Sechs Wochen Angst statt drei Monate: Ein HIV-Test kann jetzt deutlich früher ein Ergebnis liefern, teilte die deutsche Aids-Hilfe am Freitag mit. "Bisher hat man den Leuten gesagt: Ihr müsst drei Monate warten, sonst ist es nicht sicher", sagte Holger Wicht, der Sprecher der Deutschen Aids-Hilfe. Die Zahl der Viren und Antikörper nimmt erst allmählich zu. Nun aber haben die zuständigen medizinischen Fachgesellschaften die erforderliche Frist verkürzt. "Das ist für viele eine Erleichterung und kann zum Test motivieren", sagt Armin Schafberger, Medizinexperte der Aids-Hilfe.

Grund für das kürzere Zeitfenster zwischen einer Risikosituation und einer Diagnose ist ein empfindlicheres und kombiniertes Verfahren sowie mehrere Überprüfungen dieses Tests. Der so genannte Ag-Ak-Kombinationstest prüft auf Antigene (Ag) und Antikörper (Ak). Er weist Antikörper im Blut früher und sicherer nach als ältere Versionen. Zusätzlich kann er ein Antigen anzeigen: das Protein p24 des Aidserregers. Es ist nur vorübergehend zu finden - aber schon zwei bis drei Wochen nach einer Infektion. Die Tests sind bereits seit 1997 auf dem Markt. Neu ist: Menschen, die sich auf das HI-Virus testen lassen wollen, können das jetzt früher tun.

"Die drei Monate Frist, die bisher galten, waren einfach ein Sicherheitsfaktor", sagt der Virologe Jörg Hofmann von der Berliner Charité. "Man möchte natürlich sicher sein, dass der Test niemanden als HIV-negativ ausweist, der sich doch angesteckt hatte - nur, weil man zu früh getestet hat." Es hätten erst genügend Untersuchungen zeigen müssen, dass der Test schon nach sechs Wochen funktioniert.