Kopenhagen Monarchie ja, aber bitte ohne Carl Gustaf

Beliebter als ihr Vater: Kronprinzessin Victoria. Foto: dpa
Beliebter als ihr Vater: Kronprinzessin Victoria. Foto: dpa
JOHANNES GAMILLSCHEG 04.01.2013
Schwedens König Carl Gustaf feiert dieses Jahr sein 40. Thronjubiläum. Doch nicht einmal jeder dritte Schwede steht hinter dem Regenten.

Die gute Nachricht für Schwedens König Carl Gustaf lautet, dass 70 Prozent seiner Landsleute die Monarchie bewahren wollen. Doch die schlechte folgt für den Jubilar, der 2013 den 40.Jahrestag seiner Thronbesteigung begeht, auf dem Fuß: Nicht mal jeder Dritte hält den 66-jährigen Regenten für den geeignetsten Inhaber des höchsten Amtes. Nur 32 Prozent der Befragten wollen, dass Carl Gustaf König bis zu seinem Tod König bleibt. 60 Prozent wünschen sich in einer von der Zeitung "Aftonbladet" in Auftrag gegebenen Umfrage einen Generationswechsel zugunsten der weit beliebteren Kronprinzessin Victoria.

Dies sei eine "äußerst hohe Zahl", sagt der Meinungsforscher Jon Andersson: einen vorzeitigen Abgang des Monarchen hat es unter dem seit 1818 regierenden Geschlecht Bernadotte noch nie gegeben. Bei Frauen, von denen zwei Drittel die Abdankung des Königs befürworten, ist Carl Gustaf besonders unpopulär. Dies ist die Folge der Skandale um angebliche Stripclub-Besuche, Saufgelage bei "Herrenabenden" und Techtelmechtel mit einem Popsternchen. Männer verzeihen solche Fehltritte anscheinend leichter. Jedenfalls befürworten nur 50 Prozent der männlichen Befragten die Abdankung.

Während der Vater negative Schlagzeilen machte, gewann Tochter Victoria im Vorjahr bei der Geburt von Prinzesschen Estelle weitere Sympathien und baute ihre Stellung als beliebtestes Mitglied der königlichen Familie aus. Zwar räumt die Kronprinzessin ein, dass so ein Säugling ganz schön anstrengend sein könne und wunderte sich kürzlich in einem Interview, mit wie wenig Schlaf eine junge Mutter auskommen könne. Dennoch würden 17 Prozent der Schweden die 35-Jährige am liebsten sofort auf dem Thron sehen. 20 Prozent wünschen sich die Amtsübergabe innerhalb von fünf, 23 Prozent in spätestens zehn Jahren. 23 Prozent meinen allerdings auch, dass Carl Gustaf abdanken solle, ohne Platz für jemand anderen zu machen, da sie die Monarchie abgeschafft sehen wollen.

17 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Vertrauen in das Königshaus im letzten Jahr abgenommen habe; nur zwei Prozent haben jetzt mehr Zutrauen in die Monarchie. Doch so lange 70 Prozent das Königtum bewahrten wollen, sei dessen Lage "stabil", meint der Staatsrechtler Henrik Oscarsson.

Am 15.September jährt sich der Amtsantritt Carl Gustafs zum 40.Mal, und dies soll während des gesamten Jahres ausgiebig gefeiert werden. Der König will mit Gattin Silvia jede Provinz des Landes besuchen. "Wir hoffen, dabei so viele von euch wie möglich treffen zu können", wandte sich Carl Gustaf in seiner Weihnachtsansprache an seine Untertanen. Wenn das nicht hilft, deren Wohlgefallen zu mehren, kann das Königshaus immer noch auf die für den 8.Juni geplante Hochzeit von Prinzessin Madeleine und ihrem Verlobten Christopher O´Neill hoffen, um der Monarchie Pluspunkte zu sichern.