Gesundheit Das sollten Sie über Organspende wissen

Nur gut ein Drittel aller Deutschen besitzt einen Organspendeausweis.
Nur gut ein Drittel aller Deutschen besitzt einen Organspendeausweis. © Foto: Caroline Seidel/dpa
Ulm / Tobias Herrmann 14.02.2018
Nun auch die Niederlande: Immer mehr Länder ändern ihr Organspendegesetz. Wie sieht die Gesetzeslage in Deutschland aus?

Als Organspende wird die Übertragung von Niere, Leber, Herz, Lunge, Pankreas und Dünndarm, sowie die Verpflanzung von Hornhaut oder Knochengewebe von einem verstorbenen Spender auf einen Empfänger bezeichnet.

Unter Schutz des deutschen Transplantationsgesetzes (TPG), welches am 1. Dezember 1997 in Kraft getreten ist, wird die Entnahme, Spende und Übertragung von Organen streng geregelt. 2012 wurde ein Zusatz verfasst, wonach jeder Krankenversicherte regelmäßig gefragt werden soll, ob er seine Organe im Todesfall zur Verfügung stellen würde.

Mehrere Kriterien sind entscheidend

Generell müssen für eine Organspende zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Zum einen muss der Tod anhand Richtlinien der Bundesärztekammer von zwei unabhängigen Ärzten eindeutig und zweifelsfrei festgestellt worden sein, zum anderen muss eine klare Zustimmung des Verstorbenen vorliegen.

Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl gesundheitlicher Kriterien. So kann eine mögliche Organspende bei Infektionen oder Krebserkrankungen ausgeschlossen werden. Bei anderen Erkrankungen wird anhand vorliegender ärztlicher Befunde entschieden. Oft eignen sich auch nur bestimmte Organe für eine Spende. Bei einem Raucher kann die Lunge ausgeschlossen werden, Herz oder Niere sich aber als Spenderorgan eignen. Die unmittelbare Funktionsfähigkeit eines Organs kann zudem kurz nach Eintritt des Hirntods durch verschiedene medizinische Untersuchungen ermittelt werden.

Über allem steht aber stets die persönliche Zustimmung des Patienten als elementarstes Kriterium.

Spenderausweis: Hohe Bereitschaft - Niedrige Umsetzung

Da allerdings laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Jahr 2016 nur 32 Prozent aller Bundesbürger einen Spenderausweis besaßen und somit ihren Willen eindeutig gekennzeichnet haben, entscheiden in mehr als 90 Prozent der Fälle die engsten Angehörigen über eine mögliche Organspende.

Dies ist insofern verwunderlich, da in der gleichen Umfrage 81 Prozent der Befragten einer Organspende grundsätzlich positiv gegenüber standen. Daher muss die Frage gestellt werden, woher diese Diskrepanz zwischen willigen und tatsächlichen Spendern rührt.

Akuter Spenderorgan-Mangel in Deutschland und Europa

Unabhängig davon hat die deutsche Entscheidungsschwäche dramatische Folgen: Mehr als 10.000 Patienten warten bundesweit auf ein Spenderorgan. Rein statistisch sterben Tag für Tag drei Patienten an Mangel eines passenden Spenderorgans.

Nicht nur Deutschland hat mit Organspende zu kämpfen. In ganz Europa herrscht ein permanenter Spenderorgan-Mangel. Um diesem Problem entgegenzutreten, wurde in den Niederlanden nun ein Gesetz verabschiedet, wodurch das bisher gültige Zustimmungsprinzip mit der sogenannten Widerspruchsregelung ersetzt wurde. Demnach gilt jeder niederländische Staatsbürger nach Abschluss des 18. Lebensjahres als potenzieller Organspender, es sei denn, er legt ausdrücklich Widerspruch ein.

Immer mehr Länder setzen auf Widerspruchsprinzip

Die Niederlande sind dabei bei weitem nicht das erste Land, das bei Organspende auf die Widerspruchsregelung setzt. In 17 weiteren Ländern, darunter Frankreich, Österreich, Schweden oder Tschechien, gilt jeder Staatsangehörige grundsätzlich als potenzieller Organspender. Ein ähnliches Gesetz wird auch in Deutschland immer wieder diskutiert, bisher konnte allerdings keine Mehrheit erzielt werden.

Dies schlägt sich natürlich im europäischen Vergleich nieder, wo laut einer Statistik der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) Deutschland 2017 mit einem neuen Rekordtief von lediglich 9,7 Spendern pro einer Million Bundesbürger auf den hintersten Plätzen rangiert. Mehr als 46,9 Spender pro einer Million Einwohner verzeichne dagegen Spanien und ist damit mit Abstand der Klassenprimus in Europa.

Weitere Informationen rund um das Thema Organspende findet man beispielsweise bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.bzga.de, oder auf der Website der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO): www.dso.de. Beide Seiten bieten darüber hinaus auch einen Organspenderausweis und weiterführendes Info-Material als Download an.

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