Bielefeld Mutmaßlicher Mörder von Dano schweigt

Der Angeklagte mit seiner Anwältin. Er verbarg sein Gesicht.
Der Angeklagte mit seiner Anwältin. Er verbarg sein Gesicht. © Foto: dpa
AFP 02.10.2014
Im Prozess um die Tötung des kleinen Dano hat es zum Auftakt einen Tumult gegeben. Der Großvater des getöteten Jungen erlitt einen Weinkrampf.

In aufgeheizter Atmosphäre hat vor Landgericht Bielefeld der Prozess um den Mord an dem fünfjährigen Dano aus Herford (Nordrhein-Westfalen) begonnen. Zum Prozessauftakt gegen einen Ex-Nachbarn (43) von Danos Familie verwies der Richter zwei Zuhörer des Saales.

Der Angeklagte schwieg im Gerichtssaal. Die Verteidigerin Christina Peterhanwahr kündigte allerdings eine Erklärung des Mannes für den zweiten Verhandlungstag am 15. Oktober an.

Staatsanwalt Veith Walter warf dem mutmaßlichen Täter Ibrahim B. in der Anklageschrift Mord aus niederen Beweggründen und zur Verdeckung einer Straftat vor. B. habe "das wehrlose Kind" am 14. März erdrosselt, damit der Fünfjährige seinen Eltern nicht von Übergriffen des Mannes in dessen Wohnung erzählen konnte.

Gegen den Angeklagten wird zudem wegen eines zweiten Kindermords ermittelt: Wegen des Verbrechens an Jenisa aus Hannover könnte ihm ein weiterer Prozess drohen. Die Achtjährige war 2007 verschwunden, ihre Leiche wurden vor vier Wochen bei Wunstorf entdeckt. Der Fall ist jedoch nicht Gegenstand des Bielefelder Verfahrens.

Dem Staatsanwalt zufolge soll Dano am Tattag an der Wohnung von B. geklingelt haben, um dessen Sohn zum Spielen abzuholen. Allerdings lebte der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt bereits alleine in der Wohnung, weil sich seine Partnerin von ihm getrennt hatte und mit den Kindern weggezogen war. Nach Telefonaten mit seiner Ex-Lebensgefährtin habe sich der Angeklagte am Tag des Mordes in einer "aggressiven Stimmung" befunden und Dano zunächst an der Wohnungstür geohrfeigt, sagte der Staatsanwalt.

Daraufhin habe der Junge gedroht, dies seinem Vater zu erzählen. Schließlich habe B. beschlossen, "das wehrlose Kind zu töten", sagte der Anklagevertreter. Er habe eine Bettdecke über das Gesicht des Jungen geworfen, zugeschlagen und den Jungen erdrosselt.

Zum Prozessauftakt berichtete ein Polizist als Zeuge von der ersten Vernehmung des 43-Jährigen, der nach seiner Festnahme am 3. April die Tat weitgehend gestanden hatte. B. schilderte demnach im Polizeiverhör "massive Eheprobleme". Kurz vor dem Verbrechen führte B. ein Telefonat mit seiner Ex-Freundin, in dem diese ihm gesagt habe: "Es ist endgültig vorbei".

Dano habe den Streit am Telefon mitbekommen und aus der Wohnung weglaufen wollen. Daraufhin habe B. nach eigener Aussage das Bettzeug geholt und es Dano "so lange auf das Gesicht gedrückt, bis das Kind sich nicht mehr bewegte". Die Polizei allerdings fanden Hinweise auf ein Erdrosseln und ausgeschlagene Zähne.

Bereits kurz nach Verfahrensbeginn sah Richter Wolfgang Korte sich gezwungen, Zuschauer wegen erregter Zwischenrufe zu ermahnen- darunter den Großvater Danos, der von einem Weinkrampf geschüttelt die Aussagen eines Polizisten mit Rufen unterbrach. Bei erneuten Zwischenrufen während der Zeugenvernehmung von Danos Mutter griff der Richter durch. Er forderte den Großvater und einen weiteren Verwandten Danos zum Verlassen des Gerichtssaals auf. Als Polizisten eingriffen, gab es ein Handgemenge. Die Verhandlung wurde anschließend ohne die beiden Zuhörer fortgesetzt.