U-Bahn-Prozess U-Bahn-Treter: Opfer kann nicht verzeihen

Der Angeklagte Swetoslaw S.
Der Angeklagte Swetoslaw S. © Foto: dpa
Maria Neuendorff 30.06.2017
Im Prozess gegen den Berliner U-Bahn-Treter sagte erstmals das Opfer vor Gericht aus.

„Es tut mir wirklich leid. Glaub mir. Ich bin immer noch unter Schock.“ Es wirkt fast flehentlich, als Svetoslav S. sich plötzlich von der Anklagebank erhebt. Stundenlang hat der 28-Jährige, der bundesweit als Treppentreter bekannt wurde, nur auf den Boden gestarrt. Nun bittet der Bulgare die junge Frau, der er so heftig in den Rücken trat, dass sie laut Anklage bei dem Sturz hätte umkommen können, mit gefalteten Händen und gekrümmtem  Oberkörper um Entschuldigung.

Jana K. nimmt die Worte zur Kenntnis. Die Entschuldigung könne sie jedoch nicht annehmen, lässt die 26-Jährige über ihre Anwältin mitteilen. Jedenfalls nicht, solange Svetoslav S. keine Verantwortung für seine Tat übernimmt.

Sie meint damit, dass der Angeklagte, dem wegen gefährlicher Körperverletzung bis zu zehn Jahre Haft drohen, sich in seinem Geständnis auf einen Black-out durch Drogen- und Alkohol beruft. Jana K. hatte ihn und seine Brüder in der Oktobernacht in dem Neuköllner U-Bahnhof gar nicht bemerkt. Mit der Kapuze über dem Kopf und Kopfhörerstöpseln im Ohr sei sie die Treppe hinunter gegangen. „Dann bin ich plötzlich mit voller Wucht auf den Bahnsteig gefallen“. Erst ein Passant habe ihr erklärt, dass sie getreten worden sei. Andere Helfer holten Polizei und den Krankenwagen.

Was bleibt, ist die Angst

Jana K. hat eine Narbe auf der Stirn. Der Armbruch ist inzwischen verheilt. Was bleibt, ist die Angst. Nach der Tat habe sie ihr Studium unterbrochen und  sich fast vier Monate von der Außenwelt abgeschottet, berichtet sie zierliche Frau, nachdem sich die Richter nach ihrer Gefühlslage erkundigt haben. „Ich habe es vermieden, alleine unterwegs zu sein. Man kann nicht mehr so unbefangen sein“, sagt sie mit stockender Stimme. Im Januar habe sie eine Trauma-Therapie begonnen. Auch die Verbreitung  des Videos habe ihr zugesetzt.

Die Aufnahmen aus der U-Bahn-Kamera hatten nicht nur zum Fahndungserfolg geführt, sondern auch für bundesweites Entsetzen gesorgt. Svetoslav S. behauptet, er selbst habe das Video erst in Frankreich gesehen, wo er im November einen Job bei einer Schwester annehmen wollte. Daraufhin sei er zurück nach Berlin gereist, um sich zu stellen. Polizisten am Berliner Busbahnhof seien ihm aber zuvorgekommen.

Der Tritt ist aber nicht die erste Straftat, die der Wanderarbeiter und Vater von drei Kindern begangen hat. Schon im November soll er sich in zwei Fällen vor fremden Frauen entblößt und onaniert haben.

Auch dazu wurden am Donnerstag Zeuginnen gehört: eine 38-jährige Hundebesitzerin, die ihm  morgens in einem Park begegnet war, sowie zwei junge Polinnen auf ihrem Weg zur Berufsschule. „Ich habe plötzlich Geräusche vom Müllplatz neben dem Parkplatz gehört“, erzählt eine. Zwischen den Containern habe sie ihn mit geöffneter Hose entdeckt.