Seit dem 24. Februar 2022 ist die Welt eine andere: Die Weltordnung, die seit Ende des Kalten Kriegs, geherrscht hat, wurde durch Russlands Einmarsch in die Ukraine zerbrochen. Dadurch hat auch die Nato eine neue Rolle bekommen, sie ist wieder in erhöhter Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Sorge, dass der Krieg mit Russland ausgeweitet werden könnte ist groß. Als Reaktion auf den Einmarsch hat Finnland am 15. Mai entschieden, dem Verteidigungsbündnis beizutreten. Traditionell gehört Finnland zu den neutralen Ländern. Auch Schweden will dem Bündnis beitreten.
Hier in diesem Text wollen wir erklären:
  • Was ist die Nato?
  • Welche Staaten sind Mitglieder?
  • Was sind ihre Aufgaben?
  • Was ist der Nato Bündnisfall und wann wird er ausgerufen?
  • Welche Rolle spielt die Nato im Russland-Ukraine-Konflikt?
  • Welche Rolle spielt der Generalsekretär der Nato?
  • Was ist mit „Osterweiterung“ der Nato gemeint?
  • Die wichtigsten Informationen im Überblick.

Gründung, Standort, Mitgliedstaaten – Die wichtigsten Infos zur Nato im Überblick

  • Organisation: NATO (North Atlantic Treaty Organization)
  • Gründung: 04. April 1949
  • Hauptquartier: Brüssel (Belgien)
  • Generalsekretär: Jens Stoltenberg (Norwegen)
  • Mitgliedstaaten: 30
  • Gesamttruppenstärke: etwa 3,46 Millionen (Stand 2021)
  • Reservisten: etwa 2,11 Millionen (Stand 2021)

30 Mitgliedstaaten – Diese Länder sind in der Nato

Am 04. April 1949 wurde der Nordatlantikvertrag unterschrieben. Anfänglich waren zwölf Staaten in dem Bündnis vertreten: Belgien, Dänemark (mit Grönland), Frankreich, Vereinigtes Königreich (mit Malta), Island, Italien, Kanada, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Portugal und USA. Inzwischen umfasst die Nato 30 Mitglieder. Neben den zwölf Gründungsstaaten sind folgende Länder vertreten:
  • Griechenland (seit 1952)
  • Türkei (seit 1952)
  • Deutschland (seit 1955)
  • Spanien (seit 1982)
  • Polen (seit 1999)
  • Tschechien (seit 1999)
  • Ungarn (seit 1999)
  • Bulgarien (seit 2004)
  • Estland (seit 2004)
  • Lettland (seit 2004)
  • Litauen (seit 2004)
  • Rumänien (seit 2004)
  • Slowakei (seit 2004)
  • Slowenien (seit 2004)
  • Albanien (seit 2009)
  • Kroatien (seit 2009)
  • Montenegro (seit 2017)
  • Nordmazedonien (seit 2020)
40 Drittstaaten arbeiten in Politik- und Sicherheitsfragen mit der Nato zusammen. Diese Staaten streben einen Dialog und eine praktische Zusammenarbeit mit der Nato an und viele von ihnen tragen zu Nato-geführten Operationen und Einsätzen bei. Die Nato kooperiert außerdem mit vielen internationalen Organisationen.

Europäische und nordamerikanische Sicherheit – Wofür steht die Nato?

Nato steht für „North Atlantic Treaty Organization“ (Nordatlantische Vertragsorganisation) und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA und Westeuropa zum Schutz weiterer Bedrohungen geschlossen.
Die Nato ist das wichtigste sicherheitspolitische Bündnis der Welt und garantiert Europas und Nordamerikas Schutz. Laut der Webseite der Bundesregierung steht die Nato für gemeinsame Sicherheit und Verteidigung, für gemeinsame Operationen, für die internationale Kooperation mit Partnern und für gelebten Multilateralismus. Sie versteht sich als Wertegemeinschaft freier demokratischer Staaten.

Der Nordatlantikvertrag – Die Gründung der Nato

Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schlossen sich Frankreich, das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Belgien und Luxemburg für ein Bündnis der Zusammenarbeit und Selbstverteidigung zusammen. 1948 wurde es mit dem Brüsseler Pakt verabschiedet. Parallel kam es zu einem Abkommen der beteiligten westeuropäischen Länder mit den USA, dem Nordatlantikvertrag. Der Vertrag verpflichtet die Mitgliedstaaten zu militärischer Hilfe im Falle einer Bedrohung.

Schweden und Finnland wollen beitreten

Finnland will Mitglied der Nato werden. Das Land werde einen entsprechenden Antrag zur Aufnahme in die Militärallianz stellen, teilten der finnische Präsident Sauli Niinistö und Regierungschefin Sanna Marin am Sonntag, den 15. Mai in Helsinki mit. Das finnische Parlament muss dem Schritt noch zustimmen, eine Mehrheit gilt aber als sicher. Niinistö sprach mehrfach von einem „historischen Tag“ für das skandinavische Land. „Ein neues Zeitalter beginnt“, so der Präsident.
Finnland war seit Jahrzehnten bündnisfrei und teilt sich mit Russland eine rund 1300 Kilometer lange Grenze. Lange galt ein Beitritt in die Militärallianz als undenkbar - schließlich wollten es sich die Finnen nicht mit dem großen Nachbarn im Osten verscherzen. Doch der Angriffskrieg Moskaus auf die Ukraine hat bei den Politikerin und in der Bevölkerung zu einem Umdenken geführt.
Auch Schweden plant, dem Bündnis beizutreten. Das gaben die regierenden Sozialdemokraten am 15. Mai bekannt.

Sicherheit und kollektive Verteidigung – Das sind die Aufgaben der Nato

Die Ziele, die 1949 mit dem Nordatlantikvertrag festgelegt wurden, gelten auch heute noch. Welche Aufgaben hat die Nato?

Politische und Militärische Zusammenarbeit der Nato

Zweck der Nato ist es, mit politischen und militärischen Mitteln die Freiheit und Sicherheit der Mitglieder zu garantieren.
  • Politisch: Die Mitgliedstaaten beraten sich und kooperieren miteinander in Verteidigungs- und Sicherheitsfragen. Dadurch sollen Probleme gelöst, Vertrauen geschaffen und langfristige Konflikte vermieden werden.
  • Militärisch: Oberstes Ziel der Nato ist eine friedliche Lösung von Konflikten. Sobald diplomatische Anstrengungen scheitern, kann die Nato auch militärisch für Sicherheit sorgen. Die Militärstrategie der Nato beruht auf dem Gedanken einen Angreifer abzuschrecken.

Kollektive Selbstverteidigung der Nato: Der Bündnisfall laut Artikel 5

Das Prinzip der kollektiven Selbstverteidigung bedeutet, dass ein Angriff auf ein Nato-Mitglied als Angriff auf alle angesehen wird. Das ist der sogenannte Bündnis- oder Verteidigungsfall. Das in Artikel 5 des Washingtoner Vertrag festgelegte Prinzip wurde bisher einmal angewendet: Bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA.

Welche Aufgabe hat der Nato-Generalsekretär?

Der Generalsekretär ist der Vorsitzende des Nordatlantikrates und vertritt die Nato in der Öffentlichkeit. Er erleichtert die Entscheidungsfindung, steuert Diskussionen und gewährleistet die Umsetzung beschlossener Entscheidungen. Der Generalsekretär wird für vier Jahre von den Mitgliedstaaten gewählt, kann am Ende seiner Amtszeit aber darum gebeten werden sein Amt weiter auszuüben.
Seit 2014 ist der Norweger Jens Stoltenberg Generalsekretär der Nato. Bisher einziger deutscher Amtsinhaber war Manfred Wörner von 1988 bis 1994.

Nato-Mitglied Deutschland

Aufgrund der westlichen Orientierung der Besatzungsmächte USA, Großbritannien und Frankreich entwickelte sich die Bundesrepublik Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg zu einer westlichen Wirtschaftsmacht und wurde 1955 als Nato-Mitglied aufgenommen. Die Bundesregierung betont auf seiner Webseite, dass die Nato für die Sicherheit des Landes wichtig ist. Deutschland übernahm in der Vergangenheit wichtige Aufgaben im Kalten Krieg und werde sich auch in Zukunft an Militäreinsätzen, die der Sicherheit in Europa dienen, beteiligen.
Weiter heißt es auf der Webseite: „Deutschland will die Nato stark halten, sich für die Einheit des Bündnisses einsetzen und muss deswegen in die Bereitschaft seiner Streitkräfte investieren. Deutschland beteiligt sich finanziell an der Ausstattung der Nato, dem gemeinsamen Nato-Haushalt, und mit Soldatinnen und Soldaten sowie Material an gemeinsamen Auslandseinsätzen.“

Die Nato-Osterweiterung

Mit der Nato-Ostererweiterung wird der Beitritt der Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts und von Nachfolgestaaten Jugoslawiens bezeichnet. Mitgliedstaaten des Paktes waren Albanien, Bulgarien, DDR, Polen, Rumänien, Sowjetunion, Tschechoslowakei und Ungarn. Seit 1999 traten Polen, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Albanien, Kroatien, Montenegro und Nordmazedonien der Nato bei. Auch die Ukraine hat Bestrebungen, Russland lehnte dies jedoch ab. Die westeuropäischen Staaten lehnen Verhandlungen ab, wogegen die osteuropäischen Nato-Staaten mit der Ukraine Beitrittsverhandlungen aufnehmen möchten.

Kalter Krieg, Wiedervereinigung Europas und Kosovo – Die Einsätze der Nato

Seit ihrem Beginn setzt sich die Nato für die europäische und nordamerikanische Sicherheit ein. Als Meilenstein in der Geschichte der Nato gilt der Kalte Krieg zwischen der Sowjetunion und Amerika. Durch militärischen Einsatz gewährleistete die Nato Sicherheit und Frieden der Mitgliedstaaten.
Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und dem Zerfall der Sowjetunion 1991 entwickelte die Nato Partnerschaften mit ehemaligen Gegnern. Seitdem kam es mit den Eintritten zahlreicher osteuropäischer Länder, die zuvor der UdSSR angehörten, zur Osterweiterung der Nato.
2003 beginnt mit der Führung der Internationalen Sicherheitsunterstützung (ISAF) der Einsatz der Nato im Kriegsgebiet in Afghanistan. Weitere Einsatzorte waren unter anderem im Kosovo, im Mittelmeer, in Afrika, der Türkei und im Irak. Weil sich diese Einsatzorte außerhalb des Nato-Gebietes befinden, werden sie als „Out-of-Area“-Einsätze bezeichnet.

Militär und Armee: Die Truppenstärke der Nato

Die Situation in der Ukraine ist angespannt. Die Nato schickt deshalb immer mehr Soldaten in Richtung Osteuropa. Die Nato kann dafür auf eine große Menge an eine große Truppenstärke zurückgreifen. Sie gibt an, wie viele Menschen dem Militär angehören, das heißt wie groß und Stark das Militär der Nato ist.
Im Jahr 2022 hat die Nato eine Truppenstärke von mehr 3,3 Millionen Soldaten. Zum Vergleich: Die Russische Armee besteht aus 850.000 Soldaten, Deutschland aus 184.000 Soldaten. Am stärksten aufgestellt ist China mit mehr als 2 Millionen Soldaten.

Der Ukraine-Konflikt – der jüngste Einsatz der Nato

Im März 2014 begann die Nato ihren Einsatz in der Ukraine. Am 4. und 5. September 2014 wurde dafür ein Gipfeltreffen in Wales abgehalten. Am Ende wurden eine Unterstützung Kiews gegenüber Russland sowie der Einsatz einer Eingreiftruppe, die innerhalb weniger Tage an der russischen Grenze einsatzbereit sein soll, beschlossen. Russland wurde außerdem aufgefordert das militärische Vorgehen in den Separatistengebieten zu beenden. Mit der massiven Präsenz russischer Streitkräfte an der ukrainischen Grenze und der Ausweitung des Konflikts zwischen den beiden Staaten wurde 2022 der NATO-Russland-Rat aktiviert. Die Nato führte in der Folge Schlichtungsgespräche mit Russland, die erfolglos waren. Am 24.2.2022 marschierten russische Truppen in die Ukraine ein und griffen das Land an.