Düsseldorf Online-Shopper: Paketstau am Zoll

Immer häufiger muss der Zoll Pakete aus dem Online-Versandhandel - wie hier auf dem Zollamt Nord in Düsseldorf - zurückhalten und den Empfänger herbeizitieren.
Immer häufiger muss der Zoll Pakete aus dem Online-Versandhandel - wie hier auf dem Zollamt Nord in Düsseldorf - zurückhalten und den Empfänger herbeizitieren. © Foto: dpa
FRANK CHRISTIANSEN, DPA 16.04.2014
Der Zoll hat es in den vergangenen Jahren mit einer neuen Klientel zu tun bekommen: den Online-Shoppern. Sie kaufen weltweit ein - und müssen vor Empfang der Ware gelegentlich tiefer in die Tasche greifen.

"Das gibt manchmal richtig Ärger", sagt die Zöllnerin Dagmar Böttcher. 34.000 Pakete mussten im vergangenen Jahr auf dem Zollamt Düsseldorf von den Empfängern abgeholt werden - oft mit happigen Nachschlägen. In den vergangenen Jahren habe sich die Zahl solcher Pakete mehr als verdoppelt. "Die allermeisten waren von Online-Shoppern", sagt Böttcher. Bundesweite Zahlen aber gibt es keine. Um den Andrang bewältigen zu können, hat man allein für Düsseldorf inzwischen eine zweite Abholstelle einrichten müssen.

Wegen einer Wartezeit von bis zu drei Stunden liegen manchmal die Nerven blank. "Das sind Dramen, die sich da abspielen", sagt die Zöllnerin Dorothee Klapdor. Viele sind völlig überrascht, wenn auf die Online-Order ein Zollbescheid folgt, weil die Ware von außerhalb der EU anlandet: "Sie bestellen in England, aber die Ware kommt trotzdem aus China." Ingrid C. kennt die Prozedur schon: "Ich komme öfter, ich bin Profi - seit meine Töchter im Internet bestellen." Diesmal ist es eine Jeans. Der Rest ist Formsache und Frau C. schnell verschwunden- samt Jeans.

Doch es gibt auch Schnäppchenjäger, die sich gar nicht mehr beruhigen, wenn ihnen der Zoll den tatsächlichen Preis für ihren Einkauf präsentiert. Oder sie begreifen, dass sie umsonst angestanden haben, weil die Rechnung fehlt. Für Lebensmittel sind die Gebühren hoch - 25 Prozent, Notebooks dagegen null Prozent. Außerdem kommt für Waren aus Nicht-EU-Ländern die Mehrwertsteuer hinzu, die im Zolljargon Einfuhrumsatzsteuer heißt. Ab einem Warenwert von 22 Euro ist sie zu entrichten, Versandkosten und Zoll werden mitgezählt.

Auch die Öffnungszeiten von 7.15 Uhr bis 16.15 Uhr konterkarieren das bequeme Online-Shopping. Ist keine Rechnung und keine Inhaltsangabe am Paket angebracht oder wird deren Richtigkeit bezweifelt, wird der Empfänger zum Zoll zitiert: "Ich musste schon wegen ein paar Deo-Stiften hin", sagt Tobias B, "und wegen LED-Fahrradleuchten für fünf Euro. Da musste ich erklären, dass es sich nicht um gefährliche Laser-Pointer handelt."

Aber die Zollbeamten dürfen die Pakete nicht alleine öffnen - wegen des Post-Geheimnisses und der Gefahr von Regressforderungen. Deswegen werden die Pendlerströme zu den Zollämtern wohl analog zum Online-Versandhandel weiter wachsen. Besonders ärgerlich, wenn das Schreiben vom Zoll während des Urlaubs ins Haus flattert: Nach zwei Wochen gehen die Pakete zurück an den Absender.

Einfuhrbestimmungen bedenken