Krimireihe Neuzugänge und Abschiede

Berlin / Cornelia Wystrichowski 04.08.2018

Wochenlang war die beliebteste Krimireihe der Deutschen in der Sommerpause, jetzt ist die Saure-Gurken-Zeit beim „Tatort“ vorbei: Morgen startet die neue Saison mit einer brandneuen Folge aus der Schweiz – zuvor hatte es außer der TV-Premiere von Til Schweigers Kino-„Tatort“ wochenlang nur Wiederholungen gegeben. Zur Rückkehr der populären Sonntagskrimis gibt es ein Highlight: Die Folge „Die Musik stirbt zuletzt“ aus Luzern wurde als erster „Tatort“ überhaupt ganz ohne Schnitt in einer einzigen Kameraeinstellung gedreht – ein seltenes und aufwändiges Verfahren, das man nur aus wenigen Kinofilmen wie etwa „Victoria“ kennt.

Der „Tatort“ von Regisseur Dani Levy, in welchem ein jüdischer Musiker vergiftet wird und in dem ein dunkles Familiengeheimnis aus der NS-Zeit eine zentrale Rolle spielt, ist einer der letzten Einsätze von Stefan Gubser und Delia Mayer: Sie hören 2019 auf, ein Team aus Zürich soll sie ersetzen.

Bis zum zweiten neuen „Tatort“ müssen die Fans drei Wochen warten: Am 12. August ist der Sonntagabend im Ersten wegen einer Leichtathletikübertragung krimifrei, am 19. August läuft ein „Polizeiruf 110“ mit Matthias Brandt. Erst am 26. August geht es mit Christian Ulmen und Nora Tschirner in der komödiantischen Folge „Die robuste Roswita“ in Weimar weiter. Am 2. September gibt dann die Schauspielerin Almila Bagriacik im Kiel-Krimi „Borowski und das Haus der Geister“ ihr Debüt an der Seite von Axel Milberg alias Kommissar Klaus Borowski. Sie ist das erste von mehreren neuen „Tatort“-Gesichtern in nächster Zeit. In Dresden etwa ersetzt die Schauspielerin Cornelia Gröschel als Kommissarin ihre Vorgängerin Alwara Höfels, und die schwarze Hollywood-Schauspielerin Florence Kasumba („Black Panther“) wird an der Seite von Maria Furtwängler alias Kommissarin Charlotte Lindholm in Niedersachsen ermitteln – ihre Verpflichtung gilt als echter Coup der „Tatort“-Macher.

Doch es stehen auch einige Abschiede von vertrauten Gesichtern auf der Agenda. So hat in der Stuttgarter Folge „Der Mann, der lügt“ (Ende 2018) die Schauspielerin Mimi Fiedler als Kriminaltechnikerin ihren letzten Einsatz. Im Schwarzwald-Krimi „Damian“ (Herbst) wird Hauptdarsteller Hans-Jochen Wagner krankheitsbedingt von Carlo Ljubek vertreten. Devid Striesow löst in der Folge „Der Pakt“ im Januar seinen letzten Fall als Kommissar Stellbrink in Saarbrücken, und auch das Bremer Duo Sabine Postel und Oliver Mommsen nimmt bald seinen Hut.

Ulrich Tukurs nächster Einsatz im Winter könnte zum Höhepunkt der Saison werden: Er erlebt als Wiesbadener Kommissar in „Murot und das Murmeltier“ denselben Tag immer wieder und wird jedes Mal erschossen. Dagegen schauen die vielen Fans des Münster-„Tatorts“ erst einmal in die Röhre: Die nächsten Fälle mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl als schrulligem Duo Boerne und Thiel müssen erst noch produziert werden, die Dreharbeiten beginnen im Herbst.

Noch länger wird es wohl bis zum nächsten „Tatort“ mit Til Schweiger dauern, zurzeit ist erst das Drehbuch für die nächste Folge in Arbeit. Ob es einen weiteren „Tatort“ mit Heike Makatsch gibt, ist noch unklar, der Sender habe aber durchaus Interesse, heißt es beim SWR.

Für Überraschungen gut

Absicht Es hat eine gewisse Ironie, dass die Saison ausgerechnet mit einem experimentellen „Tatort“ beginnt: Nach heftig kritisierten Wagnissen wie dem Ludwigshafener Improvisations-„Tatort“ hieß es, die ARD wolle solche Experimente reduzieren. Zuletzt verkündete ARD-Programmdirektor Volker Herres jedoch: „Der ,Tatort‘ wird und muss inhaltlich wie dramaturgisch weiterhin neue, mutige und überraschende Wege gehen.“ ski

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