Rom Mit fremden Zwillingen schwanger

Künstliche Befruchtung: Wie es zur Verwechslung kam, ist unklar. Foto: dpa
Künstliche Befruchtung: Wie es zur Verwechslung kam, ist unklar. Foto: dpa
Rom / BETTINA GABBE 15.04.2014
Schock nach der künstlichen Befruchtung: In einem Krankenhaus wurden Embryonen verwechselt. Die werdende Mutter hält zu den Kuckuckskindern.

Aus dem lang gehegten Kinderwunsch, der sich endlich durch künstliche Befruchtung erfüllen sollte, wurde für mindestens zwei Paare ein Alptraum. Im römischen Pertini-Krankenhaus wurden Embryonen vertauscht. Die werdende Mutter von Zwillingen entdeckte den Fehler zufällig: Das Erbmaterial ihrer künftigen Kinder stimmt nicht mit ihrem eigenen und dem ihres Mannes überein.

Anfang Dezember hatte die Enddreißigerin sich in einem der größten römischen Krankenhäuser zwei im Reagenzglas erzeugte Embryonen einpflanzen lassen. Am selben Tag wurden dort insgesamt vier Frauen Embryonen eingepflanzt.

Um Gendefekte auszuschließen, ließ sie die Föten drei Monate später sicherheitshalber in einem auf pränatale Diagnostik spezialisierten Zentrum eines anderen Krankenhauses untersuchen. Die Zwillinge seien gesund - das Genmaterial aber mit dem der Eltern nicht kompatibel, lautete das Ergebnis.

Nach anfänglichem Schock entschied sich die werdende Mutter für die Kinder eines fremden Paars. "Diese Kinder wachsen in mir, ich habe sie gespürt, wie könnte ich über das Schicksal von zwei so lang erwarteten Geschöpfen entscheiden?", erklärte sie nach Angaben ihres Anwalts Michele Ambrosini. Nach italienischem Recht darf sie die Kinder behalten.

Der zuständige Bereich im Pertini-Krankenhaus wurde nach der Entdeckung der Verwechslung im eigenen Labor umgehend geschlossen. Das Gesundheitsministerium setzte eine Untersuchungskommission ein, um die Fehlerquelle zu finden. Sie soll zudem klären, ob auch bei den anderen Schwangeren Embryonen vertauscht wurden.

Da sämtliche Vorgänge nach europäischen Maßgaben rigoros kontrolliert würden, könne es nicht zu Verwechslungen kommen, wenn die Regeln korrekt angewendet seien, mahnt Elisabetta Coccia vom italienischen Studienzentrum für Eizellen- und Samen Cecos.

Der Chef der Untersuchungskommission, Giuseppe Novelli, verweist indes auf eine andere Fehlerquelle. Möglicherweise seien nicht die Embryonen vertauscht worden sondern das für den Test an den Föten entnommene Genmaterial.

Der Fall der vertauschten Embryonen ist indes nicht der erste Skandal in der römischen Reproduktionsmedizin. Vor zwei Jahren waren knapp hundert tiefgefrorene Embryonen im Filippo-Neri-Krankenhaus wegen eines technischen Defekts aufgetaut und dadurch unbrauchbar geworden.