NACHGEFRAGT · MARTINA PÖTSCHKE-LANGER: Ist das die neue Einstiegsdroge?

Dr. Martina Pötschke-Langer leitet die Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum.
Dr. Martina Pötschke-Langer leitet die Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum.
IRIS HUMPENÖDER 03.01.2012
Der Qualm der E-Zigarette ist nicht ausreichend untersucht, sagt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Sie und eine Kollegin waren dabei, als zwei Mitarbeiter des Krebsforschungszentrums die E-Zigarette getestet haben. Wie ging es Ihnen?

MARTINA PÖTSCHKE-LANGER: Ich hatte Atemwegsreizungen und ein Benommenheitsgefühl. Wäre aus der E-Zigarette nur Wasserdampf herausgekommen, wie gerne behauptet wird, hätten meine Kollegin und ich uns sicher besser gefühlt.

Die Industrie wirft Ihnen vor, dies sei kein wissenschaftlicher Versuch gewesen . . .

PÖTSCHKE-LANGER: War es auch nicht. Es ist eine Anekdote. Bezeichnend ist aber, dass in den Blogs der E-Zigaretten-Konsumenten genau diese Nebenwirkungen beschrieben werden.

Warum ist die E-Zigarette aus Ihrer Sicht gefährlich?

PÖTSCHKE-LANGER: E-Zigaretten enthalten das Nervengift Nikotin, eine abhängig machende Droge. Auch ist die chemische und toxikologische Zusammensetzung des Liquids, das eingeatmet wird, in seiner ganzen Breite unbekannt. Ebenso ist der Qualm nicht untersucht und kann deshalb nicht als unbedenklich eingestuft werden.

Warum sind Sie für ein Verbot, wenn solche wissenschaftlichen Auswertungen noch nicht vorliegen?

PÖTSCHKE-LANGER: Wir brauchen kein neues Nikotinprodukt auf dem Markt. Die E-Zigarette ist eine neue Einstiegsdroge, die verharmlost wird.

Könnten sich Raucher mit der E-Zigarette nicht den noch gefährlicheren Tabakkonsum abgewöhnen?

PÖTSCHKE-LANGER: Es gibt keine wissenschaftlichen Studien hierzu. Die E-Zigarette wird vor allem als Lifestyle-Produkt vermarktet und nicht als Mittel zur Tabakentwöhnung. Sie sieht aus wie eine Zigarette, glimmt wie eine Zigarette und soll auch so schmecken. Nochmals: Sie ist eine neue Einstiegsdroge.

Was raten Sie Rauchern, die aufhören wollen?

PÖTSCHKE-LANGER: Die erfolgreichste Methode ist noch immer die Schluss-Punkt-Methode. Man legt einen Tag X fest, an dem man aufhören will, und bleibt dabei. Fast 90 Prozent der ehemaligen Raucher, die seit längerem Nichtraucher sind, haben es damit geschafft. Eine klare Entscheidung und eine hohe Motivation sind das Wichtigste.

Was halten Sie von medikamentöser Unterstützung?

PÖTSCHKE-LANGER: In Deutschland nehmen die wenigsten aufhörwilligen Raucher Medikamente. In England und in der Schweiz etwa ist das viel verbreiteter. Es wird Zeit, dass auch in Deutschland die Tabakabhängigkeit als Krankheit anerkannt wird und entprechend behandelt werden kann.

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