Unglück Öltanker in Flammen

Der 274 Meter lange Tanker mit 136 000 Tonnen Öl an Bord hatte schon Schlagseite.
Der 274 Meter lange Tanker mit 136 000 Tonnen Öl an Bord hatte schon Schlagseite. © Foto: Xinhua
Shanghai / Felix Lee 08.01.2018

Erst gab es einen heftigen Rums, dann brannte es lichterloh. Überlebende im chinesischen Fernsehen berichten von hohen Flammen und dunklen Rauchwolken – und das mitten auf offener See. Am Samstagabend gegen 20 Uhr Ortszeit ist rund 300 Kilometer östlich der Hafenstadt Shanghai der unter panamischer Flagge fahrende Öltanker „Sanchi“ mit einem chinesischen Frachtschiff zusammengestoßen. Wenige Sekunden später ging der 274 Meter lange Tanker in Flammen auf.

Aufnahmen zeigen die „Sanchi“ in Schieflage. Lodernde hohe Flammen schlagen aus dem brennenden Schiff. Gewaltige dunkle Rauchwolken steigen in den Himmel. Das Feuer konnte auch zwölf Stunden nach der Explosion nicht gelöscht werden. Von der 32-köpfigen Besatzung des Tankers gibt es kein Lebenszeichen. Den chinesischen Behörden zufolge laufe eine große  Suchaktion. Sie schien angesichts des Ausmaßes des Unglücks aber wenig ausrichten zu können. Die 21 Seeleute auf dem chinesischen Frachter „CF Crystal“ konnten indes unversehrt gerettet werden.

Wenig Überlebenschancen

Die „Sanchi“ hat 136 000 Tonnen Öl im Wert von 60 Millionen Dollar geladen. Sie war auf dem Weg vom iranischen Ölhafen Kharg nach Südkorea. Bei der Besatzung handelt es sich um 30 Iraner und zwei Personen  aus Bangladesch. Laut einer  Rettungskraft haben sie wenig Überlebenschancen. Das ganze Schiff brenne. Und wer es geschafft haben sollte, über Bord zu springen, dürfte kaum überlebt haben. „Das Wasser ist in dieser Jahreszeit zu kalt.“

Der unter Hongkonger Flagge fahrende Frachter habe „keine Schäden“ erlitten, die dessen Sicherheit gefährdeten, hieß es. Das 225 Meter lange Schiff soll rund 64 000 Tonnen Getreide geladen haben. Es war von den USA unterwegs in die südchinesische Provinz Guangdong.

Unklar ist, wie viel von dem Öl des Tankers „Sanchi“ ins Meer geflossen ist. Hubschrauberaufnahmen vom frühen Morgen zeigen einen Ölteppich rund um das brennende Unglücksschiff. Die Rettungskräfte befürchten, der Tanker könnte untergehen, sodass über Wochen Öl ins Meer austritt. Insgesamt acht chinesische Rettungs- und Bergungsschiffe sind im Einsatz, drei von ihnen sind bereits dabei, das Öl von der Meeresoberfläche abzuschöpfen. Auch Südkorea hat zur Unterstützung ein Schiff der Küstenwache sowie ein Flugzeug zur Suche nach den Vermissten ins Unglücksgebiet geschickt.

Die Ursache der Kollision ist unklar. Das iranische Ölministerium teilte lediglich mit, der Tanker gehöre einem staatlichen Unternehmen. Die Sicherheitsvorkehrungen hätten den höchsten Standards entsprochen.

Vielbefahrene Schifffahrtsstraße

Vor der chinesischen Küste verlaufen einige der am meisten befahrenen Schifffahrtswege der Welt. Dehalb kommt es im Ostchinesischen Meer regelmäßig zu Zusammenstößen, die meisten verliefen glimpflich. 2007 kam es vor der südkoreanischen Küste allerdings zum bis dahin schlimmsten Tankerunglück in der Region. Über 10 000 Tonnen Öl flossen ins Meer. Noch Wochen später wurden ölverschmierte Vögel an die Küsten geschwemmt. fle