Washington Monica Lewinsky: "Ich war Clintons Sündenbock"

Monica Lewinsky will einen Schlusssstrich unter ihre Vergangenheit ziehen.
Monica Lewinsky will einen Schlusssstrich unter ihre Vergangenheit ziehen. © Foto: dpa
Washington / PETER DE THIER 08.05.2014
Die einstige Praktikantin des Weißen Hauses, Monica Lewinksy, äußert sich nach 16 Jahren zu ihrer Affäre mit Bill Clinton: Sie sei der Sündenbock.

16 Jahre nach einer der schlüpfrigsten Polit-Skandale in der US-Geschichte hat sich Monica Lewinsky wieder zu Wort gemeldet. Die frühere Praktikantin des Weißen Hauses, deren Affäre mit dem damaligen Präsidenten Bill Clinton den mächtigsten Mann der Welt beinahe zu Fall gebracht hat, gibt jetzt in einem Artikel der Zeitschrift "Vanity Fair" erstmals Einzelheiten der verhängnisvollen Beziehung preis.

Von 1995 bis 1998 soll die heute 40-jährige Lewinsky den Präsidenten im Weißen Haus, meistens im Oval Office oder einem kleinen Nebenzimmer, oral befriedigt haben. Die Affäre flog durch die Enthüllungen ihrer deutlich älteren Freundin Linda Tripp auf, der nachgesagt wurde, sie sei eifersüchtig auf die Praktikantin gewesen.

Republikaner witterten die große Chance, den populären Präsidenten zu diskreditieren, und organisierten den Einsatz des Sonderermittlers Kenneth Starr, der die Affäre mit penibler Genauigkeit dokumentierte. Das Ermittlungsverfahren gegen Clinton führte schließlich zu einem Amtsenthebungsverfahren im Kongress. Während im Repräsentantenhaus die Mehrheit für die Amtsenthebung wegen Meineids stimmte, wurde Clinton vom Senat im Amt bestätigt.

In ihrem Zeitschriften-Artikel versucht Lewinsky nun, einen Schlussstrich unter ihre Vergangenheit zu ziehen. "Ich. Bedaure. Zutiefst. Was. Passierte", artikulierte sie ihre Reue über den Skandal, der damals die Weltöffentlichkeit bewegte. "Natürlich" habe Clinton sie ausgenutzt, schreibt Lewinsky, die nach ihrer Tätigkeit im Weißen Haus ein Psychologiestudium absolvierte und dann versuchte, im Internet Handtaschen zu verkaufen. Gleichwohl betonte sie, dass die Affäre mit ihrem Boss immer einvernehmlich gewesen sei. Der eigentliche Missbrauch habe erst später begonnen, "als ich zum Sündenbock gemacht wurde, um seine Stellung der Macht zu schützen".

Aus der Sicht von Clintons Ehefrau Hillary ist das Timing hochinteressant. Sie gilt als klare Favoritin für die demokratische Präsidentschaftskandidatur. Und während einige Demokraten glauben, die Veröffentlichung ziele darauf ab, sie in einer kritischen Vorbereitungsphase in Bedrängnis zu bringen, sehen die meisten politischen Experten ein Vorteil für die 66-Jährige. Schließlich katapultierte der Skandal damals die Beliebtheit der First Lady wegen der Würde, mit der sie die Affäre ertrug, in ungeahnte Höhen.

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