Mücken Mückenplage: Was hilft gegen die nervenden kleinen Blutsauger?

Fiese Biester: Eine Stechmücke beim Blut saugen.
Fiese Biester: Eine Stechmücke beim Blut saugen. © Foto: Henrik Larsson – Fotolia.com
Ulm / SVEN KAUFMANN 08.07.2016
Der viele Regen und mehrere Hochwasser haben uns eine gewaltige Mückenplage beschert, Hauen und Stechen allerorten. Doch was hilft gegen die Viecher, welche Tipps sind Quatsch?

Jeder kennt es: Gerade ist man am Einschlafen, da tönt am Ohr das hinterhältige Ssssssssiiiiiiiii . . . Vorbei ist’s mit der ruhigen Nacht – blutgierige Mücken greifen an. Und zwar überall: beim Waldspaziergang, Baden, Sport, auf  Gartenpartys und Public Viewings. Apotheker berichten von Kunden mit bis zu 20 Stichen. Mückenschutzmittel und Salben zur Behandlung der Stiche werden sehr viel nachgefragt.

So intensiv wie dieses Jahr sei noch keine Saison gewesen, bestätigt Norbert Becker von der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS). Der Verein bekämpft unter anderem am Oberrhein jedes Jahr Mückenlarven mit einem biologischen Mittel. „Im Moment spürt man natürlich die Mücken“, sagt Becker. Das sei eine Folge der vielen Hochwasserspitzen. Nun sinken die Pegel, in einigen Wochen werde sich die Lage zumindest in Bezug auf „Überschwemmungsmücken“ bessern.

Doch warum greifen Mücken scheinbar nur bestimmte Menschen an, was hilft gegen die fiesen Biester wirklich und was gehört in den Bereich der Mücken-Mythen? Hier einige Fragen und Antworten:

Wie kann es sein, dass ich morgens total zerstochen aufwache und mein Partner unbehelligt bleibt? Sind manche Menschen für Mücken attraktiver als andere?  Ja, sagt Dr. Martin Geier, der seit Jahren zum Verhalten von Stechmücken forscht, der deutschen Presseagentur.  Es komme auf den Geruch der Haut an. Jeder Mensch rieche anders. Mücken haben dafür ein feines Näschen. Der Mix von Stoffen wie Milchsäure, Ammoniak und Fettsäuren entscheide, ob Menschen bevorzugt gestochen werden oder nicht. „Dagegen kann man nicht viel machen“, sagt Geier. Duschen helfe nur kurzzeitig.

Sind manche Menschen also quasi immun? Nein, Mücken sind nur innerhalb von Menschengruppen wählerisch. Wie bei hungrigen Menschen: Können sie am Buffet Essen wählen, nehmen Sie das, was schmeckt. Gibt es nur trockenes Brot, essen sie auch das.

Was lockt Mücken noch an? Mehrere Faktoren: Der CO2-Gehalt im Atem etwa. Die blutdürstigen Weibchen orientieren sich daran. Manche Menschen atmen mehr aus, andere weniger, Schwangere besonders viel. Deshalb wirken sie anziehender auf Moskitos. Zudem lieben sie süßes Parfüm, Wärme und Feuchtigkeit.

Stimmt es, dass Menschen mit „süßem Blut“ mehr gestochen werden? Nein, Mücken lieben vielmehr „fettes Blut“. Wer einen hohen Cholesterinspiegel hat, muss sich besonders in Acht nehmen. Auch der Östrogenspiegel der Frau scheint Mücken zu beeinflussen.

Warum jucken Mückenstiche so? Die Tiere injizieren mit ihrem Speichel einen Blutgerinnungshemmer, sonst können sie das Blut nicht aufsaugen. Unser Körper reagiert darauf mit einer allergischen Reaktion: Schwellung, Rötung, Juckreiz. Deshalb macht Kratzen es auch schlimmer: Der Stoff wird dadurch verteilt.

Wie behandelt man Stiche? Kühlen hilft, Spucke lindert auch ein bisschen. Manche setzen auf Hausmittel wie eine Quarkpackung oder das Einreiben mit einer  Zwiebel. Ein heißer Kaffeelöffel, den man auf den Stich drückt, kann auch helfen, aber nur sofort nach der Attacke. Bei starken Symptomen hilft ein Antihistaminikum oder eine Salbe mit Hydrocortisol aus der Apotheke, sagt der Ulmer Arzt Dr. Norbert Fischer.

Kann ein Stich auch gefährlich werden? Ja, sagt Fischer. Wenn, etwa durch Kratzen, Bakterien in tiefere Schichten gelangen, drohe eine massive Umgebungsinfektion. „Die muss dann mit einem Antibiotikum und Ruhigstellung behandelt werden.“ Es gebe übrigens auch Entzündungen, die ohne Kratzen auftreten.

Wie erkennt man das, wann sollte man zum Arzt?  Wenn eine zunehmende, erkennbar gerötete Schwellung auftrete, sagt Fischer: „Also die klassischen Entzündungsmerkmale calor, dolor, rubor, tumor – Wärme, Schmerz, Rötung, Schwellung“.

Helfen chemische Schutzmittel für die Haut? Ja. So genannte Repellents  schrecken Mücken ab. Stiftung Warentest hat 2014 zahlreiche Mittel getestet. „Anti Brumm“ und „Nobite“ etwa nutzen den Wirkstoff Diethyltoluamid (Deet). Er wirkt gut, gilt aber als schleimhautreizend. Sensiblen Menschen könnten davon die Augen tränen. „Autan“ setzt je nach Produkt ebenfalls auf Deet, vorwiegend aber auf Icaridin. Das ist milder, dafür ist die Wirkdauer laut Warentest etwas kürzer. Für empfindliche Kinder gibt es eine Junior-Version mit weniger Icaridin, die dann entsprechend kürzer wirkt. Wenn man Repellents anwendet, muss man sie lückenlos auftragen. Unbedeckte Stellen nutzen Mücken sofort aus. Repellents sollten auch immer zuletzt aufgetragen werden, also nach dem Sonnenschutzmittel.

Gibt es Alternativen zur Chemie? Ultraschallgeräte, UV-Licht-Fallen, Gartenfackeln und Teelichter bringen laut Warentest wenig bis nichts. Auch Mückenarmbänder mit ätherischen Ölen wie Citronella, Geraniol oder Lavendelöl halfen im Test nicht – die Mücken stachen teilweise direkt neben den Bändern kräftig zu.

Wie steht es mit Hausmitteln wie Knoblauch, Lavendel und „Licht aus“? Das sind alles Mücken-Mythen. Knoblauch, ob äußerlich oder innerlich angewendet, nutzt weder gegen große noch kleine Vampire. Auch Lavendel, Zitronenmelisse, Tomaten- oder Basilikumpflanzen auf dem Fensterbrett beeindrucken Mücken nicht. Und das Licht im Zimmer zieht nicht Mücken, sondern Motten und anderes Nachtgetier an.

Was kann ich sonst noch gegen die Biester tun? Unbedingt alle Wasserstellen wie Vogelbäder, Planschbecken oder kleine Brunnen täglich frisch füllen, um keine zusätzlichen Brutstellen zu bieten. Denn Mücken im „Siedlungsbereich“ bleiben trotz fallender Flusspegel weiter ein Problem, sagt Mückenprofi Norbert Becker. Im Freien sollte man helle, langärmelige Kleidung tragen und auf Parfüms und  duftende Kosmetika verzichten. Im Schlafzimmer sollte man sich ein Beispiel an den Tropen nehmen: Ein Moskitonetz rund ums Bett ist nicht allzu teuer und beschert eine ruhige Nacht, ebenso Moskitogitter am Fenster. Und als bewährte Waffe – vor allem für ausgesaugte und entnervte Rachedurstige – gibt es noch die gute alte Fliegenklatsche.

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Regen und Hochwasser sind schuld

Plage Wegen des miesen Wetters der vergangenen Monate werden wir von einer kleinen Mückenplage heimgesucht. Hintergrund: Stechmückenweibchen brauchen für die Entwicklung ihrer Eier eiweißreiches Blut, bevor sie sie ablegen können. Männchen stechen nicht. Haben Weibchen genug davon, platzieren sie ihre Eier je nach Art entweder auf der Wasseroberfläche oder an eingetrockneten Stellen ehemaliger Brutstätten. Etwa an Ufern und Auen – aber auch in Vogelbädern, Blumentöpfen, Regentonnen oder Gartenteichen. Die abgelegten Eier können längere Zeit einer Trockenheit widerstehen. Wenn dann aber das Wasser steigt und die Eier überspült, dann schlüpfen die Larven.Und dieses Jahr gab es eben viel Regen und viele lang anhaltende Hochwasser – ergo auch viele Mücken.

 

Exoten In den vergangenen Jahren machen sich neben den Flussmücken wie Rheinschnaken auch Exoten breit. Etwa die Japanische Buschmücke. Sie kann das West-Nil-Virus übertragen. Die Infektion kann zu grippeähnlichen Beschwerden und in bestimmten Fällen zu lebensgefährlichen Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute führen. Viel gefährlicher ist die Tigermücke, die 23 Virusarten übertragen kann. Darunter das Dengue-Fieber. Diese Krankheit kann zu hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen führen und insbesondere bei geschwächten Menschen tödlich enden. Dieses Jahr hat sie sich aber wegen der lange kühlen Temperaturen nicht so stark entwickelt. sk/lsw

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