Australien Mit Fürsorge gegen Einbrecher

Einbrechern bietet Sam de Sillery Obdach, statt sie zu verjagen.
Einbrechern bietet Sam de Sillery Obdach, statt sie zu verjagen. © Foto: Fotolia
BARBARA BARKHAUSEN 20.09.2016
Mehrere Tage lang schaute sich eine alleinerziehende Mutter in Westaustralien das Treiben mit an. In ihrer Straße wurden Autos demoliert und alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest war. Auch in ihr eigenes Auto wurde in einer Woche gleich zweimal eingebrochen.

Mehrere Tage lang schaute sich eine alleinerziehende Mutter in Westaustralien das Treiben mit an. In ihrer Straße wurden Autos demoliert und alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest war. Auch in ihr eigenes Auto wurde in einer Woche gleich zweimal eingebrochen. Doch anstatt sich daraufhin mit einer Überwachungskamera, einer Alarmanlage oder sichereren Schlössern zu wappnen, entschied sich Sam de Sillery für einen anderen Ansatz. Sie hängte ein großes Schild an ihren Zaun: „An all diejenigen, die immer wieder in mein Auto einbrechen und die Autofenster meines Nachbarn einschmeißen: Unser Leben ist auch hart.“

Anstatt den Übeltätern Vorwürfe zu machen oder sie zu beschimpfen, überlegte die 28-Jährige, wie sie helfen könnte. „Falls es Essen ist, das ihr braucht, werde ich euch verpflegen. Falls ihr Wärme braucht, dann habe ich Decken, aber vor allem kann ich euer Freund sein.“ Der lokalen Zeitung „WA Today“ sagte die junge Frau, dass Bagatelldelikte in ihrem Stadtteil in Perth so überhandgenommen haben, dass einige ihrer Nachbarn ihr Auto schon nicht mehr absperrten, da das Austauschen der zerschlagenen Fenster zu viel Geld koste. „Ich weiß, wie schwer es ist, Arbeit zu finden und dass es eine ganze Menge Leute gibt, die sich schwer tun.“ Sie sei selbst alleinerziehende Mutter. „Und ich komme auch nur durch, indem ich Hilfe von Familie und Freunden annehme.“ Da immer nur Kleinigkeiten gestohlen wurden, wie ein Schlauch und eine Kabeltrommel aus der Garage eines Freundes, vermute sie, dass der Dieb einfach nur Hunger habe und ein wenig Geld brauche. Deswegen habe sie bewusst nicht verärgert reagieren wollen, sondern sich für das Schild entschieden.

Auch wenn sich die Diebe übers Wochenende nicht bei Sam de Sillery meldeten, wollte sie das Schild noch ein wenig länger hängen lassen. Schließlich sei niemand in ihrer Straße mehr bestohlen worden, seitdem sie das Angebot am Zaun befestigt habe. Allein das sei schon eine aufregende Sache.