Fernsehen Oliver Welke: „Mit Profis wenig Mitleid“

Wieder auf Sendung: Oliver Welke.
Wieder auf Sendung: Oliver Welke. © Foto: ZDF/Sascha Baumann
Köln / Martin Weber 26.01.2018
Mit Profis im Politbetrieb hat Oliver Welke wenig Mitleid, sagt er im Interview.Heute beginnt wieder die „heute-show“

Pleiten, Pech und Pannen im Politbetrieb sind ein gefundenes Fressen für die „heute-show“, die am Freitag aus der Winterpause zurückkehrt. Moderator Oliver Welke und sein Team veralbern in der Satiresendung skurrile Auftritte oder rhetorische Aussetzer von Politikern und fahren damit gute Quoten und viel Akzeptanz ein. Im Interview spricht der 51-Jährige über den Erfolg der Show, darüber, was TV-Satire leisten kann, und den unterschiedlichen Umgang mit ausgebufften Politprofis und den Menschen auf der Straße.

Herr Welke, stimmt es denn, dass die „heute-show“ für viele junge Zuschauer die einzige Sendung ist, von der sie politische Informationen beziehen?

Oliver Welke Zumindest behaupten Studien aus den USA, dass viele Fernsehnutzer ihr politisches Wissen hauptsächlich aus Satire-Sen­dungen beziehen. Ich glaube aber, dass die in Deutschland eher in der Minderheit sind, und dass das für die „heute-show“ nicht gilt. Was hätte man schon für einen Mehrwert von einer Sendung, die das politische Geschehen der Woche im Rückblick aufarbeitet? Wir setzen ja doch einiges an Informiertheit voraus in unserer Show. Dazu kommt: Wir haben ja gar nicht den Anspruch, Journalisten zu sein. Wir sind zum großen Teil auf die Geschichten ­angewiesen, die richtige Journalisten recherchieren. Wir sind immer noch eine Unterhaltungssendung.

Für Satiriker leben wir ja in herrlichen Zeiten – ein Wahnsinn jagt den nächsten. Freuen Sie sich über die Themenfülle?

Ich sage immer: Was für die „heute-show“ gut ist, ist oft nicht gut fürs Land. Ich finde also nicht alles toll, was uns Sendezeit schenkt, bestimmte Entwicklungen machen mir auch ernsthaft Angst. Wenn sich alle nur noch in diese merkwürdige Mecker-Haltung reinsteigern, aber keiner mehr was tut, dann sehe ich schwarz für unsere Demokratie. Wer sich zum Beispiel mal kommunalpolitisch umsieht, stellt fest, dass da wenig nachkommt an jüngeren Leuten. Das hat nichts mit der so genannten Politikverdrossenheit zu tun, an die ich sowieso nicht glaube. Es gibt vielmehr ein großes Interesse an Politik. Die Leute haben nur ein Problem mit der Art von Parteipolitik, die sie medial wahrnehmen.

US-Präsident Donald Trump ist eine Steilvorlage für jeden Satiriker, oder?

Das kann man so sagen, wobei ich oft den Eindruck habe, dass es bei Trump eben nicht darum geht, von den ersten Stadien der Demenz zu schwadronieren oder andere Albernheiten zum Besten zu geben. Ich glaube, man verpasst bei Trump ganz oft die wesentlichen Sachen, die spannenden Geschichten passieren immer jenseits von den üblichen Trump-ist-doof-Witzen. Wir versuchen, der Figur Trump gerecht zu werden.

Was ist mit Kanzlerin Angela Merkel?

Angela Merkel wird in der „heute-show“ das ganze Jahr über konsequent kritisiert. Als sie zum Beispiel vor der Bundestagswahl angekündigt hat, dass sie noch einmal antritt, haben wir das ohne Ironie sehr heftig kritisiert, weil wir von Anfang an das Gefühl hatten, dass das dem Wunsch nach einem personellen Neuanfang in der Bundespolitik diametral entgegen steht. Ich glaube, dass wir einen völlig anderen Wahlkampf erlebt hätten und die Bundestagswahl anders ausgegangen wäre, wenn Angela Merkel angekündigt hätte, hinzuschmeißen. Man kann uns wirklich nicht vorwerfen, dass wir zur Kanzlerin zu nett sind.

Im Internet wird an allen Ecken und Enden gewitzelt und geblödelt. Braucht man da überhaupt noch Satire im Fernsehen?

Ich denke schon, man muss nur aufpassen, dass man nicht alle Sachen, die schon im Netz waren, noch einmal zitiert. Wobei man sagen muss: Unter dem vielen Quatsch finden sich oft auch exzellente Gags, die ja in der Regel von Amateuren kommen und nicht von Profis. Aber man muss höllisch auf der Hut sein, dass man nicht aus Versehen in die gleiche Kerbe schlägt. Sonst heißt es in den entsprechenden Foren gleich: Guck mal, den Witz haben sie aus dem Netz geklaut.

Beschweren sich denn manchmal Politiker bei Ihnen, dass Sie zu hart mit ihnen umgegangen sind?

Nein, bei mir persönlich nicht, aber beim ZDF in Mainz schon ab und zu. Im Laufe der Jahre, die es die „heute-show“ nun schon gibt, habe ich zeitversetzt von so mancher Beschwerde erfahren. Wir haben aber mit dem ZDF vereinbart, dass es besser ist, wenn wir das in einem solchen Fall nicht unmittelbar erfahren, weil sich sonst beim Schreiben der Texte die ein oder andere Hemmung einschleichen könnte. Beschwerden finde ich übrigens völlig legitim, dieses Recht haben nicht nur normale Zuschauer, sondern auch Politiker. Bedenklich wäre ja nur, wenn ein Politiker versuchen würde, im Vorhinein die Ausstrahlung von irgendwas zu verhindern – und das haben wir in bald neun Jahren „heute-show“ bislang noch nie erlebt.

Sie hatten noch keinen einzigen wutschnaubenden Politiker am Telefon?

Noch nie, die Wut ist zum Glück immer in andere Telefone geschnaubt worden. Wenn ich mal einen bei einer Veranstaltung oder im Flugzeug treffe, dann sehe ich natürlich an der Reaktion, ob der uns lieb hat oder nicht. Es ist manchem ja auch gar nicht so unangenehm, wenn er bei uns vorkommt.

Tun Ihnen manche Gags hinterher leid?

Was mir manchmal Leid tut, ist, wenn wir auf Parteitagen Delegierte vor dem Mikrofon haben, die nicht so ganz genau wissen, wer wir sind, und dann was Blödes sagen. Dann tut es mir manchmal schon leid, dass man sich den Lacher mit jemandem geholt hat, der die Situation in diesem Moment nicht so richtig erfasst hat. Mit ausgebufften Politprofis dagegen habe ich weniger Mitleid – und so lange auch die sich bei uns um Kopf und Kragen reden, stimmt die Mischung wieder.

Info „heute-show“, Freitag, 22.30 Uhr, im ZDF

Autor, Sprecher, Sportmoderator

Oliver Welke wurde 1966 in Bielefeld geboren. Nach dem Studium der Publizistik in Münster arbeitete er als Journalist sowie Autor und Sprecher für Comedysendungen. Von 2003 bis 2005 zählte er zum Stammpersonal der RTL-Comedyshow „7 Tage, 7 Köpfe“. Seit vielen Jahren ist Welke auch als Moderator bei Fußballspielen im Einsatz; die Zuschauer kennen ihn von Übertragungen der WM oder der Champions League, bei denen er gemeinsam mit Ex-Torhüter Oliver Kahn zu sehen ist. Seit 2009 moderiert Welke im ZDF die „heu­te-show“. Der 51-Jährige lebt mit Frau und zwei Kindern in Bonn. mw

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