Der Einmarsch in die Ukraine hat Russland isoliert. Die Sanktionen der internationalen Gemeinschaft treffen das Land hart – und es geht noch weiter. Das Embargo gegen russisches Öl wurde von der EU im April 2022 beschlossen. Einige Länder, die zu fast 100 Prozent von russischem Öl abhängig sind, haben Ausnahmen bekommen. Doch nun hat Russland von selbst die Lieferungen an diese Länder gestoppt.
Das alles treibt die Deutschen um. Können wir auf Öl aus Russland verzichten? Woher kommt denn aktuell unser Öl? Hier erfahrt alle Infos über die Ölsituation in Deutschland.

Wie viel Öl verbraucht Deutschland im Jahr?

In Deutschland ist noch immer Öl der meistverbrauchte Brennstoff. Während weltweit der Verbrauch von Erdöl noch immer steigt, ist der Verbrauch in Deutschland laut des Statistik- und Datenportals Statista im Jahr 2020 gesunken. In dem Jahr betrug der Deutschlands Erdölverbrauch 96,2 Millionen Tonnen. 2019 waren es noch 106,6 Millionen Tonnen. Das Sinken hängt aber sicherlich auch mit der Corona-Pandemie zusammen.

Wieviel Öl bezieht Deutschland aus Russland?

Wegen des Krieges in der Ukraine werden Ölimporte aus Russland nach und nach gestoppt. Können wir uns das überhaupt in Deutschland leisten? Das fragen aktuell viele.
Russland ist für Deutschland bis vor Kurzem der wichtigste Öllieferant gewesen. 2016 kam 40 Prozent des Öls aus Russland, 2018 war der Anteil leicht gesunken auf 36,3 Prozent.
Seitdem das Ölembargo im Raum steht, hat die Bundesregierung, allen voran Wirtschaftsminister Robert Habeck, hart daran gearbeitet, diese Abhängigkeit zu reduzieren. Das ist nach Habecks Angaben gelungen. Deutschland ist bereit für ein Embargo. Der Anteil russischen Öls am deutschen Ölverbrauch ist seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine binnen weniger Wochen von 35 auf 12 Prozent gesunken, wie aus dem Fortschrittsbericht Energiesicherheit der Bundesregierung hervorgeht.

Andere Länder, die Deutschland mit Öl beliefern

Es gibt aber auch andere Länder, aus denen Deutschland Öl bezieht. Diese sind:
  • Norwegen (2018 rund 12 Prozent)
  • Libyen (ca. 8,5 Prozent)
  • Kasachstan (8,0 Prozent)
  • Großbritannien (7,8 Prozent)
  • Nigeria (6,4 Prozent)
  • USA (4,6 Prozent)
  • Aserbaidschan (3,6 Prozent)
  • Irak (3,6 Prozent)
  • Saudi-Arabien (1,7 Prozent)
Deutschland fördert selbst auch Öl, und zwar vorrangig in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen.

Was passiert wenn kein Öl mehr aus Russland kommt?

Die Abhängigkeit von russischem Öl wurde erfolgreich reduziert. Die verbleibenden 12 Prozent sind nach Ansicht der Regierung verkraftbar, sodass Deutschland über mehrere Jahre auf das russische Erdöl verzichten kann. Deutschland hat auch Ölreserven. Seit 1996 müssen deutsche Mineralölfirmen einen bestimmten Anteil des Rohöls einlagern, für den Fall dass es zu Versorgungsengpässen kommt. Sie sind verpflichtet, jederzeit „Erdöl und Erdölerzeugnisse in Höhe der nach Deutschland in einem Zeitraum von 90 Tagen netto eingeführten Mengen zu halten“, so das Wirtschaftsministerium. Deutschland kann also zu jeder Zeit etwa drei Monate ohne Ölimporte auskommen. Einen Teil dieser nationalen Ölreserven hat die Bundesregierung bereits freigegeben, um die aktuelle Situation auszugleichen.
Zu den Folgen eines möglichen Öl-Embargos gegen Russland sagte Wirtschaftsminister Habeck, dass eine solche Maßnahme an Deutschland nicht spurlos vorbeigehen würde. Es werde hohe Preissprünge geben, in eine neue „Ölkrise“ werde Deutschland aber nicht mehr rutschen. Die Umstellung könne auch zeitliche Ausfälle bedeuten, sagte Habeck unter Verweis auf die Erdölraffinerie PCK in Schwedt, die vom russischen Staatskonzern Rosneft kontrolliert wird.

Kein Öl mehr durch die Druschba: Ist Schwedt gefährdet?

Durch den südlichen Strang der Druschba-Pipeline fließt nach Angaben der Betreiberfirma seit dem 4. August 2022 kein russisches Erdöl mehr nach Europa. "Am 4. August wurde die Lieferung von russischem Öl über das Gebiet der Ukraine gestoppt", erklärte das russische Staatsunternehmen Transneft. Als Grund gab es an, dass Ende Juli eine Banktransaktion aufgrund westlicher Sanktionen gegen Russland abgelehnt worden sei.
Von den Lieferausfällen seien Ungarn, die Slowakei und Tschechien betroffen, erklärte das Unternehmen weiter. Der nördliche Strang der Druschba-Pipeline, über den Polen und Deutschland versorgt werden, verläuft nicht durch die Ukraine, sondern durch Belarus. Diese Lieferungen würden "wie gewohnt" fortgesetzt, erklärte Transneft.
Die EU-Staaten hatten sich im April auf ein schrittweises Öl-Embargo gegen Russland verständigt. Ungarn, Tschechien und die Slowakei hatten jedoch unter Verweis auf ihre starke Abhängigkeit von russischen Lieferungen eine weitgehende Ausnahme der Lieferungen über die Druschba-Pipeline durchgesetzt.