs Jahre später für ganz Frankreich gültig.

Ohne Fahrprüfung

Ganz ohne Fahrprüfung bekam Carl Benz seinen „Führerschein“, es war eher eine Fahrerlaubnis, die sich Benz ausstellen ließ, um Ärger zu vermeiden. Schließlich war für die Menschen Ende des 19. Jahrhunderts eine „Kutsche ohne Pferd“ Teufelszeug und viele fluchten über den fürchterlichen Gestank und Lärm. Also ließ sich Benz seine Fahrten von höchster Stelle absegnen und erhielt daraufhin vom Großherzoglichen Badischen Bezirksamt eine „Berechtigung zur Durchführung von Versuchsfahrten mit einem Patentmotorwagen“. Heute sind laut Kraftfahrt-Bundesamt 38,8 Millionen (Stand 1. Januar 2018) Führerscheine registriert.

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