Eine Heilung für Diabetiker gibt es bislang nicht. Um die Krankheit in Schach zu halten, müssen sich ganze Rentner-Generationen mehrmals täglich Insulin spritzen, einen zuckerregulierenden Stoff, den der eigene Körper nicht mehr ausreichend herstellen kann. Bevor das Insulin 1922 kam, war Diabetes sogar tödlich.

Nun ist Forschern aus der Schweiz, Norwegen und den Niederlanden ein Durchbruch in der Diabetes-Bekämpfung gelungen. Sie konnten Diabetes bei Mäusen weitgehend heilen, wie sie in einem im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichten Artikel dokumentieren. „Bislang ist das nur im Labor und bei Mäusen gelungen. Aber ich hoffe, die Methode kann auch Menschen in den nächsten fünf bis zehn Jahren zugänglich gemacht werden“, sagt Helge ­Raeder, Medizinprofessor an der Universität Bergen und Forschungsleiter des norwegischen Teils der Studie, der Zeitung „Ber­gens Tidende“.

Zellen „umschulen“

Der Vorgang ist komplex und für den Laien höchstens stark vereinfacht nachvollziehbar. Unter Leitung der Universität Genf gelang es dem internationale Forscherteam, Zellen aus der Bauchspeicheldrüse von menschlichen Spendern so „umzuschulen“, dass sie auf die mit der Nahrung aufgenommene Glukose (Zucker) Insulin produzieren.

Bei dieser „Umschulung“ handelt es sich um Alpha-Zellen, die in insulinproduzierende Beta-Zel­len umprogrammiert werden, erklären die Forscher im Fachmagazin „Nature“. Diese derart umprogrammierten Zellen wurden in Mäuse mit Diabetes eingepflanzt.

Wenn diese Tiere durch die Nahrungsaufnahme ihren Zuckerspiegel erhöhten, produzierten die eingepflanzten Zellen von ganz alleine Insulin und regulierten so den erhöhten Zuckerspiegel, ähnlich wie es bei gesunden Lebewesen der Fall ist. „Die menschlichen Zellen stellten sich als sehr effizient heraus“, heißt es in einer Pressemitteilung der Forscher. „Die Mäuse erholten sich.“

Eine von vielen Herausforderungen wird es sein, eine sichere Methode zu finden, um Zellen in Bauchspeicheldrüsen eines lebenden Menschen genauso umzuprogrammieren, wie im Experiment mit den Mäusen. Aber allein die Demonstration, dass eine solche Umprogrammierung überhaupt möglich ist und dabei auch noch den gewünschten Effekt hat, gilt als bahnbrechend.

Schon seit einigen Jahren gibt es weltweit auch andere Versuche, die in die gleiche Richtung gehen. Diabetiker können sich also darüber freuen, dass die Forschung derzeit mehrere ganz neue Strategien verfolgt, die in nicht allzu ferner Zukunft Diabetes nicht nur in Schach halten, sondern auch vom Ansatz her heilen könnten.

Eine der größten Volkskrankheiten


Neben Herz-/Kreislauferkrankungen und Krebs ist Diabetes eine der größten Volkskrankheiten weltweit. Über 425 Millionen Erwachsene leiden laut Schätzungen weltweit darunter, davon über 90 Prozent an der Altersdiabetes (Typ-2). anw