Um Frostschäden an Obstblüten zu vermeiden, greifen manche Bauern im Südwesten derzeit zu Frostberegnung und Feuer. Bisher sei das eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte der Geschäftsführer der Marktgemeinschaft Bodenseeobst, Egon Treyer, am Montag. „Aber wir sind an der Grenze zum eventuellen Frost. Wenn die Obstbäume in einer Senke stehen, kann es auch mal ein halbes Grad weniger haben - dann wird es eng.“ Momentan sei vor allem Steinobst betroffen. Schäden seien ihm bisher noch nicht bekannt, sagte Treyer.

Viele Bauern im Südwesten haben noch die Erlebnisse aus dem Jahr 2017 im Hinterkopf: Später Frost hatte damals mitten in der Blütezeit im April vielen Bauern die Ernte verdorben. Nach Angaben der Marketinggesellschaft lag der Ertrag in der Bodenseeregion 2017 mit 85 000 Tonnen Äpfeln auf dem niedrigsten Wert seit über 20 Jahren - im Vergleich zum Jahr davor bedeutete das ein Minus von 70 Prozent.

Auch Obstbauer Klemens Kammerer in Renchen (Ortenaukreis) hat vorgesorgt. In der Nacht habe die Temperatur die kritische Marke von etwa null Grad erreicht, so dass er seine Frostberegnung angestellt habe, sagte der Landwirt. Das Wasser aus der Beregnung gefriere an der Pflanze zu Eis, was Wärme freisetze. „Das schützt die Blüte.“ Wichtig sei jedoch, die Beregnung dauerhaft in Betrieb zu lassen, bis die Temperatur wieder über null Grad liege. „Ich darf nichts abstellen, weil der Gefrierprozess ständig laufen muss“, sagte Kammerer. Er sei froh über diese Methode. „Hier wäre doch einiges passiert, wenn man das nicht machen könnte.“

In der Bodenseeregion - neben dem Alten Land in Niedersachsen eines der wichtigsten Anbaugebiete für Äpfel in Deutschland - sei die Frostberegnung dagegen kaum verbreitet, sagte Treyer. Die meisten Landwirte hätten gar keinen Wasserzugang auf den Obstplantagen. Viele Bauern setzten stattdessen darauf, die Hagelnetze zu schließen oder mit Wärmekerzen die Temperatur anzuheben. „Das ist allerdings sehr aufwendig und nur für kleine Flächen möglich, weil dabei zu wenig Hitze entwickelt wird.“